Volkach

Volkacher FWG schenkt Kandidaten Gebert das volle Vertrauen

Kaminkehrer sollen Glück bringen. Gilt das auch für sie selbst? Die FWG glaubt daran und schickt Schornsteinfeger Udo Gerbert ins Rennen ums höchste Amt im Volkacher Rathaus.
FWG-Vorsitzender Robert Menz (links) gratuliert Udo Gebert zur einstimmigen Wahl zum Bürgermeisterkandidaten der FWG.
FWG-Vorsitzender Robert Menz (links) gratuliert Udo Gebert zur einstimmigen Wahl zum Bürgermeisterkandidaten der FWG. Foto: Michael Mößlein

Wer am Mittwochabend den Raum im katholischen Pfarrheim in Volkach betrat, in dem die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2020 kürte, dem blickte dieser in Form von Udo Gebert bereits entgegen. Vom Rednerpult aus gesehen rechts in der Ecke stand er ganz still und lächelte – in Form eines druckfrischen Rollup-Aufstellers, der Gebert lebensgroß bereits als Bürgermeisterkandidaten vorstellte, obwohl die FWG-Mitglieder diesen formal noch gar dazu bestimmt hatten.

Tollkühn war diese voreilige Werbe-Ausgabe sicherlich nicht. Denn Gebert war der einzige den FWG-Mitgliedern vom Vorstand vorgeschlagene Kandidat – darauf habe man sich im Vorstand nach "offener Diskussion" geeinigt, berichtet Vorsitzender Robert Menz. Und dabei blieb es an diesem Abend auch. Trotz dreimaliger Nachfrage des Wahlleiters Robert Amling fand sich kein Zweiter im Raum, der Bürgermeister werden möchte.

Gebert zeigt sich nach der Wahl erleichtert

So bleibt zum Wahlergebnis einzig festzuhalten, dass Gebert mit 38 Stimmen alle anwesenden Stimmberechtigten – gut die Hälfte der 66 FWG-Mitglieder – für sich gewonnen hatte. 100 Prozent, keine Enthaltung – besser konnte sein Start als Anwärter auf die Nachfolge seines Parteikollegens Peter Kornell als Rathauschef nicht laufen. So zeigte sich Gebert im Anschluss "erleichtert über das Ergebnis".

Die vorbereiteten Stimmzettel waren übersichtlich und sahen nur einen Kandidaten vor: Udo Gebert.
Die vorbereiteten Stimmzettel waren übersichtlich und sahen nur einen Kandidaten vor: Udo Gebert. Foto: Michael Mößlein

Ob es Zweifler im Raum gab, die er mit seiner Nominierungsrede auf den letzten Drücker überzeugen konnte, weiß keiner. Der anhaltende Applaus am Ende von Geberts Rede zeugt zumindest davon, dass der 37-jährige Kaminkehrermeister ("Kaminkehrer bringen bekanntlich Glück.") sich ordentlich vorbereitet hatte. Neben Angaben zu sich selbst – verheiratet, seit über 20 Jahren ehrenamtlicher Feuerwehrmann und Freizeitsportler – strich er seine lokalpolitische Erfahrung heraus. Seit über elf Jahren ist er Stadtratsmitglied, seit 2014 auch Dritter Bürgermeister.

Gewerbesteuereinnahmen müssen zulegen

Den breitesten Raum seiner Rede nahm die lange Liste der Punkte ein, bei denen Gebert in den kommenden Jahren Arbeit auf Volkach zukommen sieht, respektive sich einbringen möchte. Hierzu zählte er die Überarbeitung von Flächennutzungsplänen, die Grünflächen sowie Flächen für Gewerbe und Wohnen "klar definieren". Er sprach von neuen Baugebieten ebenso wie von Nachverdichtung bestehender Wohngebiete, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Gewerbesteuereinnahmen müssten steigen, damit Volkach seine Aufgaben als Mittelzentrum bezahlen kann.

Er sprach sich für Straßensanierungen ebenso aus, wie für die Fortsetzung punktueller Dorferneuerungen und für mehr Ladesäulen für E-Autos und mehr Glasfaserkabel, am besten in jedes Haus. Die im Raum stehende Reaktivierung der Mainschleifenbahn Richtung Würzburg muss laut Gebert mit Haltestellen bei Astheim und Escherndorf und dortigen P&R-Parkplätzen einhergehen. Großen Nachhol- und Investitionsbedarf sieht er bei den Ortsteil-Feuerwehren sowie im Angebot von Kinderbetreuungs- und ambulanten Pflegeplätzen.

Der Neubau der sanierungsbedürftigen Mainschleifenhalle müsste ebenso überlegt werden, wie die Zukunft des maroden Freibads. Doch hier könne erst entschieden werden, wenn alle notwendigen Zahlen und Fakten vorliegen, sagte Gebert, der sich für eine fortgesetzte konstruktive Zusammenarbeit aller Stadtratsfraktionen einsetzen möchte.

Nach dem Krieg stellte die FWG alle Bürgermeister

FWG-Vorsitzender Robert Menz sieht mit angestrebten Wahl Geberts einen Generationenwechsel in der Reihe der FWG-Bürgermeister vollzogen; die FWG stellte alle bislang vier Volkacher Bürgermeister nach Kriegsende. Und sie werde mit Gebert auch den kommenden Bürgermeister stellen – "nehmt diese Botschaft mit nach Hause", forderte Menz die Gäste auf.

