Kitzingen

Umfrage in Kitzingen: Unblutiger Mauerfall war "wie ein Wunder"

Bilder, die Geschichte schrieben: Am späten Abend des 9. November 1989 sitzen Menschen auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Szenen der Öffnung der DDR-Grenzen vor 30 Jahren haben sich ins Gedächtnis der meisten Zeitzeugen eingebrannt. Foto: Peter Kneffel, dpa

An diesem Samstag vor 30 Jahren, am 9. November 1989, hat die Staatsführung der ehemaligen DDR die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland geöffnet. Nach jahrzehntelanger Trennung konnten die Bürger Ostdeutschlands endlich wieder frei und ungehindert in den Westen. Vielen ist dieses historische Ereignis noch intensiv in Erinnerung. Tausende strömten zur geöffneten Grenze nach West-Berlin. Ost- und Westdeutsche lagen sich jubelnd in den Armen, feierten gemeinsam den Mauerfall. Welche Erinnerungen haben die Landkreisbürger an jenen besonderen Moment der deutschen Geschichte? Sind Ost und West inzwischen zusammengewachsen? Das haben wir die Passanten auf dem Kitzinger Marktplatz gefragt.

Karlheinz Bareiss erinnert sich noch gut an jene besondere Zeit. "Auf beiden Seiten gab es damals eine unglaubliche Euphorie. Das war Freude pur", schildert er die damalige Stimmung. Leider sei die Begeisterung inzwischen abgeflaut. "In den neuen Bundesländern ist nicht alles so gelaufen, wie man sich das vorgestellt hat", meint der 80-Jährige. Vieles sei den Ostdeutschen "übergestülpt" worden und verloren gegangen. Dies hänge manchen immer noch nach. Der Kaufmann weiß das, weil sein Sohn eine Filiale im thüringischen Schmalkalden betreibt. Gleichwohl, so betont er, habe sich in den vergangenen Jahren "wahnsinnig viel Positives" entwickelt. "Im Großen und Ganzen" ist die Wiedervereinigung "gelungen", lautet seine Bilanz.

Montagsdemonstrationen in Leipzig

Karlheinz Bareiss, 80, Kitzingen Foto: Waltraud Ludwig

Petra Gröbner-Wehrwein kann sich an den Mauerfall zwar erinnern. "Aber mit 22 hat es mich nicht so interessiert wie heute", bekennt die Martinsheimerin. Erst während einer Stadtführung durch Leipzig sei ihr die Bedeutung der Montagsdemonstrationen bewusst geworden, die zum Ende des DDR-Regimes beigetragen haben. "Da hat man gemerkt, dass man auch mit friedlichen Mitteln etwas erreichen kann. Das hat mich im Nachhinein schwer beeindruckt", erklärt die 52-Jährige. Auf einer Elbe-Radtour hat sie auch gesehen sehen, wie positiv sich Ostdeutschland entwickelt hat. Ihrer Meinung nach sind Ost und West inzwischen eine Einheit.

Petra Gröbner-Wehrwein, 52, Martinsheim Foto: Waltraud Ludwig

Dass die Mauer zwischen Ost und West aus den Köpfen verschwunden ist, meint auch Walter Lipinski. Der 58-Jährige hat die Grenzöffnung vor 30 Jahren im Fernsehen mitverfolgt. Er wohnt in Mainstockheim, das seit 1991 partnerschaftliche Beziehungen zur Gemeinde Oehna in Brandenburg pflegt. Durch gegenseitige Besuche entstanden freundschaftliche Bande. Dass Ost- und Westdeutsche einst getrennt waren, spielt für Walter Lipinski keine Rolle mehr. "Wir sind ein Volk", meint er.

Friedlicher Wandel ohne Blutvergießen

Ein denkwürdiger Moment, den sie nie vergessen wird, war für Hannelore Hanshans der 9. November 1989. "Der Osten war so weit weg wie fernes Ausland. Als plötzlich die Grenze geöffnet wurde, war das wie ein Wunder", schildert die 72-jährige Sulzfelderin ihre damaligen Gefühle. Nie habe sie damit gerechnet, dass sich die Bewohner des geteilten Deutschlands einmal wieder in Freiheit gegenüberstehen würden. Dass dieses Ziel unblutig, mit friedlichen Mitteln erreicht wurde, ist für sie das "eigentliche Wunder".

Hannelore Hanshans, 72, Sulzfeld Foto: Waltraud Ludwig

Auch Anita Michelmann hat "nie damit gerechnet", dass die Mauer einmal "so schnell fällt". Im Fernsehen verfolgte die Kaltensondheimerin damals die Nachrichten und war wie die meisten überrascht, als die Grenze plötzlich geöffnet wurde. "Für die Leute in der ehemaligen DDR war es sicher nicht einfach, zu sehen, was wir im Westen alles haben und machen können", meint die 67-Jährige. Es sei gut, dass Deutschland nun wieder vereint sei – sowohl für Ostdeutsche, als auch für Westdeutsche.

Sie kennt die Geschichte nur aus Erzählungen

Anita Michelmann, 67, Kaltensondheim Foto: Waltraud Ludwig
Sandra Rodamer, 27, Burghaslach Foto: Waltraud Ludwig

Während die Ereignisse vom 9. November 1989 den Älteren noch lebendig vor Augen stehen, kennt die junge Generation den wichtigen Geschichtsmoment nur noch aus Erzählungen. So wie Sandra Rodamer. Als die 27-Jährige geboren wurde, war Deutschland längst wiedervereinigt. "Ein bisschen etwas" weiß die junge Frau aus Burghaslach zwar von ihren Großeltern. Ansonsten ist die einstige Teilung Deutschlands für sie aber kein Thema mehr: "Für mich sind wir definitiv ein Land."

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