Kitzingen

Stefan Güntner will seit seiner Jugend Kitzinger OB werden

Der Kitzinger Bürgermeister tritt zum zweiten Mal zur Wahl des Oberbürgermeisters an. Wie er dieses Mal aufs Ganze gehen und was er in seiner Heimatstadt verwirklichen will.
Stefan Güntner (CSU) tritt nach 2014 zum zweiten Mal zur Wahl des Kitzinger Oberbürgermeisters an. Sein Lieblingsort: der Fußballplatz neben dem Bayernheim am Mainufer. Foto: Andreas Brachs

Stefan Güntner hat schon als Jugendlicher ein klares Ziel: Kitzinger Oberbürgermeister werden. Auf diese Idee kommt er, als er mit Mutter und Onkel Wahlplakate für den ehemaligen CSU-OB Erwin Rumpel klebt. Er fragt sich schon damals: "Was braucht ein OB? Was muss er können?" Danach setzt er die Schwerpunkte in der Oberstufe des Gymnasiums: Wirtschaft und Recht. Daraufhin studiert er Jura: Fachrichtung Öffentliches Recht und Verwaltung. Bei den Kommunalwahlen 2020 tritt Güntner nach seiner Bewerbung im Jahr 2014 zum zweiten Mal als OB-Kandidat für die CSU an.

Güntner, heute 38 Jahre alt, gesteht durchaus ein, dass er bei seiner Kandidatur vor sechs Jahren womöglich zu jung, zu unerfahren gewesen sei – noch dazu im Wettbewerb mit dem Amtsinhaber Siegfried Müller. Immerhin gelingt Güntner 2014 mit dem Erreichen der Stichwahl ein erster Erfolg. Am Ende holt er 47,5 Prozent. 

Video

3 Fragen an: Stefan Güntner / Oberbürgermeisterkandidat Kitzingen

Als Bürgermeister schon oft die Stadt vertreten

Diesmal will er mehr. Der Jurist beim Würzburger Jobcenter geht aufs Ganze. Und nicht wenige Kitzinger sehen in ihm tatsächlich den Favoriten der diesjährigen OB-Wahl. Güntner hat sechs Jahre Erfahrung als Stadtrat gesammelt; er ist als Bürgermeister zugleich Stellvertreter von Oberbürgermeister Müller und hat bei geschätzt 500 Terminen bereits die Stadt Kitzingen repräsentiert. 

Warum will er unbedingt dieses Amt? "Kitzingen ist meine Heimatstadt; ich will sie weiterentwickeln." Die Stadt habe ihm viel ermöglicht, und er könne ihr nun etwas zurückgeben. Was ein OB braucht und können muss, hat er für sich inzwischen beantwortet: "Man darf auch vor kritischen Situationen nicht zurückschrecken, muss wissen und verstehen, was andere antreibt, und erklären, warum es manchmal anders kommt." Güntner hat solche Treffen erlebt: im Bürgerzentrum, als er über den dort geplanten Hotel-Bau diskutiert, in Würzburg, als er den Standort Kitzingen fürs neue Staatsarchiv verteidigt. "Man kann es nicht allen recht machen." So viel hat er gelernt. Aber man müsse immer wieder versuchen, es zu erklären und dürfe nicht aufgeben.

Der junge Mann aus der Siedlung hat Leistungssport betrieben, als Fußballer bis in der Bayernliga, als Tennisspieler, der zeitweilig täglich drei Stunden trainierte. Mit Hilfe des Sports hat er sich auch für die Jura-Prüfungen motiviert: Jeden Morgen stand Sport auf dem Programm, um den inneren Schweinehund zu besiegen und anschließend ans Lernen zu gehen. 

"Man darf auch vor kritischen Situationen nicht zurückschrecken."
Stefan Güntner, OB-Kandidat der CSU Kitzingen

Ehrgeiz? Den hat der OB-Kandidat sicherlich. Immerhin strebt er als jüngstes Stadtratsmitglied nach dem höchsten Amt der Großen Kreisstadt. "Der OB ist Leiter der Verwaltung und Leiter des Stadtrats – das ist sehr spannend." Spannender als Güntners Funktion beim Jobcenter der Stadt Würzburg womöglich. Dort hat der Jurist ein eng umgrenztes Arbeitsfeld: die rechtliche Vertretung in Fragen der Sozialgesetzgebung. Die Rechtsgebiete in der Kitzinger Stadtverwaltung sind deutlich vielfältiger.

