MAINSTOCKHEIM

Von den Weltmeeren nach Mainstockheim

Die besondere Einrichtung des Wohnzimmers dokumentiert das handwerkliche Geschick und die Sammler-Leidenschaft des Hausherren.

Er ist technisch begabt, befuhr einst die Weltmeere, hortet eine historische Waagensammlung und hegt und pflegt einen traumhaften Garten. Außerdem hat er eine Leidenschaft für Kerzen aus reinem Bienenwachs, die er auch selbst herstellt. Genau wie die dazugehörigen Kerzenleuchter. Die Rede ist vom Mainstockheimer Werner Siebert, der die Sache mit dem Ruhestand nicht so genau nimmt. Er hat immer etwas zu tun – und viel zu erzählen. Über sein bewegtes Leben, seine interessanten Hobbys und seine Liebe zu Details.

Von Essen auf die Weltmeere

Der in Essen geborene Maschinenschlosser und Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik befuhr einst als technischer Offizier in der Handelsschifffahrt die Weltmeere. Doch irgendwann war sein Seemannsleben zu Ende: 1981 zog Werner Siebert mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Franken und wurde Betriebsleiter bei einer Verzinkerei in Rottendorf, wo er bis zum Renteneintritt beschäftigt war.

Die Verformung von Metall faszinierte ihn seit jeher. Vor 45 Jahren belegte er daher seinen ersten Kunstschmiede-Kurs in einer Volkshochschule im Siegerland und begann, seine ersten Kerzenleuchter anzufertigen. Angetan war er vor allem von den Schmiedearbeiten der Renaissance, wie den Gittern in der Dettelbacher Wallfahrtskirche, die um den Baum Jesse an der Kanzel angebracht sind. Sein Wohnhaus in Mainstockheim ist daher mit vielen geschmiedeten Kerzenleuchtern eingerichtet, in seinem großen Garten befinden sich viele weitere Exponate.

Rankgitter für Mainstockheim

Doch Siebert schmiedet nicht nur für sich selbst: Zusammen mit Peter Brandner und Dieter Henftling hat er mehrere Rankgitter gebaut und unter dem Motto „Unser Dorf soll schöner werden“ im Ort platziert. Dazu hatte das Trio die Schmiedeesse – eine spezielle offene Feuerstelle – im ehemaligen Schloss Ebracher Hof angeworfen, um die Objekte im Feuer zu schmieden. Und auch für die Mainstockheimer Kinder war Werner Siebert schon handwerklich aktiv: Er organisierte für interessierte Nachwuchshandwerker in den Ferien eine Aktion zum Bau von Vogeltränken aus Maurerspeis. Die Kinder waren begeistert.

Und es gibt noch eine Leidenschaft, der der Ruheständler viel Zeit widmet: die Liebe zu Kerzen. „Das ist für mich vor allem am Frühstückstisch etwas Besonderes“, sagt er. Und: „Das Licht und der Duft ergeben eine wunderbare Atmosphäre und Harmonie.“ Da Kerzen heute überwiegend aus Paraffin bestehen und beim Abbrennen Krebs fördernde Benzyprene entstehen, begann Siebert eines Tages, seine eigenen Kerzen herzustellen. Mit Wachs und Dochten machte er sich ans Werk.

Der Garten ist eine Oase der Ruhe voller Farbenpacht und mit ausgeprägter Fauna. Dort fühlen sich die Sieberts sehr wohl.

Bienenwachs direkt vom Imker

„Meine ersten Gerätschaften waren noch primitiv und nach dem Kerzenziehen am offenen Holzfeuer habe ich gestunken wie ein geräucherter Schinken“, verrät der Tüftler. Deshalb konstruierte er eine Vorrichtung mit verschiedenen Einsätzen, mit denen er heute rund 1000 Kerzen pro Jahr herstellt. Dabei ist ihm sehr wichtig, nur Bienenwachs von ausgewählten Imkern wie dem Sulzfelder Thomas Gschwandtner zu verwenden, um eine hohe Qualität zu garantieren. Das wissen viele Kunden zu schätzen: Mitunter erhält Werner Siebert aus dem gesamten Bundesgebiet Anfragen.

Besonders wenn die Vorweihnachtszeit mit ihren vielen Weihnachtsmärkten beginnt, dann ist der Mainstockheimer unterwegs, um mit auf 70 Grad Celsius erhitztem Wachs Kerzen zu ziehen und zu verkaufen. Im vergangenen Jahr war er wieder bei den Christkindles-Werkstätten in Rödelsee, um mit Kindern, die teilweise schon jahrelang dabei sind, kleine Christbaumkerzen herzustellen. „Die leuchtenden Kinderaugen sind ein Geschenk“, sagt Siebert. Den Erlös spendet er der Kitzinger Tafel, für die in den vergangenen zehn Jahren schon fast 3000 Euro zusammengekommen sind.

Besonders wichtig: die Enkelkinder

Heute ist es dem Rentner wichtig, sich mit seinen vier Enkelkindern zu beschäftigen, mit ihnen in der Werkstatt zu arbeiten oder auch zu spielen. Daneben hat sich der Mainstockheimer noch der Ahnenforschung verschrieben. Einer seiner Urahnen ist der Obristleutnant Johann Wilhelm Zobel zu Giebelstadt, der im ersten schwedisch-polnischem Krieg (1655 bis 1660) in Jütland gekämpft hat und sich von dort eine Geliebte mit nach Franken nahm. Aus dieser Liaison ging ein anerkannter Sohn hervor. Dessen Mutter hat Johann Wolfgang Wilhelm Zobel später in Mainstockheim geheiratet.

Wenn die Enkel nicht da sind und er nicht zur Wassergymnastik bei der Rheumaliga in Dettelbach geht, genießt Siebert in der Hängematte seinen Garten als Oase der Ruhe. In seinem kleinen Paradis finden sich viele Topfpflanzen, Rosensorten, Sommerflieder und eine vielfältige Fauna. Dazu Rankhilfen für Kletterrosen, Pfingstrosen und Vogeltränken. Skulpturen und sogar die Halterung für den Regenmesser hat der Mainstockheimer selbst geschmiedet.

Werner Siebert fertigt Kerzenleuchter und die dazugehörigen Kerzen selbst.

Der große Garten der Sieberts ist in mehrere Bereiche gegliedert und mit Sitzgarnituren und Tischen mit Tischleuchtern ausgestattet. Welches Juwel der Garten der Familie Siebert ist, davon konnten sich schon viele Besucher überzeugen. Denn die Sieberts haben ihren Garten schon dreimal am Aktionstag „Tag der offenen Gartentüre“ geöffnet.

Schiffsmodelle und historische Waagen

Das Haus des ehemaligen Seefahrers zieren Schiffsmodelle und er ist Besitzer einer Sammlung historischer Waagen. „Die alten Waagen mit den Gewichten und den verschiedensten Hebelauflösungen haben mich schon immer fasziniert“, sagt der 74-Jährige, der 40 Exponate aus der ganzen Welt in seinem Besitz hat. Er ist Mitglied im Verein „Maße und Gewichte“ und hat als Sammler schon viele Waagen von Reisen mitgebracht oder bei Auktionen erstanden.

Langweilig wird es Siebert nie: Entweder es gibt etwas im Garten zu tun – oder in seiner Werkstatt.

Die Ideen gehen dem Tüftler und technisch und handwerklich geschickten Rentner nie aus. Außerdem ist es nie ganz auszuschließen, dass er eine Sonder-Ration Kerzen herzustellen hat. Das ist schon einmal passiert, als eine Kundin sein komplettes Lager auf einen Schlag leer gekauft hatte.

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