Kitzingen

SUV sorgt für Schrecksekunde beim Start in den Urlaub

Zwei Juristen erleben eine für sie lebensgefährliche Fahraktion auf der A 3 bei Geiselwind. Sie erstatten Anzeige. Der Fall landet vor Gericht und endet anders als gedacht.
Smbolbild Gericht
Smbolbild Gericht Foto: liveostockimages

Den Start in den Urlaub Ende Oktober 2018 wird ein Juristenehepaar nicht vergessen. Auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt erlebten der Richter als Fahrer und die Staatsanwältin als Beifahrerin auf der A 3 eine Situation, die sie als lebensgefährlich einschätzen. Auslöser des Ganzen war ein schwerer SUV, dessen Fahrer die beiden anzeigten. Jetzt waren sie am Amtsgericht in Kitzingen Zeugen in einem Verfahren wegen Straßenverkehrsgefährdung und Nötigung.

Da zeigte sich, dass auch hochkarätige Zeugen wie ein Richter und eine Staatsanwältin keine Garantie für ein Urteil sind. Der 52-Jährige auf der Anklagebank kam mit der Einstellung des Verfahrens davon. Er hat damit einen Eintrag ins Bundeszentralregister vermieden.

Fahrer-Frage kann nicht geklärt werden

Dass es eine Einstellung wurde, lag einmal daran, dass es sich bei dem SUV um einen Firmenwagen handelte. In der Firma ist der 52-Jährige zwar einer der Geschäftsführer, ob er am 27. Oktober 2018 aber auch gefahren ist, blieb offen. Zugute kam dem Man auch ein Gutachten. Das stellte fest, dass das Geländefahrzeug nach links einscheren konnte ohne die Gefahr einer Kollision.

Das sahen die beiden Zeugen anders. Sie waren auf der A 3 mit Tempo 120 in Richtung Frankfurt unterwegs. Auf Höhe Geiselwind überholte das Auto mehrere Lastwagen, als der SUV plötzlich von rechts knapp vor dem Auto nach links auf die Überholspur zog. "Nur eine kontrollierte Vollbremsung hat einen Unfall verhindert", war sich der Fahrer sicher. Die Beifahrerin sah es ähnlich: "Nur weil mein Mann voll in die Eisen gegangen ist, hat es nicht gekracht." Trotz des Schrecks konnte sich die Beifahrerin das Kennzeichen merken.

Gutachterin beurteilt Tempo und Abstand

Die Anzeige, der Strafbefehl, der Einspruch und die Verhandlung folgten. Und da ging es um die Frage, wer ist gefahren? Der Angeklagte sagte nichts, die Zeugin hat ihn nur ganz kurz gesehen. Die Frage, wer am Steuer saß, beantwortet sie mit den Worten: "Das kann ich nicht sicher sagen." Dann kam die Gutachterin wegen der Aussagen zum Tempo und zum Abstand zu den Lastern zu dem Schluss: Es war ein sehr "knapper Fahrvorgang, aber es war Platz genug". Für den SUV-Fahrer war es rein technisch möglich, links einzuscheren, ohne dass es zu einer Berührung kommt.

Damit wackelte der Vorwurf der Straßenverkehrsgefährdung. Blieben eine mögliche Nötigung, ein bisher unbelasteter Angeklagter und die offene Fahrerfrage. Nach einiger Überlegung schlug die Staatsanwältin die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage vor und schlug 3900 Euro und damit in etwa den Betrag vor, den der Strafbefehl vorgesehen hatte. Die Gegenseite nahm an. "Da will ich mal nicht so sein", sagte Richterin Patricia Finkenberger und formulierte den Beschluss. Für die beiden Juristen war die Schrecksekunde bei Geiselwind übrigens nur der Auftakt in einen Urlaub zum Vergessen, wie der Richter am Steuer sagte, Venedig im Hochwasser eingeschlossen.

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