Kitzingen

Vor Gericht: Diebin hörte Befehle von den Stimmen in ihrem Kopf

Eine junge Ladendiebin nimmt im Elektronikmarkt Konsolenspiele im Wert von rund 1000 Euro mit. Dafür wird sie nun Hilfsdienste ableisten. Das Gericht ließ Milde walten.
Eine Ladendiebin stand kürzlich vor dem Amtsgericht in Kitzingen. Im Bild ein Symbolbild der Justitia.
Eine Ladendiebin stand kürzlich vor dem Amtsgericht in Kitzingen. Im Bild ein Symbolbild der Justitia. Foto: Christopher Schulz

Weil sie "ohne Sinn und Verstand" Konsolenspiele in einem Elektronikmarkt im Wert von rund 1000 Euro gestohlen hat, saß eine 20-Jährige jetzt vor dem Jugendrichter. Stimmen im Kopf, die sie zu der Tat drängten, machte die nach eigenen Angaben depressive Frau für den zweifachen Diebstahl verantwortlich. Auch weil sie bisher nicht aufgefallen ist, stellte das Gericht das Verfahren ein. Erfüllt sie die Auflagen und absolviert 50 Stunden soziale Hilfsdienste, ist die Sache für sie erledigt.

Ihr Problem hat die junge Frau aber dann noch lange nicht los. "Ich bin schizophren", sagte die Frau, die "derzeit nichts macht", mehrere Ausbildungen abgebrochen hat und von und bei der Mutter lebt. Sie war schon als Jugendliche in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und vor zwei Jahren in einer Klinik für Erwachsene. Einen Befund gab es bisher nicht, auch weil sie sich selbst aus der Klinik entlassen hat, "weil da nichts gemacht wurde". Immerhin wurde ihr beim letzten Aufenthalt eine "schwere depressive Episode" attestiert. Sie sei in einer ambulanten Therapie und komme mit Medikamenten ganz gut zurecht, sagte sie.

Ohne Sinn und Verstand

Das war im März 2019 noch nicht so. Zweimal hatte sie einen Elektronikmarkt in Würzburg heimgesucht. Einmal hatte sie vor allem Spiele im Wert von rund 200 Euro mitgenommen. Beim zweiten Mal waren es gemeinsam mit der damaligen Freundin Konsolenspiele für über 800 Euro. In beiden Fällen ist sie erwischt worden und in beiden Fällen erklärte sie den Zugriff mit den Stimmen in ihrem Kopf, die sie dazu gedrängt hätten.

Für Richter Wolfgang Hülle war klar: "So viele Spiele ohne Sinn und Verstand mitzunehmen, ist schon heftig." Auf der anderen Seite ist die Heranwachsende noch nie aufgefallen. Der Markt hat alles wieder zurückbekommen. Außer Frage stand schnell, dass bei der schwierigen Entwicklung der jungen Frau nur das Jugendstrafrecht zur Zuge kommen kann. Und es stand im Fall einer Verurteilung im Raum, die Frau durch einen Gutachter auf ihre Schuldfähigkeit untersuchen zu lassen.

Gericht setzt einen Stopp-Punkt

Bei dieser Sachlage zu viel des Guten, befand der Richter und brachte die Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage ins Spiel. "Das ist ein gangbarer Weg", sagte die Staatsanwältin. Und die Angeklagte bedankte sich für den "Stopp-Punkt", den das Gericht gesetzt hat. Sie will ihn nutzen, um mit einer Ausbildung ihr Leben auf die Reihe zu kriegen, sagte sie am Ende – und weiter etwas gegen die Befehle der Stimmen in ihrem Kopf zu machen.

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