Kitzingen

„The Armed Man“: Völkerverständigung im Konzert

Paul-Eber-Kantorei mit Regionalkantor Martin Blaufelder und einem umfangreichen Orchester.
Paul-Eber-Kantorei mit Regionalkantor Martin Blaufelder und einem umfangreichen Orchester. Foto: Jutta Schwegler

Karl Jenkins schuf in seinem Werk „The Armed Man“ ein Bekenntnis zum Frieden. Zur Zeit des Kosovo-Krieges 1999 entstanden, übernimmt es Elemente von den verschiedensten Kulturen, Texte aus der Bibel und dem Koran, der Mahàbhàrata, von R. Kipling, J. Swift, T. Sankichi und anderen. Die Paul-Eber-Kantorei hatte sich mit Regionalkantor Martin Blaufelder und einem umfangreichen Orchester aus vorwiegend lokalen Musikern diesem nicht ganz einfachen Werk gestellt. Nach einem ungewöhnlichen Beginn, bei dem der Chor im Rhythmus auf der Stelle marschierte, rief dieser zur Bewaffnung auf, eine unheimliche Stimmung gleich zu Beginn verbreitend.

Nun, nach einem großen Finale die Überraschung: Cebrail Özdemir aus Kitzingen intonierte das „Allahu akbar“, Gott ist groß, den originalen Gebetsruf der Moslems, der jeden Tag die Gläubigen fünf Mal zum Frieden im Alltag aufruft. Ruhig, scheinbar losgelöst kamen die Töne, sehr verinnerlicht und auch den Zuhörer im tiefsten Innern ansprechend, ein großer Moment dieser Aufführung. Das Kyrie folgte, die Bitte um Erbarmen angesichts der Gräuel in der Welt, vom Chor innig gestaltet. Nach gregorianischen Klängen in „Save me from the Bloody Men“ (Hilf mir gegen die Blutgierigen), sehr homogen und tragend dargeboten von den Männerstimmen, evozierte das Sanctus die Kriegsvorbereitungen.

Paul-Eber-Kantorei.
Paul-Eber-Kantorei. Foto: Jutta Schwegler

Nun ließ sich der Chor von den intensiven Schlagwerkern mitreißen, wurde noch präziser, immer unter dem energischen Dirigat von Blaufelder. Flächige Klänge wurden durchbrochen von den sehr präsenten, klaren Blechbläsern (Würzburger Philharmoniker mit Mitgliedern der Bamberger Sinfoniker). In der „Hymn before Action“, (Lobgesang vor der Schlacht) flehte der Chor um Hilfe in der Schlacht, ein Stück wie Filmmusik. Unglaublich intensiv war der nächste Satz, „Charge“, welcher die eigentliche Kriegshandlung, die Ruhe vor dem Sturm, das Reiten in die Schlacht und den Horror des Krieges auch in einem wirren Cluster beschrieb, eine tolle Leistung des Chores. Besonders zu erwähnen sind hier die Soprane, die beständig in höchster Höhe sauber intonierten.

„Now the guns have stopped“

Das beeindruckende Gedicht „Angry Flames“ (zornige Flammen) des japanischen Autors Toge Sanchiki, einem Überlebenden von Hiroshima, enthielt wunderbare Melodien für die Solotrompete, die exzellent und zu Herzen gehend von Johannes Mauer gespielt wurde. Zusammen mit den Solisten (Barbara Buffy und Martin Blaufelder vom Dirigentenpult aus) und dem Chor entwickelte sich ein Stück, welches das Leid und den Tod der Menschen in Japan in schmerzvolle Klänge fasste. „Torches“ (Fackeln), wurde eindringlich durch Sprechgesänge der Frauenstimmen begonnen, zu denen sich mit heftigen Ausrufen die Männerstimmen im Fortissimo gesellten: anklagend, mahnend, manchmal schroff. Das Agnus Dei brachte nach den Traumata des Krieges die Hoffnung auf Frieden, mild, flehentlich, sehr harmonisch vom Chor. Hier hat Jenkins den Satz „Now the guns have stopped“ eingefügt (So still nun, da die Waffen schweigen). Barbara Buffy konnte hier wieder ihren warmen, runden und gut geführten Mezzo zum Klingen bringen.

Das Benedictus wurde durch ein melodisches Cellosolo eingeleitet, vom Chor mit einem sehr schön tragenden, vollen Pianissimo aufgenommen und endete in friedvoller Gelassenheit. "Better is peace than always war" (Frieden ist besser als immer Krieg), endete nach Verstummen der Blechbläser und Pauken in einer unbegleiteten Hymne: "Gott wird abwischen alle Tränen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid und Geschrei, noch Schmerz" - ein Ausblick ins Paradies, in dem wir uns, wenn es nach Jenkins ginge, alle, egal aus welcher Kultur, in Frieden treffen würden.

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