Greuth

Weinkönigin zuversichtlich: Das nächste Weinfest kommt bestimmt

Am 20. März hätte ihre Nachfolgerin gewählt werden sollen, die Corona-Pandemie verhinderte es. Was die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer zum weiteren Jahr mit Krone sagt.
'Ein normales Leben? Schwer zu sagen, ob es das für mich überhaupt gibt.' Die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer aus Greuth geht wegen der Corona-Krise in die Verlängerung.
"Ein normales Leben? Schwer zu sagen, ob es das für mich überhaupt gibt." Die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer aus Greuth geht wegen der Corona-Krise in die Verlängerung. Foto: Silvia Gralla

Weil die Wahl der 65. Fränkischen Weinkönigin wegen Corona heuer ausgefallen ist und erst 2021 stattfinden wird, geht Carolin Meyer aus dem Casteller Ortsteil Greuth im Landkreis Kitzingen in die Verlängerung. Was bedeutet das das für die Amtsinhaberin? Wie ist es, Königin in Corona-Zeiten zu sein? Fragen an die 24-Jährige, für die ihre zwölfmonatige Zusatzschicht eine Selbstverständlichkeit ist. 

Frage: Wann kam die Anfrage wegen einer Verlängerung Ihrer Amtszeit?

Carolin Meyer: Mit der Entscheidung, die Wahl auf 2021 zu verschieben, kam auch gleich die Anfrage, ob ich bereit wäre, bis dahin das Amt der Fränkischen Weinkönigin weiter zu begleiten.

Wie schnell haben Sie zugesagt?

Meyer: Für mich war es von Anfang an klar, weiter für das Amt zur Verfügung zu stehen. Gerade in der jetzigen Zeit ist Zusammenhalt das Gebot der Stunde. Die Fränkische Weinkönigin ist Gesicht und Sprachrohr der fränkischen Winzer. Es ist mir eine Ehre, ein weiteres Jahr das Gesicht sein zu dürfen.

Wie lautet die Absprache?

Meyer:  Im Frühjahr 2021 soll in Würzburg die Wahl der 65. Fränkischen Weinkönigin stattfinden. Bis dahin übe ich wie gehabt das Amt aus.

Haben Sie in absehbarer Zeit überhaupt Termine als Königin?

Meyer: Derzeit können meine geplanten Termine aufgrund der Corona-Pandemie natürlich nicht stattfinden. Ich konzentriere mich mehr auf das Internet und die sozialen Netzwerke. Ich bin sozusagen eine Königin im Home Office.

Wie sah Ihr Plan für die Rückkehr ins "normale" Leben aus - und was ändert sich jetzt?

Meyer: Ich starte im Mai wieder wie geplant in meinen Job und auch meine Amtsperiode als Kreisrätin im Landkreis Kitzingen beginnt am 1. Mai. Beide Aufgaben nehme ich sehr ernst – genauso wie das Amt der Weinkönigin. Ein normales Leben? Schwer zu sagen, ob es das für mich überhaupt gibt. Unter Weinhoheiten sagt man immer: einmal Königin, immer Königin.

Welchen Job treten Sie jetzt an?

Meyer: Ich werde in Teilzeit wieder im Weingut Castell arbeiten. Bereits vor meiner Zeit als Weinkönigin war ich dort im Weinkeller tätig. Nun wechsle ich in den Bereich Vertrieb und Marketing.

Was genau macht die Fränkische Weinkönigin in Corona-Zeiten?

Meyer: Viele meiner Weinköniginnen-Termine müssen momentan aus gegebenem Anlass ausfallen. Ich versuche aber auch digital viele Menschen für die Silvaner-Heimat zu begeistern, etwa auf Instagram oder Facebook, indem ich sie mit in die Weinberge nehme und ihnen zeige, wie naturnah die Winzer arbeiten und welche Arbeit hinter dem Frankenwein steckt. Ich genieße es als gelernte Winzerin in der Natur zu arbeiten. Ich freue mich, wenn sich die Menschen dafür interessieren, was unsere Winzerinnen und Winzer gerade in den Weinbergen machen. Vergangene Woche haben wir beispielsweise zuhause im Weinbaubetrieb meiner Eltern am Greuther Bastel zwei neue Weinberge gepflanzt. Scheurebe und Chardonnay - in drei Jahren werden dann die ersten Trauben geerntet.

