Volkach

Renaturierung des Altmains: Chance und Risiko

Für die Ortschaften und deren Bewohner entlang des Altmains hätte eine Renaturierung der Flussauen Auswirkungen. Der Blick von der Vogelsburg Richtung Südwesten über die Weinberge zeigt Nordheim (links im Bild) und auf der anderen Mainseite Escherndorf. Foto: Barbara Herrmann

Noch ist es mehr ein Gedankenspiel, denn ein konkretes Projekt. Doch sollten sich die Ideen als tragfähig erweisen, könnte der Altmain zwischen Volkach und Gerlachshausen in einigen Jahren zu einem Paradebeispiel für die ökologische Aufwertung eines großen Fließgewässers werden. Das Potenzial hierzu hat der zwölf Kilometer lange Flussabschnitt jedenfalls.

Ulrike Geise vom BN sprach im Volkacher Stadtrat von einer in Deutschland einzigartigen Gewässerlandschaft, die der Altmain bietet. Diese Einschätzung stammt nicht von ihr selbst, sondern ist das Fazit eines Fachbüros, das den Altmain im Auftrag der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) unter die Luppe genommen hat. Ziel war es herauszufinden, wie aus dem Flussabschnitt, auf dem seit dem Bau des Main-Kanals keine Fracht- und Passagierschiffe mehr unterwegs sind, wieder eine möglichst naturnahe Auenlandschaft entstehen kann.

Förderprogramm übernimmt bis zu 100 Prozent der Kosten

Die Chance hierfür bietet das "Blaue Band", ein millionenschweres Förderprojekt des Bundesamts für Naturschutz, das Auen und deren Vernetzung entlang von Bundesschifffahrtsstraßen – als solche gilt der Altmain – mit einer Kostenübernahme von bis zu 100 Prozent unterstützen möchte. Eine einmalige Gelegenheit zur Renaturierung des Altmains, findet die Kreisgruppe des BN, deren stellvertretende Vorsitzende Geise ist: "Das passt wie die Faust aufs Auge."

Im Grunde gehe es dem Programm darum, dem Altmain möglichst viel von seiner ursprünglichen Dynamik zurückzugeben. Buhnen und weitere Bauwerke im Wasser zur Flussregulierung sollten abgebaut werden. Auch Ufersicherungen könnten laut der Untersuchung bis auf Abschnitte von 2,6 Kilometern (für beide Uferseiten) verschwinden. Böschungssicherungen seien nur auf 6,2 Kilometern notwendig. Gewünscht ist, dass der Altmain sich freier bewegen, etwa Wirbel bilden und stellenweise mäandern kann.

Der Altmain ist vor allem im Sommer ein beliebtes Ziel für Ausflügler. Foto: Johannes Kiefer

Klar ist: Ohne Anrainergemeinden und Anwohner geht nichts

Aus Sicht von Geise, die selbst Biologin ist, erfüllt der Altmain alle Kriterien, die das Programm "Blaues Band" an ein Gewässer stellt, um dort mehr Naturnähe und Artenvielfalt zu schaffen. Neben der Kreisgruppe wären der BN in Bayern und auf Bundesebene bereit, das Projekt zu tragen, berichtete Geise. Sie betonte zugleich: Das Projekt kann nur dann zustande kommen, wenn die Menschen entlang des Altmains dahinter stehen. Dasselbe gilt für die Anrainergemeinden, neben Volkach sind dies Nordheim, Sommerach, Dettelbach und Schwarzach.

Volkachs Bürgermeister Peter Kornell unterstrich, wie wichtig es ist, die Anwohner mitzunehmen und zu überzeugen. Zugleich warb er dafür, das mögliche Projekt "offen aufzunehmen". Nicht umsonst zähle sich Volkach zu den Kommunen, die biologische Vielfalt fördern. 

