KITZINGEN

Rosentritt Wohnbau kauft Storg-Gebäude

Eines der bekanntesten Gebäude in Kitzingen ist das ehemalige Kaufhaus Storg. Das Obergeschoss steht seit zwei Jahren leer. Jetzt wurde der Komplex verkauft. Zunächst ist eine Teilsanierung geplant, die beiden Geschäfte im Erdgeschoss sollen bestehen bleiben. In einigen Jahren wird es dann eine große Neuentwicklung geben. Fotos: Daniela Röllinger Foto: Daniela Röllinger

Das Kaufhaus ist längst Geschichte, doch der „Storg“ gibt dem markanten Gebäude am Eingang zur Innenstadt noch immer seinen Namen. Jetzt will die Rosentritt Wohnbau GmbH es in eine neue Zukunft führen. An der Nutzung des Erdgeschosses durch einen Textilmarkt und eine Drogerie soll sich zunächst aber nichts ändern.

Handwerker-Geräusche aus dem 1. Stock ließen in den letzten Wochen aufhorchen: Was tut sich da im ehemaligen Kaufhaus Storg? „Wir haben angefangen, das erste und zweite Obergeschoss zu entkernen und die Substanz freizulegen“, sagt Wolfgang Rosentritt auf Nachfrage. Vor einigen Monaten hat sein Unternehmen den Gebäudekomplex erworben. Der Vorbesitzer habe mit Sanierungen keine Erfahrungen gehabt und sich deshalb nach einem Käufer umgesehen. Die Rosentritt GmbH dagegen kann diese Erfahrung aufweisen und ist zudem bereits mit mehreren Projekten in Kitzingen aktiv. Da mache es Sinn, sich weiter in der Stadt zu engagieren.

„Der Storg ist eine der Schlüsselimmobilien in Kitzingen.“
Wolfgang Rosentritt, Investor

„Wir sehen hier die Möglichkeit, etwas Tolles zu entwickeln“, erklärt der Geschäftsführer. Er fühlt sich der Stadt verbunden, wohnt im Landkreis, hat keine weiten Wege. Drei Wochen hat das Unternehmen das Kaufangebot geprüft und dann zugeschlagen. Trotzdem wird sich erst einmal nicht viel an der markanten Fassade ändern. Die große Neuentwicklung ist erst in ein paar Jahren geplant.

Die Geschichte des Anwesens in der Ritterstraße ist wechselvoll. Ab 1928 war dort das Capitol-Kino untergebracht. 1964 eröffnete Heinrich Storg eine Filiale seiner Kaufhaus-Kette in dem Gebäude. Das Unternehmen florierte, hatte zwischenzeitlich 120 Mitarbeiter und drei Standorte in der Stadt. Doch im Jahr 2000 meldete die Kaufhauskette Insolvenz an. Ein Jahr später eröffnete Storg zunächst wieder, aber der Erfolg währte nicht lange. Mitte 2006 wurde ein Teil des Erdgeschosses an die Drogeriemarktkette Rossmann vermietet, Monate später zog auf der restlichen Fläche im Erdgeschoss der Textilmarkt NKD ein. Storg zog sich in das 1. Obergeschoss zurück, verkaufte den Gebäudekomplex später und wurde selbst nur Mieter mit einem Textilhandel. 2017 meldete dieses Unternehmen Insolvenz an – damit brach der Hauptmieter weg.

Wolfgang Rosentritt bezeichnet Storg als „eine der Schlüsselimmobilien in Kitzingen“. Mehrere Tausend Quadratmeter Nutzfläche hat das Anwesen, ist am Eingangsbereich zur Innenstadt gelegen. Die Bausubstanz im neueren Teil sei gut, die im Altbau „altersgerecht“. Aber es gibt auch Probleme: Im ersten und zweiten Obergeschoss stehen riesige Flächen leer. Die technischen Einrichtungen wie die Lüftung sind längst nicht mehr auf dem neuesten Stand. Dazu kommen Brandschutzmängel: „Da sind teilweise noch Holztüren drin.“ Und vor allem ist da die Rolltreppe, brandschutztechnisch „eine Katastrophe“, wie Rosentritt sagt. Sie verband das Erdgeschoss mit dem ersten Ober- und dem ersten Untergeschoss. Das zog wegen der getrennten Nutzung des Erdgeschosses durch zwei Geschäfte Probleme nach sich: Wer ins Obergeschoss wollte, musste erst durch den NKD, wer wieder herunter wollte, durch Rossmann. Jetzt wird die Rolltreppe demontiert, die Tragkonstruktion bleibt erhalten und wird nach Brandschutzvorgaben eingehaust. „Damit koppeln wir die Einheiten voneinander ab“, so Rosentritt.

Problem: Stellplätze fehlen

Das erleichtert nicht nur den Brandschutz, sondern auch die Vermietung, schließlich sollen die 1000 Quadratmeter große Fläche im ersten Stock und die drei Einheiten mit insgesamt etwa 470 Quadratmetern im zweiten Stock nicht leer bleiben. Was genau im ersten Obergeschoss einzieht, ob Geschäft oder Büros, ob im zweiten Obergeschoss Büros oder Wohnungen entstehen, ist noch nicht sicher. „Wir haben Interessenten, Gespräche laufen“, erklärt der Geschäftsführer. Er sagt aber auch, dass die Immobilie wegen der fehlenden Stellplätze nicht so leicht vermietbar sei.

Die derzeitigen Planungen sind erst mal mittelfristig, es wird eine Teilsanierung nach Wünschen der neuen Mieter angestrebt. Die eingemieteten Geschäfte bleiben im Storg – „und das hoffentlich noch ein paar Jahre“. So habe Rossmann den Mietvertrag erst kürzlich verlängert und auch NKD wolle bleiben. Langfristig werde es aber wahrscheinlich Änderungen geben, die Drogerie benötige eigentlich eine Verkaufsfläche, die doppelt so groß ist. Und auch für sie sind die fehlenden Stellplätze ein großes Manko.

Im Zuge der mittelfristigen Teilsanierung wird sich auch an der alles andere als attraktiven Fassade erst einmal nichts ändern. Sie abzunehmen und eine neue anzubringen, würde sich nicht lohnen. Ein paar neue Fenster und eine grundlegende Reinigung, mehr wird sich zunächst nicht tun.

Wie der Storg in einigen Jahren aussehen wird, das hängt vom Gesamtkonzept ab, das noch erarbeitet werden muss. Eine grundlegende Sanierung, ein Abriss bis auf die Grundmauern und ein Neubau – Rosentritt schließt nichts aus.

Die Rundbogenfenster im hinteren Bereich des ehemaligen Kaufhauses Storg zeugen davon, wie das Gebäude ursprünglich aussah, als noch das Kino Capitol dort beheimatet war. Foto: Daniela Röllinger
Das Kino Capitol, bevor das Kaufhaus 1964 einzog und das Gebäude umgestaltet wurde.Quelle: Stadtarchiv Kitzingen, Historische Fotosammlung, Kinos Foto: Quelle: „Stadtarchiv Kitzingen: Historische Fotosammlung, Kinos“

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