Warum gerade Scheurebe und Chardonnay?

Meyer: In Franken gehen wir auch neue Wege und deshalb haben wir mit einem Chardonnay den Lieblingswein meiner Mutter gepflanzt. Ich als junger Mensch mag auch gerne die Scheurebe vom Keuper.

Was wollten Sie nach der Amtszeit unbedingt nachholen - und muss nun wieder warten?

Meyer: Nachholen möchte ich den einen der anderen Abend mit meinen Freunden auf den umliegenden Weinfesten. In zivil, einfach als ich selbst. Das muss zwar warten wegen der Corona-Pandemie. Aber ich bin guten Mutes, dass wir es danach schaffen, uns zumindest im kleinen Kreis auf ein Glas Wein zu treffen.

Das war vor einem Jahr in Grafenrheinfeld: Carolin Meyer kurz nach Entscheidung. Jetzt ist sie ein weiteres Jahr die amtierende Fränkische Weinkönigin.
Das war vor einem Jahr in Grafenrheinfeld: Carolin Meyer kurz nach Entscheidung. Jetzt ist sie ein weiteres Jahr die amtierende Fränkische Weinkönigin. Foto: Daniel Karmann, dpa

Wie fühlt sich das an, eine "Zweijahres-Königin" zu sein?

Meyer: In der Vergangenheit gab es bereits Weinköniginnen, die zwei Jahre im Amt waren. Und auch spontane Verlängerungen sind für mich nichts Neues. Meine Amtszeit als Weinprinzessin wurde 2016 kurz vor dem Termin meiner Abkrönung um ein paar Wochen verschoben. Genau wie jetzt auch war ich damals schon unverhofft etwas länger Inhaberin eines schönen Ehrenamtes und goldenen Krönchens.

Dass dieses Jahr so gar keine Weinfeste stattfinden ...

Meyer: ... finde ich wirklich schade, denn unsere Weinfeste verbinden alles, was das Leben lebenswert macht: Genuss, Kultur und die Freude am Leben. Aber die Sicherheit der Menschen und Risikogruppen geht da ganz klar vor und Mindestabstände können auf einem Weinfest sehr schwer eingehalten werden. Es ist wichtig und von absoluter Priorität, dass wir alles tun, um die Pandemie einzudämmen. Ich bin mir sicher, dass das nächste Weinfest bestimmt kommt. Bis dahin kann man sich die Zeit zuhause mit einem Glas Frankenwein auch ganz schön machen.

Welche Probleme sehen Sie auf die Winzer zukommen?

Meyer: Die Gastronomie spielt eine enorm wichtige Rolle. Eine Flasche Wein, die momentan nicht in der Gastronomie getrunken wird, kann auch nach Aufhebung der Schließung nicht getrunken werden, weil man die Tische ja nicht doppelt besetzten kann. Positiv finde ich, dass viele Menschen ihre örtliche Gastronomie unterstützen, in dem sie die To-go-Angebote nutzen. Generell wird dem Thema Genuss zuhause wieder mehr Aufmerksamkeit zu teil. Viele Menschen kochen zuhause, nehmen sich Zeit dafür und legen auch wieder mehr Wert auf eine passende Weinauswahl zu ihrem Essen. Jetzt ist ja gerade Spargelzeit - da passt ein Silvaner aus Franken ganz hervorragend. Die Weine vom Winzer kann man sich ja bequem nach Hause liefern lassen - oder sogar bei einer Online-Weinprobe kennen lernen.

Wie darf man sich eine Online-Weinprobe vorstellen?

Meyer: Trotz teils großer Entfernung der Teilnehmer vor allem super-gesellig. Man sieht sich zwar nur auf dem Bildschirm, doch das Glas Wein in der Hand verbindet. Der Winzer, der die Probe organisiert, stellt nacheinander die Weine vor und erklärt die Philosophie des Weingutes. In der Runde können Fragen gestellt werden und man tauscht sich gemeinsam aus. 

Sehen Sie auf die Weinbaubetriebe existenzielle Probleme zukommen?

Meyer: Wenn die Maßnahmen gegen Corona andauern, wird es sicherlich auch zu existenziellen Problemen bei den Winzern kommen. Umso schöner finde ich es, dass die Bevölkerung ihre Winzer unterstützt und bei ihnen vermehrt Wein kauft. Die Vinotheken sind geöffnet. 

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