Kitzingen

Wechsel bei der Polizei: Ein neuer Chef für "100 Superhelden"

Stabwechsel bei der Polizeiinspektion Kitzingen: Polizeidirektor Markus Hack (links) folgt als Leiter auf Polizeirat Christian Georgi (rechts), der ins Polizeipräsidium Würzburg wechselt. Ihnen gratulierte Polizeipräsident Gerhard Kallert. Foto: Andreas Brachs

Christian Georgi sagte es offen und ehrlich: Er habe sich gefreut, vor eineinhalb Jahren als junger Polizeirat frisch vom Studium weg die Leitung der Polizeiinspektion Kitzingen bekommen zu haben. "Es hat mir unheimlich Spaßt gemacht – und jetzt will ich nicht mehr weg hier." Der Mittelfranke aus dem Raum Ansbach wollte sogar schon seine Frau zum Umzug bewegen. Doch inzwischen hat ihn die Abberufung erreicht: Georgi wechselt ans Polizeipräsidium Würzburg in die Einsatzzentrale. Er räumt damit seinen Stuhl für Polizeidirektor Markus Hack. Den Übergang feierte die Polizei zusammen mit Behördenvertretern und der sogenannten Blaulichtfamilie am Freitag im Gewölbekeller des Landratsamtes.

Polizeidirektor beendet Interimszeit

Hack war schon vor eineinhalb Jahren für Kitzingen vorgesehen, musste aber noch bis Monatsende im Präsidium bleiben, bis seine Stelle wiederum nachbesetzt werden konnte. Wegen der Größe der PI Kitzingen ist ihr Leiter normalerweise ein Polizeidirektor. Immerhin blieb dieser Stuhl durch Georgis Interimszeit nicht vakant.

Georgi bedankte sich vor allem bei seinem Stellvertreter, Joachim Schinzel, "die große Konstante in der Kitzinger Polizei", wie Landrätin Tamara Bischof ihn nannte. Georgis Fazit: "Ohne deine großartige Unterstützung hätte ich das nicht machen können." Der scheidende PI-Leiter lobte die gesamte Kitzinger Mannschaft. Für ihn, der als kleiner Junge immer wie Batman das Böse bekämpfen wollte, seien die 100 Beschäftigten echte "Superhelden". Georgi gab Einblicke in die täglichen Pflichten der Polizei, die "oft still und leise" für die Sicherheit der Bürger arbeite, dahin gehe, wo es weh tut, klaglos Überstunden in Kauf nehme, sich physisch und psychisch anstrengenden Situationen aussetze. "Oft stellen die Kollegen das Gemeinwohl über das persönliche."

Mehr Würdigung der Polizeiarbeit gewünscht

Dafür würden die Beamten bisweilen ungerechtfertigt in sozialen Medien an den Pranger gestellt. Deshalb wünscht sich Georgi mehr Anerkennung ihrer "qualitativ hochwertigen Arbeit". Georgi dankte der "tollen Mannschaft" auf diesem "wundervollen Fleckchen Erde" und hofft auf eine Rückkehr in späteren Jahren.

Sein Nachfolger, Markus Hack, empfindet seinen Beruf, dem er seit einem Praktikum mit damals 16 Jahren treu geblieben ist, auch als Berufung. "Wir zeigen Einsatz" lautet sein Motto. Seine Prioritäten: möglichst viele Straftaten aufklären und verhindern sowie die Zahl der Verkehrsunfälle reduzieren. Hack bittet dazu die Bürger um Mithilfe und Zivilcourage, etwa, wenn sie sich als Zeugen zur Verfügung stellen. Das sei wichtig für Geschädigte und Opfer. 

Der Landkreis Kitzingen sei für ihn noch ein weißer Fleck, gestand Hack, der in Aura im Landkreis Bad Kissingen wohnt. Aber er sei offen für Land und Leute im neuen Dienstbezirk. Der 47-Jährige hatte zu seiner Einführung seine Familie mitgebracht: seine Frau Heidrun Wagner-Hack und seinen elfjährigen Sohn Johannes.

Hohe Sicherheit im Landkreis Kitzingen

Polizeipräsident Gerhard Kallert erklärte, dass der Landkreis Kitzingen eine gute Sicherheitsbilanz aufweise. Die Straftaten im vergangenen Jahr seien um 133 auf 3068 zurückgegangen. Die PI Kitzingen habe eine Aufklärungsquote von 68,6 Prozent – ein Zehn-Jahreshoch (Bayern: 64,5 Prozent, Deutschland: 57 Prozent). Auch bei den zahlreichen Weinfesten im Landkreis leiste die Polizei gute Arbeit im Zusammenspiel mit Behörden, Verbänden und Vereinen.

Allerdings sei die Zahl der Rauschgiftdelikte gestiegen, was mit mehr Kontrollen zusammenhänge. Kallert wandte sich strikt gegen eine Legalisierung weicher Drogen. Das Cannabis heutiger Tage sei nicht mit den Joints der 1960er Jahre vergleichbar, weil es andere Stoffe beinhalte. Auch sei wissenschaftlich erwiesen, dass der Cannabis-Konsum schwere Schäden verursachen kann. Schon nach einmaligem Ausprobieren blieben zehn Prozent der Konsumenten an den Drogen hängen, warnte der Polizeipräsident.

Inspektion wartet auf den Neubau

Kallert erklärte, dass die PI Kitzingen in den vergangenen beiden Jahren 17 Abgänge in den Ruhestand verkraften musste. Die Stellen seien wieder besetzt worden. Nun warte als Herausforderung der Neubau des Dienstgebäudes in den Marshall Heights. Laut Kallert werde der Neubezug nach Planung und Finanzierung "in Rekordzeit" erfolgen. Einen Termin hierfür nannte er noch nicht. 

Den Leiterwechsel nahmen Landrätin Tamara Bischof und Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller zum Anlass, der Polizei für ihre umfassende Arbeit zum Wohl und für die Sicherheit der Bürger zu danken.

Der neue Polizeichef
Markus Hacks beruflicher Werdegang im Überblick: Polizeianwärter in Hammelburg, Bereitschaftspolizei in Würzburg und Nürnberg, Streifendienst in Aschaffenburg-Land, Dienstgruppenleiter in Bad Brückenau, Ermittler und Jugendkontaktbeamter in Schweinfurt, Leitung der Polizeiinspektion Marktheidenfeld.
Nach dem Studium an der Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup folgte der Aufstieg als Leiter des Sachgebiets Einsatz und Verkehr im Präsidium Würzburg. Damit hat Hack die Karriereleiter vom mittleren über den gehobenen bis in den höheren Dienst erklommen.

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