Volkach

Volkacher Kellereibedarf Dotzel schließt zum Jahresende

Sauerteig, Kraut, Fleisch, Wein: Der Kellereibedarf Dotzel begann 1933 in Volkach, Kübel, Bottiche und Fässer herzustellen. Nun endet die Geschichte des Traditionsbetriebs.
Ingeborg und Norbert Dotzel blicken auf ein bewegtes und arbeitsreiches Unternehmerleben zurück. Am 31. Dezember schließen sie die Türen ihres Betriebs in der Gaibacher Straße 4a in Volkach. Foto: Peter Pfannes

Norbert Dotzel (83) und seine Frau Ingeborg (76) sind zufrieden mit dem Erreichten. Am 31. Dezember schließen die Inhaber des Kellereibedarfs in der Gaibacher Straße 4a in Volkach nach sechs Jahrzehnten auf dem Chefsessel ihre Pforten. Vier Gründe gibt es für die Schließung: das Alter, der fehlende Nachfolger, der hohe Preisdruck und die große regionale Konkurrenz in der Branche.

"1933 eröffnete mein Vater Max in der Unteren Vorstadt (heute Josef-Wächter Straße) eine Büttnerei", blickt Norbert Dotzel zurück. In einer Scheune stellte er Weinfässer, Herbstwannen, Trauben-Tragebütten, Fleisch- und Krautbottiche, Fasstrichter und Sauerteigkübel her und verkaufte die Weinbauutensilien. 1937 baute Max Dotzel die Scheune zu einem Wohn- und Geschäftshaus um. Ein Geselle und ein Lehrling kamen in das Unternehmen, das in den Wintermonaten die Biertransportfässer der Brauerei Düll in Krautheim reparierte. 1940 schloss er seinen Betrieb, um als Soldat in Griechenland zu dienen.

1965 fertigte Kellereibedarf Dotzel in Volkach dieses Fasslager für die Gebietswinzergenossenschaft Franken in Repperndorf an. Stolz auf die gelungene Arbeit waren (von links) Lehrling Reinhold Schneider, Norbert Dotzel und Vater Max. Foto: Peter Pfannes

Nach zwei Jahren Gefangenschaft eröffnete er 1947 wieder den Betrieb in Volkach und absolvierte eine Ausbildung in der LWG-Weinbauschule in Veitshöchheim. 1951 begann sein Sohn Norbert, der heutige Inhaber, eine Lehre im elterlichen Unternehmen, das inzwischen auf zwei Gesellen und zwei Lehrlinge angewachsen war. Sie fertigten runde oder ovale Weinfässer bis etwa 4000 Liter und nahmen eine moderne Obstkelterei in Betrieb. "Wir haben damals in der Saison bis zu 500 Zentner Äpfel täglich gekeltert", erinnert sich Norbert Dotzel. Dazu standen etwa 100 Fässer zwischen 200 bis 600 Liter zum Abtransport des Mostes bereit. Bis Ende der 1950er Jahre war er zur Ausbildung als Weinküfer in Betrieben in Würzburg, Escherndorf und Deidesheim/Pfalz. 1958 wurde er Teilhaber der Firma "Max Dotzel und Sohn".

Auslieferungslager für Weinflaschen

1962 bestand der Juniorchef in Würzburg die Meisterprüfung im Holz- und Weinküferhandwerk. Bereits Mitte der 1950er Jahre hatte er Verbindung zur Glashütte Wiegand in Steinbach am Wald aufgenommen und ein Auslieferungslager für Weinflaschen eröffnet. Gleichzeitig wurden Weintanks und Behälter aus GFK und Edelstahl, Kellereimaschinen und -artikel sowie Weinbehandlungsmittel ins Verkaufsprogramm aufgenommen. 1965 kauften die Dotzels eine Scheune in der Gaibacher Straße 4a, rissen sie ab und errichteten ein Wohn- und Geschäftshaus. Den Betrieb verlegten sie von der Josef-Wächter-Straße 7 in die Gaibacher Straße. Ab 1966 war Norbert Dotzels Ehefrau Ingeborg in der Firma tätig. 1975 verstarb Max Dotzel.

Bei diversen Ausstellungen und Messen, wie 1984 im Volkacher Obstmarkt, war häufig auch der Kellereibedarf Dotzel mit Inhaberin Ingeborg Dotzel (rechts) am Start. Foto: Peter Pfannes

Weil sich der Geschäftsbetrieb enorm vergrößerte und Platz benötigt wurde, suchte man nach einem Gewerbegrundstück. Der schriftliche Wunsch an die Stadt Volkach blieb lange unerfüllt. "14 Jahre später hat uns die Stadtverwaltung einen Gewerbebauplatz angeboten", ist Norbert Dotzel heute immer noch enttäuscht von der kommunalen Unterstützung. Mittlerweile hatte er nämlich eine Halle auf rund 2000 Quadratmeter Grund in der Gaibacher Straße 9 erworben. "Endlich Platz für unsere Maschinen und Geräte, Tanks und Behälter und etwa eine halbe Million Weinflaschen", erinnert sich Dotzel. In der neuen Werkstatt konnten Kellereimaschinen, Tanks und Behälter repariert werden. Alle Lieferungen erfolgten mit eigenem Laster.

Zeit haben für die sechs Enkel

"Leider gibt es mittlerweile sechs Wettbewerber dieser Branche auf engstem Raum im Weinanbaugebiet Franken", bedauert der angehende Ruheständler. Weil auch der Preisdruck so groß geworden sei, habe man sich nach über 60 Arbeitsjahren entschlossen, den Betrieb zu schließen. Den Ausverkauf der Restware wollen sie im neuen Jahr bekannt geben.

Langweilig wird es den Eltern zweier Töchter im Alter nicht werden. Sie wollen verstärkt ihre Hobbys pflegen: er das Handwerken und Akkordeonspielen, sie die Pflege ihres Gartens und "Zeit für unsere sechs Enkel".

Alles rund um den Weinan- und ausbau lieferte die Firma Kellereibedarf Dotzel mit dem eigenem Laster aus. Foto: Peter Pfannes

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