KITZINGEN

Totalsperre für Falterturm: Fastnachtsmuseum zu

Böse Überraschung für den Bund Deutscher Karneval: Die Stadt Kitzingen hat am vergangenen Dienstag das Deutsche Fastnachtsmuseum im Falterturm geschlossen. Grund laut OB Siegfried Müller ist der Brandschutz: Die Sicherheit der Besucher bei einem plötzlichen Feuer sei nicht zu garantieren.
Kitzinger Wahrzeichen geschlossen: Wahrscheinlich bis Ende des Jahres bleibt der Falterturm dicht, weil Brandschutz-Auflagen der Feuerwehr erfüllt werden müssen. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich nach neusten Berechnungen auf über 300 000 Euro.
Kitzinger Wahrzeichen geschlossen: Wahrscheinlich bis Ende des Jahres bleibt der Falterturm dicht, weil Brandschutz-Auflagen der Feuerwehr erfüllt werden müssen. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich nach neusten Berechnungen auf über 300 000 Euro. Foto: Fotomontage: Jutta Glöckner

Damit die Schätze der Narrenzunft wieder gezeigt werden können, soll das Kitzinger Wahrzeichen bis zum Jahresende brandtechnisch aufgerüstet werden.

Die Hauruck-Aktion ausgerechnet im touristisch so wichtigen Jahr der Kleinen Gartenschau ist seltsam: Seit 2007 tauchen die Brandschutz-Defizite in unregelmäßigen Abständen im Stadtrat auf. Und dann verschwinden sie genauso schnell, obwohl es meist heißt: Wenn nicht wenigstens eine Sprinkleranlage montiert wird, „muss das Fastnachtsmuseum geschlossen werden“.

Die Schließung ist jetzt Fakt, obwohl laut Wolfram Beha vom Stiftungsrat des Museums nie etwas passiert ist und ein Brandschutz-Gutachten seit drei Jahren mehr oder weniger im Aktenschrank schlummerte. Einzige Konsequenz laut OB Müller: Die Besucherzahl im Museum sei vor längerem auf „zehn bis 20 Leute“ eingeschränkt worden.

„Unter diesen Umständen war der Turm tot für mich.“

Wolfram Beha Stiftungsrat des Museums

Eine satte Verschärfung – Ende Dezember – gab's nach einer erneuten Begehung des sechsstöckigen Turms: maximal fünf Besucher, zwei Museumsbegleiter und für jeden einen Notfallrucksack, Feuerlöscher auf jeder Etage. Behas Kommentar: „Unter diesen Umständen war der Turm tot für mich.“ Weil Stadt und Stiftungsrat (Beha: „Ein Betrieb ist so nicht möglich“) sich nicht einigen konnten, machte die Stadt die Pforten dicht. Er sei nicht bereit, die Haftung zu übernehmen, wenn ein Feuer ausbricht, so der Oberbürgermeister.

Die bislang recht zäh behandelte Brandschutz-Sache scheint jetzt plötzlich Tempo aufzunehmen: Am 20. Januar sollen die Pläne für die Aufrüstung des Turms im Finanzausschuss vorberaten werde, ein Beschluss soll am 27. Januar im Stadtrat fallen. Müller sieht eine „breite Mehrheit“ für das Projekt, das runde 250 000 Euro (im März 2009 ging's noch um 180 000 Euro) kosten soll. Das Geld wird laut Müller in einen Rauchabzug, eine Sprinkleranlage, feuerhemmende Zwischendecken und größere Ausstiegsluken gesteckt.

Als Baubeginn peilt Kitzingens Stadtoberhaupt den April oder Mai an. Spätestens zum Jahresende werde der Turm dann feuertechnisch auf dem richtigen Stand sein, erklärte Müller. Kopfzerbrechen bereitet das Vorhaben vor allem dem Stiftungsrat. Der ganze Museumsschatz muss raus und irgendwo zwischen gelagert werden. Laut Beha hat die Stadt die alte Post (neben dem städtischen Bauamt) als Depot vorgeschlagen.

Die Eile der Stadt, den Turm zum Brandrisiko zu erklären, ist für Fasenachter Beha ein Stück weit nachvollziehbar, auch wenn er die Gefahren für weit hergeholt hält. Seine Erklärung: Im Herbst habe die Stadt eine Hochzeit im Marktturm aus Brandschutzgründen abgelehnt. Damals habe er gesagt, „wenn Ihr diesen Standpunkt einnehmt, müsst Ihr jeden Turm dichtmachen“. Das Echo erreichte nun den Falterturm.

Falterturm in Kitzingen

Gebaut: Der Falterturm wurde zwischen 1469 und 1496 als Befestigungs- und Wachturm der äußeren Kitzinger Stadtmauer errichtet und ist heute der am besten erhaltene Teil dieser Wehranlage. Auffällig ist die schiefe Spitze des als Baudenkmal geschützten Turmes, der deshalb auch als schiefer Turm bezeichnet wird. Eigentümer ist heute die Stadt Kitzingen. Höhe: 52 Meter, aufgeteilt in sieben Stockwerke. Museum: Seit 1966 beherbergt der Turm die Schausammlung des Deutschen Fastnachtmuseums und ist damit das offizielle Museum des Bundes Deutscher Karneval, der Dachorganisation von rund 4000 Fastnachtsvereinen, Faschingsgilden, Karnevalsgesellschaften und Narrenzünften. Schwerpunkte der Sammlung sind Masken, Requisiten, Medaillen und Orden. Zu sehen ist dabei auch die älteste Narrenkappe Deutschlands von 1840.

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