Auf dem Altmain geht es mitunter eng zu, wenn Floßfahrer, Badende, Kanu-Fahrer und Fähren aufeinander treffen. Das Bild zeigt ein Floß und die Fähre bei Escherndorf/Nordheim. Foto: Johannes Kiefer

Wie sich das skizzierte Projekt auf Kanu- und Floßfahrten auf dem Altmain auswirkt, wollte Dieter Söllner (SPD) wissen. Prinzipiell gar nicht, erklärte Geise. Doch wäre mit einer ökologischen Aufwertung des Flussabschnitts das Erstellen eines Konzepts für einen naturverträglichen Tourismus verbunden. Und hier sei es ohnehin verwunderlich, dass die Naturschutzbehörde vor allem den teils mit lauter Party-Musik treibenden Flößen auf dem Altmain, noch keinen Riegel vorgeschoben hat.

Hochwasserschutz brennt besonders unter den Nägeln

Die Frage des Hochwasserschutzes sprach Heiko Bäuerlein (CSU) ebenso an wie Herbert Römmelt (FW), der Berechnungen, wie Maßnahmen sich auf Überflutungen auswirken, misstraut und deshalb "extremen Widerstand der Bevölkerung" gegen das Projekt erwartet. Die Hochwasser-Voraussagen hätten sich beispielsweise nach dem Bau des Bundeswehr-Übungsgeländes bei Nordheim als falsch erwiesen, zum Nachteil von Escherndorf auf der gegenüberliegenden Mainseite. Zudem traut Römmelt eigenen Angaben nach den Naturschutzbehörden nicht, da diese ausgewiesene Naturschutzflächen verwildern ließen.

BN-Vertreterin Geise sah in der angeblichen Verwilderung von Naturschutzflächen entlang des Altmains nichts Anstößiges. "Die Natur verändert sich, wenn man sie lässt", sagte sie. Zum Hochwasserschutz erklärte sie, dass es Aufgabe von Fachplanern sei, diesen bei einer möglichen Renaturierung des Altmains ausreichend zu berücksichtigen.

Auswirkungen auf den Sand- und Kiesabbau nicht genau geregelt

Holger Scheidig erfuhr von Geise, dass es entlang des Altmains "nicht allzu viele" Flächen in Privatbesitz gebe, die von einer Renaturierung betroffen wären. Die meisten Flächen seien in öffentlicher Hand. Das Programm ermögliche zudem den Kauf von Flächen. Die Wasserfläche sowie ein zehn Meter breiter Streifen auf beiden Uferseiten gehören dem Bund. Auswirkungen auf den Sand- und Kiesabbau entlang des Altmains sind ihres Wissens nach nicht klar geregelt, berichtete Geise auf eine Frage von Uwe Koßner (CSU), doch sei eine Renaturierung diesem wohl "eher abträglich".

Entgegen dem Vorschlag Bäuerleins, eine Entscheidung nochmals zu vertagen, stimmte der Stadtrat am Ende der Aussprache einstimmig dafür, dass der BN eine Projektskizze ausarbeitet, die Voraussetzung für eine Bewerbung zur Aufnahme in das Förderprogramm ist. Sollte der Altmain tatsächlich renaturiert werden – so heißt es im Beschlusstext ausdrücklich –, dann nur mit Beteiligung der Anrainergemeinden und Anwohner, die informiert und über Workshops ins Boot geholt werden sollen. Und: Dem Hochwasserschutz sei vor allem anderen Priorität einzuräumen.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde verbessert. Eine frühere Variante dieses Artikels enthielt eine Aussage von Herbert Römmelt (FW), wonach sich durch Aufschüttungen zur Anlage des Bundeswehr-Wasserübungsplatzes bei Nordheim die Hochwassersituation in Nordheim verschlechtert hätte. Römmelt bezog sich in seinen Ausführungen im Stadtrat jedoch auf eine Verschlechterung für die Ortschaft Escherndorf auf der gegenüberliegenden Mainseite. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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