Dettelbach

Wahlforum: Die Ideen der Dettelbacher Bürgermeisterkandidaten

Drei Kandidaten, drei Meinungen: Wer das beim Dettelbacher Wahlforum erwartete, wurde enttäuscht. Beck, Bielek und Hannweber sind sich oft einig, aber nicht immer.
750 Besucher kamen am Mittwoch in die Dettelbacher Maintalhalle, um sich die Bürgermeisterkandidaten näher anzuschauen. Auf der Bühne waren (von links) Marcel Hannweber, Moderator Andreas Brachs, Joachim Beck, Moderator Michael Mößlein und Matthias Bielek. Foto: Fabian Gebert

Zwei Dinge stehen fest: Dettelbach bekommt bei den Wahlen im März einen neuen Bürgermeister – und es wird ein Mann. Bleibt die Frage, welcher? 750 Zuschauer in der ausverkauften Dettelbacher Maintalhalle wollten am Mittwoch wissen, welche Ideen die drei Kandidaten Joachim Beck (parteilos, Kandidat der SPD), Matthias Bielek (FW) und Marcel Hannweber (CSU) haben. Wie stellen sie sich die Zukunft Dettelbachs vor und wie wollen sie ihre Pläne umsetzen? Es geht um Leerstände, Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsprobleme.

Ist das Internet schuld?

Gerade auf dem Dettelbacher Marktplatz stechen dem Besucher leerstehende Häuser und Geschäfte ins Auge. Der Plan, im sogenannten Götz-Haus, die Umweltstation des Landkreises einzurichten, ist gescheitert. Die Station geht nach Marktsteft und Dettelbach ist weiterhin auf der Suche nach einer Nutzung für das Haus, das der Stadt gehört. Aber das ist nicht die einzige Baustelle im Altort. Deswegen möchte der CSU-Kandidat Hannweber einen Citymanager einstellen. Er soll Geschäftsleuten, aber auch Privaten helfen, ihnen bei der Bürokratie beistehen und auf mögliche Fördertöpfe hinweisen. 

Bielek, Kandidat der Freien Wähler, will die Bürger und vor allem die Eigentümer der leerstehenden Häuser besser unterstützen und ihnen helfen. Gute Pläne seien schon da. Jetzt gehe es darum, dass schnell etwas getan werde. Auch der parteilose Kandidat Beck sieht das so. Er könnte sich sehr gut Gastronomie im Götz-Haus vorstellen. Es müsse auf jeden Fall etwas gemacht werden, von dem Dettelbacher und Gäste etwas haben.

Joachim Beck (rechts) erklärte Andreas Brachs und dem Publikum seine Ideen für Dettelbach. Foto: Fabian Gebert

Gastronomie ist ein gutes Stichwort: Alle drei Kandidaten sind sich hier einig: Die Wirte müssten sich besser bei den Öffnungszeiten absprechen. Gastronomie lasse sich nieder, wenn der Ort ein positives Image habe. Daran müsse Dettelbach arbeiten. Das gelte nicht nur für die Gastronomie, sondern auch für Geschäfte in der Altstadt. Mehr Tourismus sei eine Lösung, aber Beck warnte vor "einem zweiten Volkach". Hannweber erklärte, dass die Dettelbacher auch mehr die Geschäfte vor Ort unterstützen müssten und nicht alles im Internet bestellen sollten. Bielek verteufelt das Internet nicht generell: "Die Dettelbacher Geschäftsleute müssen das Netz für sich und ihre Zwecke nutzen."

Werden die Ortsteile vernachlässigt?

Ein Thema, dass nicht nur den Kandidaten, sondern auch den Bürgern auf den Nägel brennt, ist das Leben in den neun Dettelbacher Ortsteilen im Umland. Publikum und Kandidaten waren sich einig, dass zu wenig gemacht werde. Beck, der einzige, der in einem Ortsteil wohnt, sagt, dass man dort ruhig leben könne. Allerdings sei die Infrastruktur zu schwach. Er empfiehlt, die Nähe zu Würzburg besser zu nutzen.

