KITZINGEN

Roxy 1 soll ein Programmkino werden

Kinofan: Michael Schmitt will das Roxy wiederbeleben.
Kinofan: Michael Schmitt will das Roxy wiederbeleben. Foto: USW

Eines hat sich in Kitzingen beim Jugend-Filmfestival am vergangenen Wochenende deutlich gezeigt: Das seit 2007 geschlossene Roxy-Kino ist nicht tot – eher wartet es wie dereinst Dornröschen auf den Märchen-Prinz, der es wach küsst.

Ein Märchen-Prinz? Die Beschreibung passt nicht wirklich auf Michael Schmitt, einen Biologen, Vorruheständler und Kinofan aus Kitzingen, der seit langem für die Wiederbelebung des Roxy kämpft. Der 63-Jährige war schon in der Arbeitsgruppe aktiv, die zusammen mit Kinobesitzer Wolfram Kamm und Konversionsmanager Christoph Hagen in der ersten Jahreshälfte ein Konzept

„Das Projekt steht und fällt damit, dass Bürger und Interessierte das Angebot annehmen.“
Michael Schmitt, Roxy-Fan aus Kitzingen

für die Mehrfachnutzung erarbeitet hatte. „Das ist nach Abwägung von Investitionsbedarf, Kosten und erwarteten Einnahmen im Juli vom Stadtrat auf Eis gelegt worden“, so Schmitt. Geplant waren ein Spartenkino, ein Theater-Inklusions- und Integrationsprojekt, Kleinkunst und Lesungen sowie veranstaltungsbegleitende Gastronomie. „Dazu hätte es für das Roxy eine Nutzungsänderung geben müssen – mit allen Auflagen, die daran hängen.“

Auch deshalb favorisieren Schmitt und seine Mitstreiterinnen Christine Jenike und Anke Schunk ein Programmkino. „Dafür ist keine Nutzungsänderung nötig. Geklärt werden muss lediglich, ob die Betriebserlaubnis unverändert weiter gilt oder nicht.“ Knackpunkt ist, dass das Roxy seit 2007 geschlossen ist. In vergleichbaren, positiv entschiedenen Fällen hätten die Schließungen mal vier, mal sechs Jahre gedauert. „Offen ist deshalb, ob das bei acht oder neun Jahren auch zutrifft.“

Die Frage lässt Kinobesitzer Kamm derzeit klären. Klar ist: In Sachen Brandschutz und Umbauten hätte ein Spartenkino weit bessere Chancen als das zunächst geplante Kulturzentrum. „Wir wollen nur Saal 1 bespielen. Es wäre also weder eine größere Theaterbühne nötig, noch würde der fehlende Notausgang im Roxy 3 eine Rolle spielen“, so Schmitt.

Den günstigsten Fall angenommen, dass die Betriebserlaubnis weiter gilt und nur einfachere Baumaßnahmen wie zusätzliche Rauchmelder oder Feuerlöscher notwendig wären, hoffen Schmitt & Co. auf einen Starttermin im April oder Mai 2016. „Bis dahin müssten wir die Genossenschaft gegründet, 400 bis 500 Anteilsscheine zu 100 bis 150 Euro verkauft und den Förderverein ins Leben gerufen haben“, erläutert der 63-Jährige den strammen Fahrplan.

Ob es überhaupt realistisch ist, so viele Anteilsscheine unters Volk zu bringen? „Wir hatten bei unserem Befragungen ungefähr 400 positive Rückmeldungen, mancher würde wohl auch mehr als einen Schein kaufen. Aber natürlich steht und fällt das Projekt damit, dass Bürger und Interessierte das Angebot annehmen.“ Was den Optimismus des Kinofans stützt, sind die guten Fördermöglichkeiten für dezentrale Programmkinos. Selbst wenn die Betriebserlaubnis ganz oder teilweise erneuert werden müsste, größere Investitionen fällig würden – 100 000 Euro und mehr wären aus Fördertöpfen offenbar zu bekommen. „Allerdings würde es dann bis zum Kinostart erheblich länger dauern, zumal gilt: Je mehr Geld beantragt wird, desto höher müssen im Gegenzug die Eigenmittel der Genossenschaft sein.“

Das Programmangebot könnte jenem des Central in Würzburg ähneln: Es soll Filme für ein spezielles Publikum, beispielsweise aus Kultur, Politik oder für Kinder geben. „Wir wollen mit Vereinen, Kindergärten, Schulen, Firmen oder wie kürzlich bei „Murggs“ mit dem Fastnachtmuseum zusammenarbeiten.“ Während Kinoleiter und Reinigungspersonal wohl bezahlt werden müssten, denkt Schmitt für Kasse und Theke an Ehrenamtliche. „Aber über solche Fragen müssen Genossenschaft und Förderverein entscheiden.“

Schmitt, dessen Tochter in der Filmbranche arbeitet, ist froh über positive Rückmeldungen, fühlt Rückenwind von der Stadt, Stadtmarketing und Kinobesitzer Kamm. Und schaden dürfte vermutlich auch nicht, dass Schmitt und OB Siegfried Müller der USW, der Unabhängigen Sozialen Wählergruppe, angehören.

Das Kitzinger Roxy-Kino

Fünf Kinos hat es einst in Kitzingen gegeben, von denen sich das Roxy am längsten gehalten hat. Angefangen hat der Kinobetrieb 1956 – damals hat Friedrich Gahler einen Saal eröffnet. 1973 kam ein zweiter dazu, 1994 ein dritter. 44 Jahre führte Gahler das Kino mit Annaliese Kamm-Gerstmeier. 2001 übergaben sie es an einen Nachfolger – es folgten vier Pächter in sieben Jahren. Nach dem endgültigen Abzug der Amerikaner wurde das Roxy 2007 ganz geschlossen. Seitdem gibt es immer wieder Bemühungen für einen Neustart.

Traurig: Das Kitzinger Roxy ist „zur Zeit“ geschlossen.
Traurig: Das Kitzinger Roxy ist „zur Zeit“ geschlossen. Foto: Lara Meißner
Beifall: Beim Jugend-Filmfestival „Jufinale“ in Kitzingen waren die jungen Besucher von der Atmosphäre im Roxy-Kino begeistert.
Beifall: Beim Jugend-Filmfestival „Jufinale“ in Kitzingen waren die jungen Besucher von der Atmosphäre im Roxy-Kino begeistert. Foto: Robert Haaß

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