Kitzingen

Wahlforum: Das sind die Themen der Kitzinger OB-Kandidaten

Sechs Kandidaten, vier Themenblöcke, viele verschiedene Meinungen: Das haben die Kitzinger Kandidaten in der Podiumsdiskussion zu sagen.
Dafür oder dagegen? In der Schnellfragerunde des Kitzinger Wahlforums zur OB-Wahl mussten die Kandidaten mit Ja (grün) oder Nein (rot) antworten. Foto: Hans Will

Die Neugierde im Saal war greifbar. 350 Zuschauer im ausverkauften Dekanatszentrum wollten wissen: Wer bewirbt sich da um das Amt des Oberbürgermeisters? Welche Ideen haben die sechs Anwärter Stefan Güntner (CSU), Peter Hauck (parteilos), Manfred Paul (SPD), Uwe Pfeiffle (FW-FBW), Andrea Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) und Bianca Tröge (ÖDP)? Welche Vorstellungen haben sie, was soll in den kommenden sechs Jahren umgesetzt werden?  Die Gespräche auf der Bühne waren in vier Themenblöcke unterteilt: Wohnen, Innenstadt, Wirtschaft und Umwelt.

Lesen Sie dazu den Kommentar.

Thema Wohnen. Die Stichworte hier: fehlende Sozialwohnungen, fehlende Baugebiete. Peter Hauck verweist auf das bestehende Wohnraumkonzept der Stadt. Das müsse nur umgesetzt werden. Uwe Pfeiffle will Baugebiete ausweisen und für alle Wohnraum schaffen. Andrea Schmidt wünscht sich neuen Wohnraum in der Breslauer Straße und sagt, es gebe genügend hochpreisigen Wohnraum in Kitzingen und kritisiert, dass einiges in Kitzingen leer stehe – gerade Gebäude, die im Eigentum der Stadt seien.

Manfred Paul (SPD) Foto: Hans Will

"Wir müssen verschiedene Wohnweisen fördern", sagt Manfred Paul. Baugebiete müssten nachhaltig ausgewiesen werden. Dachbegrünung und Photovoltaik nennt er als Stichworte. In der Innenstadt müsse mehr gemacht werden.

Kandidaten wollen sozialen Wohnraum fördern

Stefan Güntner betont, dass es beim Wohnraum eine Durchmischung geben müsse. Wichtig sei eine vorausschauende Bodenpolitik. Die Stadt müsse aktiver werden und die Innenstadt besser gestalten. "Wohnen muss für alle Altersklassen möglich sein", sagt Bianca Tröge. Auch für den schmalen Geldbeutel. Überall, in der Altstadt, in den ehemaligen Kasernen, solle Wohnraum geschaffen werden – auch mit Investoren.

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Fazit: Die Kandidaten sich sich weitgehend einig, dass mehr sozialer Wohnraum nötig ist. Immer wieder tauchen die Marshall Heights auf; dort stehe noch genügend Raum zur Verfügung. Kein Dissens auch beim Notwohngebiet: Letztlich könnten nur Abriss und Neuanfang in Frage kommen.

Geschäftswelt in Kitzingen besser als ihr Ruf

Bianca Tröge (ÖDP) Foto: Hans Will

Thema Innenstadt. Bianca Tröge betont, dass man in Kitzingen alles bekommen könne. Es gebe Geschäfte, die keine Massenwaren anbieten. "Und man kann es anfassen und gleich mit nach Hause nehmen." Peter Hauck  hält das Erscheinungsbild für dringend verbesserungswürdig. Als Stadtreiniger wisse er, wie schlimm es an vielen Stellen aussieht.

Andrea Schmidt spricht sich beim Stichwort Nahversorgung gegen ein Einkaufscenter in den Marshall Heights an der B 8 aus. Für Radfahrer und Kinder sei es in der Innenstadt inzwischen "mehr als gefährlich". Man müsse eine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer schaffen, im Kerngebiet der Altstadt bei verlangsamtem Tempo.

