Volkach

Saatgut-Festival: Furcht vor Coronavirus hält Besucher fern

Der Besucherstrom des Saatgutfestivals in Volkach war in diesem Jahr deutlich geringer als in den Jahren zuvor. Der Vorteil: An den Ständen herrschte kein Gedrängel, wie an diesem, an dem es Flüssiges aus Obst in allen Varianten zum Probieren gab.
Der Besucherstrom des Saatgutfestivals in Volkach war in diesem Jahr deutlich geringer als in den Jahren zuvor. Der Vorteil: An den Ständen herrschte kein Gedrängel, wie an diesem, an dem es Flüssiges aus Obst in allen Varianten zum Probieren gab. Foto: Hanns Strecker

"Wir bringen die Vielfalt zurück in die Gärten und Felder, und auf die Teller." So lautete das Motto des dritten Saatgut-Festivals in Volkach. Über 30 Aussteller zeigten am Samstag in der Mainschleifenhalle Hunderte Tomatensorten in allen Farben und Formen, aber auch die ganze Palette der Gemüsesamen, alte und samenfeste Sorten, Raritäten und Bewährtes.

Der Begriff "samenfest" war fast an allen Ständen zu finden. Dahinter steckt: Jeder kann von jeder Sorte, die er einmal gekauft hat, diese auch selbst vermehren. Jahr für Jahr. Immer wieder mit den selbst gewonnenen Samenkörnern der jeweiligen Frucht. Auch dies ist ein Aspekt von Nachhaltigeit. "Und das alles ohne Gentechnik", wie Barbara Keller, die mit ihrem Mann Martin bereits seit neun Jahren solch eine Messe organisiert, meint.

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Kontinuierlich seien die Besucherzahlen gestiegen. Vergangenes Jahr waren knapp 2000 Besucher in Volkach zu verzeichnen gewesen. "Doch heuer ist das anders", sagt sie nachdenklich. "Die Hälfte wird es wohl gewesen sein." Eindeutiger Grund: der Coronavirus! "Gerade unsere älteren Gäste haben das Festival gemieden" stellt Martin Keller fest. Beide berichten, dass sie sich in langen Gesprächen mit dem Gesundheitsamt in Kitzingen abgestimmt und alle Auflagen erfüllt hätten. Im Vertrauen auf die Kompetenz des Amtes haben sie sich dann für die Durchführung der Veranstaltung entschieden, "ohne ein schlechtes Gewissen zu haben".

Kartoffel als Begleiterin durchs Leben

Im Inneren der Halle war von einer Krise nichts zu spüren. An den Ständen mit diversen Obstsäften wurde kräftig probiert und an den langen, mit unzähligen Kisten und Kästen belegten Tischen über die Sortenvielfalt der Samenkörner diskutiert. Großen Zuspruch fand der Kartoffelhof Störkle aus dem Bodenseeraum. Dessen Seniorchefin, Rosa Störkle, stellte eine Riesenauswahl an Kartoffeln aus der ganzen Welt vor, so zum Beispiel aus Peru, Chile und Georgien. "120 Sorten habe ich hier", meinte sie stolz. 81 Jahre sei sie jetzt alt, und das Thema "Kartoffel" hat sie ihr ganzes Leben begleitet. "Wir betreiben die vegetative Vermehrung, also von Hand in die Erde – und von Hand wieder geerntet."

Angelika Schmidt von der Rübezahlspinnerei zeigt verschiedene Kräuter, mit denen die Wolle gefärbt wird.
Angelika Schmidt von der Rübezahlspinnerei zeigt verschiedene Kräuter, mit denen die Wolle gefärbt wird. Foto: Hanns Strecker

Nebenan hatte das "Casa Tomata" der Familie Illini aus Abenberg eine Serie von Tomatenraritäten. "Der 'Lange Erwin' ist unser neuestes Produkt aus samenfestem Saatgut", erzählte Werner Illini. Der allergrößte Renner aber sei eine Züchtung aus den USA, wo tatsächlich blaue Tomaten heranwachsen.

Hochkonzentriert suchten die Besucher winzige Samenkörner aus.
Hochkonzentriert suchten die Besucher winzige Samenkörner aus. Foto: Hanns Strecker

Als Allergene im Getreide noch keine Rolle spielten

In eine ganz andere Richtung zielt Klaus Lang aus Wolfegg. Er hat sich auf alte Getreidesorten spezialisiert, zum Beisiel auf den Urdinkel "Alter Deutscher Dickkopf". "In den 1960er Jahren war das das Standardgetreide für Brot", sagte Lang. Damals habe es die Probleme mit Allergenen auch noch nicht gegeben. Diese entstanden erst, als man Weizensorten einfach weiterzüchtete und damit gleichzeitig die Anteile der Allergene stark vermehrte. Stellvertretend für alle Aussteller brachte Lang es auf den Punkt: "Wir wollen einfach wieder auf die alten Sorten zurück!"

Klaus Lang stellt den Urdinkel "Alter Deutscher Dickkopf" vor.
Klaus Lang stellt den Urdinkel "Alter Deutscher Dickkopf" vor. Foto: Hanns Strecker

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