Iphofen

Schulen kämpfen gegen das Ertrinken

Wie wichtig Schwimmunterricht an Schulen ist, demonstrierte eine Veranstaltung in Iphofen. Dabei wurden auch Forderungen nach mehr staatlicher Unterstützung laut.
Die bayernweite Auftaktveranstaltung für 'Schwimmunterricht in der Grundschule' fand an der Dr.-Karlheinz-Spielmann-Schule in Iphofen statt.
Die bayernweite Auftaktveranstaltung für "Schwimmunterricht in der Grundschule" fand an der Dr.-Karlheinz-Spielmann-Schule in Iphofen statt. Foto: Marcel Dinkel

"Schwimmen lernen braucht Zeit, denn am Anfang ist es nicht einfach, sich im Wasser wohlfühlen zu können", sagte Grundschülerin Leticia. Mittlerweile macht es ihr aber Riesen-Spaß. Leticia schwimmt seit der 1. Klasse und ist inzwischen auch bei der Wasserwacht, um mehr über das Schwimmen zu lernen und später auch einmal anderen helfen zu können.

Ein Lehrer führte einen Rettungseinsatz mit einer Kollegin vor.
Ein Lehrer führte einen Rettungseinsatz mit einer Kollegin vor. Foto: Marcel Dinkel

Die Wasserwacht bereitet Lehrer für den Schulschwimmunterricht vor und bildet sie aus. Da es jedoch nicht genügend qualifizierte Lehrer für den Unterricht gebe, sind die Schulen bisher auf das Engagement älterer Kollegen angewiesen, die bei der Ausrichtung von Kursen und Unterricht ehrenamtlich mitarbeiten, erklärte Sebastian Schlereth, Bezirksvorsitzender der Wasserwacht Unterfranken."Es ist unsere Aufgabe, den Ertrinkungstod zu bekämpfen und dafür benötigen wir den Unterricht und die Schwimmbäder."

Auftaktveranstaltung für Bayern

Damit benannte Schlereth einen zentralen Punkt, der am Montag bei einer bayernweiten Auftaktveranstaltung zum Thema Schwimmunterricht in Grundschulen in der Iphöfer Dr.-Karlheinz-Spielmann-Schule exemplarisch diskutiert wurde. Dort fanden sich Schüler, Lehrer, Verbände und Regierungsvertreter ein, die sich mit "Sicherheit durch Organisation, Methodik und Rettungsfähigkeit im Schwimmunterricht der Grundschulen" beschäftigten. Hierbei ergab sich ein Einblick in den aktuellen Schwimmunterricht der Grundschule.

Die Moderatorin und Mitbegründerin der Fortbildung für Lehrkräfte, Erika Schwitulla, führte die Teilnehmer durch den Vormittag, der neben einer Diskussionsrunde einen Ausflug ins nahe Hallenbad beinhaltete. Nach einem Chor-Einstieg von Schülern der 4. Klasse bezogen die Gäste Stellung. 

Schwimmlehrer Michael Rüdiger zeigt einer Schülerin eine Schwimmübung.
Schwimmlehrer Michael Rüdiger zeigt einer Schülerin eine Schwimmübung. Foto: Marcel Dinkel

Der Ertrinkungsungsgefahr den Kampf ansagen 

Bürgermeister Josef Mend appellierte an Staatssekretärin Anna Stolz, dass die staatliche Förderung für Schwimmbäder angehoben werden müsse. "Selbst für wohlhabende Kommunen sind solche Projekte ein Kraftakt und das bisherige Förderprogramm ist einfach zu wenig", gab Mend Stolz mit auf den Weg. Das Thema liege der Stadt auch deshalb am Herzen, weil sie darin eine  gesamtgesellschaftliche Herausforderung sehe. "Der Gemeinderat teilt diese Meinung geschlossen und parteiübergreifend", sagte Mend. 

Landrätin Tamara Bischof schloss sich der Forderung Mends an. "Die Sanierung von einem durchschnittlichen Bad beläuft sich auf um die sieben bis acht Millionen Euro. Der Topf des bayerischen Förderprogramms beträgt aber nur 20 Millionen für ganz Bayern. Wir wollen weiterhin die Möglichkeit schaffen, solche Kurse für Schüler auszurichten. Das allein reiche jedoch nicht, betonte die Landrätin. "Die Eltern müssen mit ihren Kindern das Angebot aber auch nutzen." 

"Die Eltern sind der Schlüssel zum Erfolg."
Hilar Burkard, ehrenamtlicher Schwimmlehrer

Diese Meinung vertrat auch der pensionierte Lehrer Hilar Burkard, der seit einem Jahr ehrenamtlich bei den Schwimmkursen für die Dr.-Karlheinz-Spielmann-Schule mitwirkt: "Die Eltern sind der Schlüssel zum Erfolg." 

Anna Stolz, Staatssekretärin für Unterricht und Kultus, bekräftigte, eine flächendeckende Ausbildung  von Lehrkräften in Zukunft vorantreiben zu wollen. "Die Regierung hat das Problem erkannt und will die Schwimmkurse erweitern." Deshalb stellte sie ein neues Förderprogramm mit einem Etat von 120 Millionen Euro in Aussicht.  

Die Schüler der 4. Klasse der Iphofer Grundschule begrüßten die Gäste mit einer Choreinlage. 
Die Schüler der 4. Klasse der Iphofer Grundschule begrüßten die Gäste mit einer Choreinlage.  Foto: Marcel Dinkel

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