Auch Matthias Bielek bekam die Gelegenheit, seine Pläne vorzustellen. Foto: Fabian Gebert

Bielek sieht den Trend zur Entschleunigung, der den Stadtteilen künftig zu Gute kommen wird. Immer mehr Entscheider in der Wirtschaft suchen nach Rückzugsmöglichkeiten auf dem Land. Dieses Potenzial gelte es zu nutzen. Mit Förderprogrammen sollten die Orte verschönert werden. In dieses Horn stieß auch Hannweber. Wichtig sei ihm aber zu allererst, dass sich die Bewohner dort zu Hause fühlen.

Wohlfühlen sollen sich auch die Senioren. Doch wie sehen hier die Konzepte der Kandidaten aus? Sie sind sich einig, dass die Stadt Aufholbedarf hat. Betreutes Wohnen werde noch gar nicht angeboten, die Tagespflege müsse vorangebracht werden. Bielek wies drauf hin, dass ein privater Investor Interesse am Kloster habe, um dort betreute Wohnungen zu bauen. Beck konterte: Er sei gegen eine "Kasernierung der Senioren", er sei für Mehrgenerationenhäuser. Hannweber betonte, wie wichtig ein Tagespflegeangebot in Dettelbach sei, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten.

Ist ein mobiler Dorfladen die Lösung?

Nächstes Thema: die Einkaufsmöglichkeiten. "Wir müssen uns selbst an die Nase fassen, wenn wir nur Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese haben", erklärt Hannweber. Er schlägt eine bessere Vernetzung vor, damit Dettelbacher und Gäste etwas davon hätten. Das allgemeine Problem der Ortsteile, dass sie schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, zeige sich natürlich auch beim Einkaufsverhalten, erklärt Beck. Der Bürgerbus und Mitfahrbänke sollen seiner Meinung nach ein Teil der Lösung sein. Bieleks Ansatz dagegen: Wenn die Leute nicht zu den Märkten kommen, warum sollen die Waren nicht in die Ortsteile gebracht werden. Sein Vorschlag: ein mobiler Dorfladen.

Marcel Hannweber (links) im Gespräch mit Moderator Andreas Brachs.  Foto: Fabian Gebert

Auch zum Thema Verkehr wurden Beck, Hannweber und Bielek befragt. Allen voran die Frage: Wie geht es mit der Fähre weiter? Im Moment ist die Fähre die einzige direkte Verbindung von Dettelbach nach Mainsondheim. Sie, auch als Kulturgut und Touristenattraktion, zu erhalten, ist das Ziel von Bielek und Hannweber. Beck wirft ein, dass man sich auch die künftigen Kosten genau anschauen müsse. Auch Personal zu finden, sei ein Problem.

Die Lösungen für zwei weitere Verkehrsprobleme liegen im Gegensatz zur Fähre nicht beim Stadtrat: Zum einen ist da die Engstelle in der Schweinfurter Straße, zum anderen die B22.  Die Schweinfurter Straße ist keine städtische. Deswegen sind hier dem Stadtrat die Hände gebunden. Bielek und Beck setzen auf die Vernunft der Bürger, Hannweber kann sich eine Tonnagen-Begrenzung für Lastwagen vorstellen – wenn sich das durchsetzen lässt.

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Keine einfache Lösung wird es für die Anbindung an die B22 auf Höhe der VR-Bank geben. Ein Kreisel wäre wohl die sinnvollste Lösung, so die einhellige Meinung der Kandidaten. Hier zieht Hannweber nun seinen Trumpf als Stadtrat und erklärt, dass das Bauamt eine Ampel favorisiert. Seiner Meinung nach die schlechteste aller Lösungen. Wie dem auch sei, die Zeit drängt. Beginnt der Ausbau der Autobahn in der Dettelbacher Region, gebe es für viele Jahre kein Geld mehr für andere Verkehrsprojekte. 

Der Verlauf des Abends im Live-Ticker.

Das sagt das Publikum zum Wahlforum und den Kandidaten.

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