Apropos vielfältig: Das könnte ab Mai auch für den Stadtrat gelten. Rund ein Dutzend politischer Gruppierungen bewerben sich um Stadtratsmandate, erstmals auch die AfD. Sollten sie alle zum Zug kommen, wird die Mehrheitsfindung zum Drahtseilakt. Güntner würde auf rechtzeitige Information und Diskussion im Stadtrat setzen. Das könne Ängste und Vorurteile abbauen, auch bei den Bürgern. "Die Leute wollen früher wissen, was Sache ist", vergleicht Güntner das heutige Informationsbedürfnis mit der Vergangenheit.

Der Kandidat muss auch informieren, denn er hat einiges vor: Güntner will die Stadt weiter wachsen lassen – auf bis zu 28 000 Einwohner zum Ende der 2020er-Jahre. Also braucht Kitzingen Wohnraum: Mietwohnungen in den Marshall Heights ebenso wie sanierte städtische Wohnungen, Bauplätze in der Kernstadt und den Stadtteilen und hochpreisige Wohnungen von Privatinvestoren. 

Wirtschaftsförderung als Chefsache

Stefan Güntners Wahlaussage auf einem Bierdeckel. Foto: Andreas Brachs

Wirtschaftsförderung soll unter Güntner Chefsache werden. Er will den direkten Austausch mit den Betrieben und die konsequente Begleitung von Bauanträgen. Dazu will der 38-Jährige das Bauamt trennen: in die Bearbeitung von gewerblichen und von privaten Bauvorhaben. Und er will die Wirtschaft durch weiche Standortfaktoren stärken: Wohnungen für die Mitarbeiter, Hotelzimmer für die Kunden, nennt er Beispiele.

Dass der Stadt etwa 200 Krippenplätze fehlen, bringt den OB-Kandidaten zur Überzeugung, bestehende Kindergärten zu erweitern, auf die Schnelle auch durch Modulbauweise. Aber er will keine neuen Einrichtungen auf der Grünen Wiese bauen. Und er steht auch alternativen Konzepten wie der Montessori- oder der Waldpädagogik offen gegenüber. 

In der Innenstadt will der CSU-Kandidat ganze Areale überplanen und per Immobilienkauf neu entwickeln. Er wehrt sich dagegen, die Einkaufsstadt schlecht zu reden. "Es gibt nicht für jedes Alter und jeden Geldbeutel etwas, aber die Geschäfte, die da sind, haben Qualität, Service und Beratung", befindet er. Was ihm fehlt? Eine Kneipenkultur mit Wein- oder Bierbar im Zentrum. 

Das passt zu seinem Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität, mehr Grün und mehr Barrierefreiheit. Deshalb will er generell Tempo 30 in der Innenstadt durchsetzen. Die künftige Verkehrsführung möchte er mit Anwohnern und Geschäftsleuten diskutieren. Parkplätze in der Peripherie gibt es seiner Meinung nach schon viele: 500 hat er gezählt bei etwa 500 Metern Entfernung zum Marktplatz. Deshalb ist er kein Freund eines Stadtbusses. Dafür sei die Stadt wohl nicht groß genug, sagt der Jurist und Verwaltungsfachmann: "Der ÖPNV ist keine Pflichtaufgabe der Stadt." 

Stefan Güntner
Geburtsdatum: 13. Oktober 1981
Stefan Güntner Foto: Ilona Müller/IM Foto
Wohnort: Kitzingen
Beruf: Jurist, Verwaltungsangestellter
Partei: CSU
Politische und Ehrenämter: Kitzinger Bürgermeister und Stadtrat, Kreisrat, CSU-Ortsvorsitzender, CSU-Kreisvorstandsmitglied
Familie: verheiratet, drei Kinder
Hobbys: Laufen, Schwimmen, Radfahren

Klicken Sie auf die Punkte in unserer interaktiven Karte und lernen Sie die Bürgermeister-Kandidaten zur Kommunalwahl 2020 kennen.