Stefan Güntner (CSU) Foto: Hans Will

Stefan Güntner stellt fest: Die Geschäftswelt wird von den Kitzingern kritischer gesehen als von Besuchern. Die Nahversorgung in der Altstadt sei schwierig: Einkaufsmärkte hätten inzwischen einen Flächenbedarf von bis zu 1200 Quadratmeter Fläche.

Stadtbus in der Innenstadt sorgt für Diskussion

Ihr Vorkaufsrecht soll die Stadt nutzen - das fordert Manfred Paul. Das Innenstadtkonzept müsse besser umgesetzt werden. Das Zentrum sei mit Autos verstopft, Parkraum immer belegt. Bei 12 000 gemeldeten Autos in der Stadt müsse dringend etwas passieren. 

"Was fehlt, sind Geschäfte", sagt Uwe Pfeiffle. Dann kämen auch Leute in die Innenstadt. Er nennt Rothenburg als Beispiel. Sein Vorschlag: Shuttlebusse vom Stadtrand und den Einkaufscentern in die Innenstadt.

Fazit: Alle sind sich einig, dass das Angebot in Kitzingen besser ist, als immer wieder zu hören ist. Tempo 30 hätte wohl gute Chancen. Ein Stadtbus bleibt umstritten; das Anrufsammeltaxi bekommt gute Noten.

Wirtschaftsförderung ist Chefsache

Thema Wirtschaft. 11 500 Arbeitsplätze gibt es bereits in Kitzingen. Mit Leoni, Fehrer und Franken Guss ist dabei die Industrie ein wichtiger Faktor. Wie können die Kandidaten die Wirtschaft weiter stärken? Stefan Güntner sagt: "Wirtschaftsförderung ist Chefsache." Er will persönlich zu den großen Unternehmen gehen und sich gegebenenfalls den Anpfiff abholen.

Andrea Schmidt meint, dass die Stabsstelle Wirtschaft auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Daher würde auch sie als Oberbürgermeisterin die Firmenbetreuung persönlich übernehmen.

Peter Hauck (parteilos) Foto: Hans Will

"Veränderungen gemeinsam schultern" ist die Devise von Peter Hauck. Er will die Firmen unterstützen, um in Zeiten der Umbrüche die Arbeitsplätze zu halten.

Uwe Pfeiffle ist zufrieden mit der Arbeit der Stabsstelle. Aber auch er würde sich als Oberbürgermeister persönlich um die Unternehmen kümmern. Als große Herausforderung sieht er das Nachwuchsproblem.

Auch für Manfred Paul ist Wirtschaftsförderung Chefsache. "Man muss sich klar sein, was man will", sagt er. Das gehe schon bei der Ansiedlung los. Man müsse mehr miteinander reden.

Bianca Tröge würde die Berufsbörse ausbauen, um Nachwuchs zu gewinnen. Hier komme man besser ins Gespräch. Der Unternehmerstammtisch solle mehr in den Blick genommen werden.

Anreize für Arbeitnehmer schaffen

Stadt und Unternehmen müssen gemeinsam daran arbeiten, dass Arbeitnehmer nach Kitzingen kommen. Das meint Stefan Güntner.

Andrea Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) Foto: Hans Will

Andrea Schmidt betont dazu die "tollen weichen Standortfaktoren" der Stdt. Am Ende lande man aber wieder beim Wohnraum, wenn es um Mitarbeitergewinnung gehe. Bei Familienfreundlichkeit stehe Wohnraum an erster Stelle.

Manfred Paul will die Kultur und Kultureinrichtungen stärker fördern; eine Ausstellung für bildende Kunst gebe es gar nicht. Sein Vorschlag: Das bald frei werdende Polizeigebäude könnte eine kulturelle Einrichtung werden. 

