KITZINGEN

Schule überprüft Namensgebung

Auf dem Prüfstand: Die Richard-Rother-Realschule will sich mit ihrem Namensgeber noch einmal auseinandersetzen. Foto: Norbert Hohler

Schnell hat die Richard-Rother-Realschule in Kitzingen auf den Bericht dieser Zeitung („Rothers Nazi-Verstrickungen“/28. April) reagiert: Anstelle eines von der Redaktion erbetenen Gesprächs teilte Direktor Michael Rückel am Dienstagnachmittag per siebenzeiligem Fax mit, die Schule werde die Namensgebung „noch einmal überprüfen“.

Noch einmal deshalb, weil sich die Schule bereits 2013 unter Leitung der damaligen Direktorin Irma Walter mit dem Thema beschäftigt hat. Grund: Am 24. April 2013 hat der Landtag beschlossen, dass „staatliche Schulen hinsichtlich möglicher historischer Belastungen der Namensgeber untersucht werden sollen.“

Der Parlaments-Initiative vorangegangen war der erbitterte Streit um das „Wernher von Braun-Gymnasium“ in Friedberg, das den Namen des Pioniers der Raumfahrt inzwischen abgelegt hat: Historiker geben dem Physiker eine Mitschuld am Tod von Tausenden Zwangsarbeitern durch das V-2-Raketenprogramm.

Spaenles klare Worte

Kultusminister Ludwig Spaenle, selbst Historiker, betonte in seiner Pressemitteilung vom 6. März 2013: „Personen, die sich durch ihre Zusammenarbeit mit menschenverachtenden Herrschaftssystemen – in der deutschen Geschichte geht es in erster Linie um die braune Diktatur unter Adolf Hitler – mitschuldig gemacht haben, können nicht als Namensgeber von staatlichen Schulen im demokratischen Rechtsstaat fungieren.“ Einen Tag später erging der Auftrag an alle bayerischen Ministerialbeauftragten: Namen überprüfen, belastete Namen besprechen und dann Entscheidungen treffen. Zudem wurde empfohlen, die Kompetenz des entsprechenden Referats und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit zu nutzen.

Wie weit das in Kitzingen geschehen ist, geht aus der Stellungnahme der Schule vom Dienstag nicht hervor. Dort heißt es lediglich: „Auf Grundlage des Beschlusses des bayerischen Landtags vom 24. 04. 2013 hat bereits im Jahr 2013 eine erste Prüfung und kritische Auseinandersetzung mit dem Namensgeber der 'Richard-Rother-Realschule' stattgefunden.“ Wie diese Prüfung erfolgte, wer beteiligt war, ob es Stimmen für eine Umbenennung gab – all das lässt sich daraus nicht erkennen. Allerdings gab es im Frühjahr 2013 in Würzburg eine Ausstellung zur Nazikunst („Tradition & Propaganda – eine Bestandsaufnahme), bei der auch Rother-Werke zu sehen waren.

Laut Pressestelle des Kultusministeriums habe daraufhin das lokale Fernsehen die Schule zum Umgang mit dem Namen Richard Rother befragt, Antwort: „Die Gremien der Schule haben den Namensgeber kritisch hinterfragt. Es wurde der Ausstellungskatalog ausführlich durchsucht. Es wurde zwar eine gewisse Nähe zum NS-Regime festgestellt, aber nach längeren Diskussionen in einem Abwägungsprozess keine Ablegung des Namens beschlossen.“

Der Redaktion liegt auch der Mitschnitt einer Sendung des Bayerischen Fernsehens von 2013 vor: Direktorin Irma Walter war während besagter Ausstellung in Würzburg zu einer möglichen Umbenennung der Schule befragt worden. Tätig werden wolle sie nur, sagte sie, wenn die Experten aus dem Kultusministerium den Namen als kritisch einstufen. „Bis dahin werde ich abwarten.“

Umbenennungen

Anderswo wurde gehandelt: In Würzburg wurde die Carl-Diem-Halle 2004 nach heftigen Debatten umbenannt; der Ex-Sportfunktionär wird ebenso als belastet eingestuft wie Max Dingler. Die Mittelschule in Murnau hat den Zoologen und Mundartdichter deshalb 2011 aus ihrem Namen entfernt. Umbenannt wurden auch die Hans-Herrmann-Schule in Regensburg sowie die nach Erwin Lesch benannten Förderzentren in Unterhaching, Neumarkt und Neuburg.

Willi Dürrnagel, der im Zeitungsbeitrag vom Dienstag zitiert war, würde der Schule gern seine Recherchen präsentieren. „Wenn Interesse besteht, mache ich das. Die Namens-Entscheidung muss die Schule natürlich selbst treffen.“ Ähnlich äußert sich Bettina Keß, die seinerzeit die Forschungen zur Nazikunst der Städtischen Galerie in Würzburg geleitet hatte und Kuratorin der entsprechenden Ausstellung gewesen ist. Wie sagte sie im BR-Interview 2013 so sie treffend: „Ich maße mir keine Bewertungen an. Ich empfehle jedem, sich die Werke anzuschauen und dann eine eigene Meinung zu bilden.“

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