Rückblick

  1. Wahlausschuss bringt keine Klarheit über die Gültigkeit der OB-Wahl
  2. Kommentar zur Briefwahl-Panne: Wenig Interesse an Aufarbeitung
  3. Briefwahl-Panne in Kitzingen: Landratsamt prüft die Unterlagen
  4. Stichwahl Kitzingen: Wie es nach der Briefwahl-Panne weitergeht
  5. Heiko Bäuerlein ist Volkachs neuer Bürgermeister
  6. Dettelbachs Wahlsieger Bielek hat Ergebnis so nicht kommen sehen
  7. Christian Hähnlein setzt sich in Castell mit 304 Stimmen durch
  8. Kopp will sich als Marktbreiter Bürgermeister "voll reinhängen"
  9. OB-Wahl in Kitzingen: Favorit Stefan Güntner siegt im Endspurt
  10. Liveticker: So laufen die Stichwahlen im Landkreis Kitzingen
  11. Landkreis Kitzingen: Stichwahlen in fünf Kommunen
  12. Wen empfehlen die Kitzinger Parteien vor der OB-Stichwahl?
  13. OB-Stichwahl: Manfred Paul setzt auf Erfahrung in der Krise
  14. OB-Stichwahl: Stefan Güntner will im Schlussspurt gewinnen
  15. Stichwahl Marktbreit: Kopp will Geschäftsleute unterstützen
  16. Stichwahl Marktbreit: Biebelriether strahlt Zuversicht aus
  17. Marktbreiter CSU gibt keine Wahlempfehlung zur Stichwahl
  18. Stichwahl Volkach: Das sagen Krönert, Rauch und Wagenhäuser
  19. Stichwahl Volkach: Gebert wirbt mit grüner Kompetenz und Tatkraft
  20. Stichwahl Volkach: Bäuerlein setzt auf sich und sein Netzwerk
  21. Stichwahl Dettelbach: Bielek sucht online Kontakt zum Wähler
  22. Stichwahl Dettelbach: Hannweber steckt Energie ins Praktische
  23. Stichwahl Dettelbach: Beck empfiehlt keinen der Kandidaten
  24. Stichwahl Castell: Horak plädiert für Generationswechsel
  25. Stichwahl Castell: Hähnlein gibt sich jung, offen und ehrlich
  26. Stichwahl Castell: Weber setzt auf sein politisches Interesse
  27. Tamara Bischof ist die Stimmen-Königin des Kreistages
  28. Warum die CSU im Landkreis (noch) kein Wahlgewinner ist
  29. Ergebnis Kreistagswahl: CSU und SPD verlieren, Grüne gewinnen
  30. Wahl-Nachlese: Von Rekord-Haltern und einem Blitzeinschlag
  31. Stichwahl in Dettelbach: Bielek mit Vorsprung vor Hannweber
  32. Wahlabend in Wiesentheid: Köhlers faustdicke Überraschung
  33. Bürgermeister Castell: Stechen zwischen Weber und Hähnlein
  34. Stadtrat Kitzingen: UsW stürzt ab – Grüne gewinnen – AfD drin
  35. Wahlsieger Warmdt hält Versprechen und kündigt Job sofort
  36. Bürgermeisterwahl in Iphofen: Lenzer siegt ohne Triumphgeheul
  37. Stichwahlen: CSU gegen Freie Wähler in Dettelbach und Volkach
  38. OB-Wahl in Kitzingen: Güntner und Paul in der Stichwahl
  39. Zwölf Stimmen entscheiden Bürgermeisterwahl in Wiesentheid
  40. Kommentar zur Landratswahl: Das Ein-Personen-Stück
  41. Landratswahl: Kitzingen bleibt Bischof-Sitz
  42. Liveticker: So laufen die Kommunalwahlen im Kreis Kitzingen
  43. Spannende Kommunalwahl: Wo Frau und Mann um Stimmen streiten
  44. Treibt das Coronavirus die Zahl der Briefwähler in die Höhe?
  45. Panne: 31 Westheimer warten auf ihre Briefwahlunterlagen
  46. Landratskandidatin Bischof: "Mit Leidenschaft und Erfahrung"
  47. Landratskandidat Markert: "Mit beiden Beinen auf dem Boden"
  48. Kommunalwahl 2020: Zwei Bewerber für das Amt des Landrats
  49. Bürgermeisterwahl: 62 Kandidaten für 31 Chefsessel im Landkreis
  50. Albertshöfer Bürgerliste bei Jungpflanzen Gernert

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Kitzingen
  • Andreas Brachs
  • Alternative für Deutschland
  • CSU
  • Erwin Rumpel
  • Kommunalwahl 2020 im Landkreis Kitzingen
  • Siegfried Müller
  • Stadt Kitzingen
  • Stadt Würzburg
  • Stefan Güntner
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!