Fazit: Alle Kandidaten wollen die Wirtschaftsförderung persönlich übernehmen. Um Arbeitnehmer anzulocken, müssen Anreize für Familien geschaffen und die Jugend mehr einbezogen werden.

Erneuerbare Energien nutzen 

Thema Umwelt. Wie wird Kitzingen grüner? Bianca Tröge will ökologisches Bauen fördern und gleichzeitig Flächenversiegelung minimieren. Innovative Ideen sollten bepreist werden. Sie kündigt ein neues Repair-Café an.

Manfred Paul möchte bei Baugebieten auf die Nachhaltigkeit achten. Seiner Meinung nach müsse der Verkehr aus der Stadt raus. Außerdem stellt er sich einen Klimapakt mit den Unternehmen vor.

Uwe Pfeiffle (FW-FWB) Foto: Hans Will

Uwe Pfeiffle will keine Vorschriften. Eher würde er günstigere Bauplätze anbieten, wenn jemand klimafreundlich baut. Man müsse insgesamt umdenken. Ein bisschen auf Plastik zu verzichten, reiche hinten und vorne nicht. Sein "augenblicklicher Freund ist der Wasserstoff".

Hauck möchte so viele Windräder wie möglich aufstellen. "Viele stehen viel zu oft still." Eine andere Idee: die Abwärme vom Gußwerk nutzen. Erneuerbare Energie sei ein Thema, das er sofort angehen wolle. Das sei seine Priorität.

Wie die Trockenheit angehen?

Andrea Schmidt wird mit den Grünen demnächst den ersten Umweltpreis Kitzingens verleihen. Bei der Fairtrade-Stadt sei noch "viel Luft nach oben". Neue Dächer ohne Photovoltaik seien eigentlich undenkbar; sie würden aber immer noch so gebaut. "Ein bisschen auf dem Weg" reiche nicht.

Stefan Güntner sieht die Herausforderung, dass Kitzingen in einem sehr trockenen Gebiet liegt. In der Innenstadt sei es im Sommer unerträglich heiß. "Wie können wir die Stadt runterkühlen?", fragt er sich. Das müsse Kitzingen konkret anpacken.

Fazit: Klima und Umwelt spielt bei allen Kandidaten eine Rolle. Wie Klimaschutz aber konkret auszusehen hat, darin sind sie sich uneinig.

Das sagen die Kandidaten über den Abend

Nach dem Abend zeigen sich die Kandidaten zufrieden. Hier ihre O-Töne:

Stefan Güntner (CSU): "Ich denken, dass es gerade für die Bürger ein sehr informativer Abend war. Die Moderatoren haben einen guten Job gemacht. Es ist jeder gleichermaßen zu Wort gekommen."

Peter Hauck (parteilos): "Ich war von der Veranstaltung angenehm überrascht. Der Abend war hervorragend gemacht. Ich hätte mich noch besser verkaufen können, aber das sind die Anfangsschwierigkeiten."

Manfred Paul (SPD): "Es war schön, dass man sich mit den anderen Kandidaten austauschen konnte und auch mal ihre Standpunkte kennengelernt hat. Leider sind wegen dem zeitlichen Rahmen nicht alle Themen zur Sprache gekommen."

Uwe Pfeiffle (FW-FBW): "Der Abend war sehr schön und professionell gemacht. Die Diskussionen waren fair und es ist jeder ausreichend zu Wort gekommen."

Andrea Schmidt (Grüne): "Die Moderation war sachlich und souverän. Aber auch das Publikum hat super zugehört. Uns oben gab das ein sehr gutes Gefühl. Meine Mitbewerber haben allesamt fair diskutiert."

Bianca Tröge (ÖDP): „Ich war überrascht, wie interessiert die Kitzinger Bürger waren und wie viele gekommen sind und dass alles so diszipliniert verlaufen ist. Eine gelungene Veranstaltung.“

Rückblick

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