Kornell, der auf sein 18. Amtsjahr als Bürgermeister zurückblickt, fühlte sich an seine erste Wahl zum FWG-Kandidaten erinnert. Damals sei er 40 Jahre alt gewesen und habe eine ähnliche Stimmung für einen Generationenwechsel verspürt wie heute. Er nannte es als wichtigste Aufgabe der FWG, in den kommenden Monaten im Wahlwettbewerb ("nicht Wahlkampf!") zu bestehen.

Eine prominente Fürsprecherin hat Gebert auf seiner Seite: Landrätin Tamara Bischof (FW). Diese sicherte dem Kandidaten ihrer Partei ihre Unterstützung zu. Volkach sei als zweitgrößte Kommune im Landkreis in ihren Augen schon immer "etwas Besonderes gewesen".

Rückblick

  1. Stress in Sulzfeld: Patzwahl moniert "üble Nachrede" und gibt sein Ratsmandat ab
  2. OB-Wahlpanne hat Nachspiel: Landratsamt prüft Anfechtung
  3. Wahlausschuss bringt keine Klarheit über die Gültigkeit der OB-Wahl
  4. Kommentar zur Briefwahl-Panne: Wenig Interesse an Aufarbeitung
  5. Briefwahl-Panne in Kitzingen: Landratsamt prüft die Unterlagen
  6. Stichwahl Kitzingen: Wie es nach der Briefwahl-Panne weitergeht
  7. Heiko Bäuerlein ist Volkachs neuer Bürgermeister
  8. Dettelbachs Wahlsieger Bielek hat Ergebnis so nicht kommen sehen
  9. Christian Hähnlein setzt sich in Castell mit 304 Stimmen durch
  10. Kopp will sich als Marktbreiter Bürgermeister "voll reinhängen"
  11. OB-Wahl in Kitzingen: Favorit Stefan Güntner siegt im Endspurt
  12. Liveticker: So laufen die Stichwahlen im Landkreis Kitzingen
  13. Landkreis Kitzingen: Stichwahlen in fünf Kommunen
  14. Wen empfehlen die Kitzinger Parteien vor der OB-Stichwahl?
  15. OB-Stichwahl: Manfred Paul setzt auf Erfahrung in der Krise
  16. OB-Stichwahl: Stefan Güntner will im Schlussspurt gewinnen
  17. Stichwahl Marktbreit: Kopp will Geschäftsleute unterstützen
  18. Stichwahl Marktbreit: Biebelriether strahlt Zuversicht aus
  19. Marktbreiter CSU gibt keine Wahlempfehlung zur Stichwahl
  20. Stichwahl Volkach: Das sagen Krönert, Rauch und Wagenhäuser
  21. Stichwahl Volkach: Gebert wirbt mit grüner Kompetenz und Tatkraft
  22. Stichwahl Volkach: Bäuerlein setzt auf sich und sein Netzwerk
  23. Stichwahl Dettelbach: Bielek sucht online Kontakt zum Wähler
  24. Stichwahl Dettelbach: Hannweber steckt Energie ins Praktische
  25. Stichwahl Dettelbach: Beck empfiehlt keinen der Kandidaten
  26. Stichwahl Castell: Horak plädiert für Generationswechsel
  27. Stichwahl Castell: Hähnlein gibt sich jung, offen und ehrlich
  28. Stichwahl Castell: Weber setzt auf sein politisches Interesse
  29. Tamara Bischof ist die Stimmen-Königin des Kreistages
  30. Warum die CSU im Landkreis (noch) kein Wahlgewinner ist
  31. Ergebnis Kreistagswahl: CSU und SPD verlieren, Grüne gewinnen
  32. Wahl-Nachlese: Von Rekord-Haltern und einem Blitzeinschlag
  33. Stichwahl in Dettelbach: Bielek mit Vorsprung vor Hannweber
  34. Wahlabend in Wiesentheid: Köhlers faustdicke Überraschung
  35. Bürgermeister Castell: Stechen zwischen Weber und Hähnlein
  36. Stadtrat Kitzingen: UsW stürzt ab – Grüne gewinnen – AfD drin
  37. Wahlsieger Warmdt hält Versprechen und kündigt Job sofort
  38. Bürgermeisterwahl in Iphofen: Lenzer siegt ohne Triumphgeheul
  39. Stichwahlen: CSU gegen Freie Wähler in Dettelbach und Volkach
  40. OB-Wahl in Kitzingen: Güntner und Paul in der Stichwahl
  41. Zwölf Stimmen entscheiden Bürgermeisterwahl in Wiesentheid
  42. Kommentar zur Landratswahl: Das Ein-Personen-Stück
  43. Landratswahl: Kitzingen bleibt Bischof-Sitz
  44. Liveticker: So laufen die Kommunalwahlen im Kreis Kitzingen
  45. Spannende Kommunalwahl: Wo Frau und Mann um Stimmen streiten
  46. Treibt das Coronavirus die Zahl der Briefwähler in die Höhe?
  47. Panne: 31 Westheimer warten auf ihre Briefwahlunterlagen
  48. Landratskandidatin Bischof: "Mit Leidenschaft und Erfahrung"
  49. Landratskandidat Markert: "Mit beiden Beinen auf dem Boden"
  50. Kommunalwahl 2020: Zwei Bewerber für das Amt des Landrats

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Volkach
  • Michael Mößlein
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Bürgermeisterwahlen
  • Escherndorf
  • Flächennutzungsplanung und Flächennutzungspläne
  • Freie Wähler
  • Kommunalwahl 2020 im Landkreis Kitzingen
  • Landräte
  • Mainschleifenhalle
  • Peter Kornell
  • Politische Kandidaten
  • Stimmberechtigte
  • Tamara Bischof
  • Wahlergebnisse
  • Wähler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!