VOLKACH/WÜRZBURG

Trotz Alarmanlage: 21 Elektro-Fahrräder weg

Landgericht Bonn
Symbolbild: Paragrafen-Symbole an Türgriffen Foto: Oliver Berg (dpa)

Vor dem Einbruch bei einem Fahrradhändler in Volkach in der Nacht zum 3. April 2017 haben Mitglieder einer Bande auf einem Nachbargrundstück 200 Liter Diesel aus einem Lkw und einem Mini-Bagger abgepumpt: Weil ihnen der Boss in Rumänien bei der Abfahrt kein Geld zum Tanken mitgegeben hatte. Dann holten sie sich 21 Räder.

Die Elektro-Fahrräder mit einem Einkaufswert von über 37 000 Euro sind gegen 5 Uhr durch ein eingeschlagenes Schaufenster nach draußen gereicht und in einem Kastenwagen verstaut worden. Als „Mannschaftswagen“ stand ein Audi A 4 bereit. Ein Nachbar hatte die Männer (mindestens vier, wenn nicht sogar sechs) gesehen und gehört. Weil sie in den Tagen vorher wiederholt durch die Polizei kontrolliert worden waren, beschlossen die Bandenmitglieder daraufhin, zügig und ohne Beute die Heimreise anzutreten.

Räder leicht beschädigt

Den Kastenwagen mit den Rädern hat die Polizei auf einem Rastplatz bei Neumarkt in der Oberpfalz sichergestellt. Dort konnte der Volkacher Geschäftsmann seine leicht beschädigten Fahrräder abholen.

Die Namen der an dem Einbruch beteiligten Männer glaubt die Justiz zu kennen. Zwei (21 und 29 Jahre alt) sind in Rumänien festgenommen und ausgeliefert worden. Wegen schweren Bandendiebstahls standen sie jetzt vor einem Jugendschöffengericht in Würzburg, weil der eine zur Tatzeit noch Heranwachsender war.

Angst um die Familie

Zum Volkacher Fall sagte der Ältere nichts und der andere „aus Angst um seine Familie“ nur, dass er dabei war und das auch nur „durch Zufall“. Der eine will in den vergangenen Jahren in Rumänien Schafe und Ziegen für seine kranke Mutter gehütet, der andere Betriebswirtschaft studiert haben.

Mitten drin in einem Einbruch

Er sei, sagte der Jüngere, damals mit Bekannten nach Deutschland gefahren, um einen Arbeitsplatz zu suchen. Was die anderen vorhatten, habe er nicht gewusst. Während der Fahrt habe er geschlafen und sei aufgewacht, als der Einbruch schon am Laufen war. Man habe ihn aufgefordert, mit anzupacken und das habe er gemacht, weil er befürchtete, dass man ihn sonst zurücklassen werde. Mehr sagte er nicht und schon gar nichts gegen den zweiten Mann und welche Rolle der spielte.

Profis am Werk

Die Alarmanlage in dem Geschäft war übrigens neu installiert und in Betrieb. Die Ermittler gehen bei den Einbrechern von Profis aus. Die hatten vermutlich einen „Tag der Offenen Tür“ bei dem Fahrradhändler zum „Umschauen“ genutzt, denn: Mit einem Pflasterstein wurde ausgerechnet die Schaufensterscheibe eingeschlagen, die im Gegensatz zu den übrigen Fenstern nicht alarmgesichert war. Und im Innern des Ausstellungsraumes nahmen die nächtlichen „Kunden“, die ausnahmslos Handschuhe trugen, nur Fahrräder mit, die in einem toten Winkel des kameraüberwachten Ausstellungs-Raumes standen. Damit sie beim Verladen der Fahrräder nicht bemerkt werden, hatten die Einbrecher vorher die Straßenbeleuchtung in dem Bereich durch einen provozierten Kurzschluss ausgeschaltet.

Freispruch, obwohl er dabei war

Der 21-Jährige, der seine Beteiligung an dem Einbruch und dem unerlaubten Diesel Tanken gestanden hat, wurde wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Jugendstrafe von 18 Monaten verurteilt. Der zweite Mann wurde freigesprochen. Richter Peter Wohlfahrt: “Obwohl wir vom Bauchgefühl her überzeugt davon sind, dass er dabei war und eine nicht unbedeutende Rolle spielte.“ Aber die Beweise reichten nicht für eine Verurteilung.

Die nächste Instanz wartet

Das Gericht war zuversichtlich, dass der Freispruch in der nächsten Instanz nicht hält: In Rumänien warte ein weiterer Tatverdächtiger auf seine Auslieferung. Die Staatsanwaltschaft könne bis zur Berufungsverhandlung weiteres Belastungsmaterial sammeln. Das das Beruhigende an dem Freispruch sei zudem: Der Mann bleibe erst mal hinter Gitter, weil ihn in Ansbach der nächste Prozess erwartet. Da geht es um den Diebstahl von Maschinen und Fahrzeugen aus einer Firma im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

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