KITZINGEN/GEROLZHOFEN

Unerwarteter Rückzug: Aus dem Dreikampf wird ein Zweikampf

Aufstellungsversammlung der Grünen zur Wahl der Direktkandidatin für die Stimmkreise Kitzingen und Schweinfurt bei der Bundestagswahl 2017. Die gewählte Direktkandidatin Barbara Pfeuffer (Mitte) ist eingerahmt von den beiden Sprechern des Landkreises Kitzingen, Harald Godron und Andrea Drexelius. Foto: Guido Chuleck

„Es war Martin Luther King, der mit seiner Vision 'I have a dream' die Massen in Bewegung gesetzt hatte – und solche Visionen sind auch heute wieder notwendig“. Damit eröffnete Nicolas Lommatzsch (26) aus Schweinfurt den Dreikampf um ein Direktmandat für „Bündnis 90/Die Grünen“ für die Kreise Schweinfurt und Kitzingen bei der Bundestagswahl 2017. Am Ende der Aufstellungsversammlung in Gerolzhofen hatte Barbara Pfeuffer die Nase vorne.

Lommatzsch sprach unter anderem von einer Gesellschaft, in der die Herkunft oder die Religion eines Menschen keine Rolle mehr spielen solle, er geißelte die „rechte Hetze der AfD“ und sprach von einer fairen Gesellschaft mit fairen Steuern. Männer und Frauen sollten für dieselbe Arbeit gleich entlohnt werden, und Frauen sollten zahlenmäßig ebenso stark als „Chefs“ vertreten sein wie Männer.

Eine Bewerbungsrede, die dem jungen Mann Chancen fürs Direktmandat eröffnet hätte. Doch am Ende kam der Schwenk um 180 Grad: „Nach den letzten drei Bundestagswahlen waren Männer vorn dran, es braucht nicht zwingend einen vierten, deshalb ziehe ich hiermit meine Kandidatur zurück.“

Damit hatte niemand der 30 Mitglieder der „Grünen“ beider Landkreise, die in Gerolzhofen zusammen gekommen waren, gerechnet. Lommatzsch hatte mit dem Verzicht auf die Kandidatur aus einem Drei- einen Zweikampf gemacht, in dem die beiden anderen Kandidaten, Barbara Pfeuffer (51) und Hans Plate (53), gegeneinander antraten.

Am Ende nominieren die Mitglieder Pfeuffer mit 19 Stimmen als Direktkandidatin, für Plate bleiben zehn Stimmen bei einer Enthaltung. Pfeuffer kann sich nun bei der Aufstellungsversammlung für die Bundestagsliste der bayerischen Grünen bewerben.

Pfeuffer, in Teilzeit als Schulpsychologin im Landschulheim Wiesentheid angestellt, stellte die Bildung in den Mittelpunkt ihrer Rede. Sie sprach von einem „großen Fachkräftemangel“ und dass fehlende Bildung bedeute, „von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen zu sein“. Viele Langzeitarbeitslose und die Jugendlichen ohne Berufsausbildung müssten die Chance auf Aus- und Weiterbildung bekommen.

Leider dürfe die Bundesregierung nicht die Bildung direkt finanzieren, sondern nur unterstützen, „und da helfen Bildungsgutscheine nicht wirklich“. Vielmehr müsse das schulische Angebot ausgeweitet werden, denn: „Bildung ist ein Standortfaktor“, betonte Pfeuffer.

Bereits zum dritten Mal bewarb sich der Landwirt Hans Plate für das Direktmandat. In seiner Rede ging es neben Krieg und Frieden sowie der falsch ausgezählten Präsidentenwahl in Österreich auch um die Landwirtschaft. Oder, besser gesagt darum, dass viele Landwirte gar nicht so genau wüssten, was sich am anderen Ende Deutschlands abspiele. In der Uckermark etwa habe er bei einer Biokontrolle einen Kollegen getroffen, der noch nie etwas von Biowein gehört hatte. „Wir liegen da noch sehr weit auseinander“, so Plate.

Beim Thema erneuerbare Energien sollte seiner Ansicht nach der Bürger nicht außen vor stehen, sondern zum Beispiel von der Windkraft ebenfalls profitieren und nicht nur die Rechnung zahlen müssen.

Die von Heiner Schmidt geleitete geheime Wahl ging bei 30 Stimmberechtigten schnell über die Bühne, Pfeuffer nahm ihr Amt auch gern an. Die Sprecher der Kreisverbände Schweinfurt (Brigitte Schön und Stefan Fuchs) und Kitzingen (Andrea Drexelius und Harald Godron) sprachen von einer „sehr guten Kandidatin“, und obwohl Pfeuffer in Theilheim (Landkreis Würzburg) lebt, war sie für die Schweinfurter die „Wunschkandidatin“.

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