WÜRZBURG/KITZINGEN

Vater klagte wegen Zeugnis eines Erstklässlers

Fünfzehn minus acht macht sieben. Das wusste auch ein Erstklässler aus dem Landkreis Kitzingen in einer Mathematikprobe. Die Lehrkraft strich diese und andere richtige Antworten dennoch rot durch und bewertete sie mit null Punkten – weil der Rechenweg aus ihrer Sicht falsch war. Entsprechend fiel die Bemerkung im Zeugnis aus. Das brachte den Vater des Schülers auf die Palme: Er klagte vor dem Verwaltungsgericht Würzburg. Die Klage zog er zwar am Mittwoch zurück. Doch zu den Akten legen will der 50-Jährige die Geschichte damit nicht.

Die mündliche Verhandlung dauerte am Mittwochmorgen nur wenige Minuten. Richter Rudolf Emmert betonte, er könne nichts Negatives in dem Beurteilungstext finden. Noten gab es in dem Zeugnis nicht: Erstklässler bekommen zum Jahresende lediglich ein sogenanntes Wortgutachten. „Dieses zeigt, wie das Kind die entsprechenden Kompetenzerwartungen erfüllt“, erklärt eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage.

Schule ist „korruptes System“

Richter Emmert riet dem Vater bei allem Verständnis, Meinungsverschiedenheiten mit der Schule künftig auf einem anderen Weg zu klären – auch zum Wohle des Sohnes, der inzwischen die dritte Klasse besucht. Genau das habe er versucht, versichert der Vater im Gespräch mit der Redaktion, und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Schule, die er ein „korruptes System“ nennt, das seinen Sohn absichtlich benachteilige.

„Ich wollte mehrfach mit der Lehrkraft sprechen, ich habe die Frau aber bis heute nicht einmal gesehen“, sagt er und redet sich in Rage. Eine Aussprache werde ihm von Seiten der Schulleitung seit zwei Jahren verwehrt. Angeblich, weil die Lehrerin sich das Gespräch „aus psychischen Gründen nicht zutraut“. Und weil die Mutter des Schülers – von der der Vater getrennt lebt und mit der er das gemeinsame Sorgerecht hat – dabei sein müsse.

Inzwischen bekomme auch nur noch die Mutter, bei der der Grundschüler lebt, Elternbriefe, Schularbeiten oder Zeugnisse des gemeinsamen Sohnes zu Gesicht. Er, sagt der Vater, bleibe außen vor. Zu Beginn des Schuljahres 2013/14, in dem der Sohn eingeschult worden war, habe die Schule dem Vater auf Antrag hin noch Kopien zugeschickt. Dazu ist die Schule allerdings nicht verpflichtet und hat dies eingestellt.

„Ich will auch künftig an der schulischen Entwicklung meines Sohnes teilhaben“, betont der Vater. Die Wut ist ihm deutlich anzumerken. „Ich kann meinem Sohn nicht vermitteln, dass seine richtigen Antworten als falsch bewertet werden“, klagt er. Auch wenn er nun die Klage gegen den Freistaat zurückgezogen hat, ist für ihn die Sache noch nicht erledigt: Er behält sich weitere Schritte gegen die Schule vor. Die war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
 

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