Marktbreit

Was macht eigentlich ein Franke als Botschaftsrat in Moskau?

Toni Gernert, Schulleiter Friedhelm Klöhr, dritter Bürgermeister Joachim Eck, zweite Vorsitzende Susanne Knof, Botschaftsrat Matthias Dehner, Josef Nusko sowie Elfi und Kurt Dehner, die Eltern des Referenten. Foto: Sibylle Gernert

Der Verein der Freunde des Gymnasiums Marktbreit hatte Botschaftsrat Matthias Dehner zu einem Vortrag über sein Arbeitsfeld in Moskau eingeladen. Das Thema "Aus dem Alltag eines Diplomaten" lockte zahlreiche Zuhörer in die Stadtbibliothek in Ochsenfurt. Alle Plätze waren besetzt, heißt es in einer Pressemitteilung. 

Matthias Dehner, aufgewachsen in Ochsenfurt und Absolvent des Gymnasiums Marktbreit, arbeitet seit 2018 als Botschaftsrat in der Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft in Moskau und beschäftigt sich dort mit Energie- und Umweltthemen. In einem anschaulichen Vortrag skizzierte er für die Zuhörer seine  Arbeit als  Diplomat.

Rotationsprinzip

Dabei gliederte er seinen Bericht nach Fragen, die ihm bei seinen Vorträgen immer wieder begegneten:  Allen voran die Frage, wo deutsche Diplomaten arbeiten?  Deutschland verfügt über 230 Auslandsvertretungen, in denen Diplomaten im Rotationsprinzip eingesetzt werden. Alle drei bis vier Jahre erfolgt ein Wechsel in eine andere Botschaft beziehungsweise in die Berliner Zentrale, so Dehner. 

Mit welchen Partnern arbeitet der Diplomat zusammen? Zu dieser Frage skizzierte Matthias Dehner seine derzeitigen Aufgaben in Moskau: Neben den russischen Ministerien hält er dort beispielsweise auch Kontakt zu Firmen, zu Journalisten und  Intellektuellen. Er berichte über seine Arbeitsergebnisse direkt nach Berlin und erhalte von dort auch Anweisungen für weitere Aufgaben. Entsprechend seinem aktuellen Aufgabenbereich Energie, Umwelt und Klima pflege er besonderen Kontakt zum russischen Energieministerium, zu Ölfirmen, Umwelttechnikern, zu Greenpeace, Journalisten wie auch zu Botschaften anderer Länder in Moskau.

Fundierte Schulbildung 

Mit welchen Themenbereichen er sich konfrontiert sieht, beschreibt er seinen Zuhörern und erklärt, dass  die deutsche Botschaft in Moskau eine große Behörde sei und somit ein breites Spektrum bearbeitet. Dabei gelte  für die  Diplomaten in allen Laufbahnen das Generalisten- Prinzip. Sie müssen über ein breites Grundwissen verfügen , deshalb sei ist eine fundierte Schulbildung stets hilfreich.

Der Öl- und Gasbereich ist für Russland, ebenso wie für seine westlichen Partner, derzeit ein zentrales Thema. Daneben seien die erneuerbaren Energien für die Wirtschaftsbeziehungen ebenfalls relevante  Zukunftsthemen. Russland verfüge beispielweise in seinem Süden über große Flächen, auf denen Windenergie gewonnen werden könne. Für diese Energieprodukte bestehe ein großes Interesse auf dem internationalen Markt, sagte er.

Interessante Themen sind laut Pressemitteilung auch die neuen Technologien, zum Beispiel im Wasserstoff-Bereich, aber auch die traditionellen Energieformen, wie die Kernenergie, bei der Russland inzwischen weltweit führend ist. Im Klimaschutz, in der Abfall- und Wasserwirtschaft ergeben sich weitere  gemeinsame Projekte der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.

Beziehungen stärken

Warum wird also Diplomatie betrieben? Grundsätzlich wolle man damit die Beziehungen zwischen den Staaten stärken, sagte Dehner. Zwischen Deutschland und  Russland bestehen seit Jahrzehnten intensive Beziehungen, in der gemeinsame Interessen entwickelt wurden. Gleichzeitig gibt es aber auch sehr unterschiedliche Positionen, wie den Konflikt mit der Ukraine.

Zur Frage, wie ein Diplomat arbeitet, erklärte Matthias Dehner, dass die diplomatische Methode als ein Grundprinzip angewandt werde, das heißt man verhandele "weich" mit  den Menschen, bleibe aber "hart" in der Sache, um auf diese Weise Probleme zu lösen. Bei Verhandlungen gelte weiter der Grundsatz, dass die jeweiligen Interessen herausgearbeitet werden müssen, um kreative Lösungen zu finden.

Standards liefert für diese Verhandlungen unter anderem das Völkerrecht. Wichtig seien auch die protokollarischen Leitlinien. Das heißt, die Diplomatie verfügt über Hierarchien, die besonders von Russland nach dem diplomatischen Protokoll genau beachtet werden: Wer spricht auf welcher Ebene mit wem? 

Sprachkenntnisse sind Pflicht

Welche Sprachen benötigt ein Diplomat? Englisch und Französisch sind Pflicht, weitere Fremdsprachen sind notwendig, führte er aus. So waren für Matthias Dehner seine Chinesisch-Kenntnisse, für die am Gymnasium Marktbreit die Grundlagen gelegt wurden, ein Türöffner für seinen Einstieg in die  diplomatische Laufbahn. Gleichzeitig habe er sich die Sprachen seiner diplomatischen Einsatzorte angeeignet, das sind inzwischen Bulgarisch und Russisch.

Am Ende der Veranstaltung bedankte sich Josef Nusko, Schatzmeister des Fördervereins, mit einem Weinpräsent aus Obernbreit für die Bereitschaft des Referenten, den Aufenthalt in der fränkischen Heimat mit einem Vortrag am Gymnasium Marktbreit wie auch in der Stadtbibliothek Ochsenfurt zu verbinden.  Vorsitzender Toni Gernert kündigte an, dass der Verein seine Vortragsreihe auch im nächsten Jahr fortsetzen werde.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Marktbreit
  • Alternative Energien
  • Deutsche Diplomaten
  • Diplomaten
  • Diplomatie
  • Fremdsprachen
  • Greenpeace
  • Gymnasien
  • Gymnasium Marktbreit
  • Mineralölunternehmen
  • Sprache
  • Sprachkenntnisse
  • Völkerrecht
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!