Sulzfeld

Wenn aus Nachbarn Freunde werden

Knapp 200 Teilnehmer waren bei der Eröffnung dabei. Sie wanderten zusammen von Segnitz nach Sulzfeld und zeigten die neue Freundschaft zwischen den beiden Orten.
Knapp 200 Teilnehmer waren bei der Eröffnung dabei. Sie wanderten zusammen von Segnitz nach Sulzfeld und zeigten die neue Freundschaft zwischen den beiden Orten. Foto: Regina Sterk

Endlich war es soweit: Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit konnte der Kulturweg zwischen Segnitz und Sulzfeld am Mittwoch eröffnet werden. Das Wetter am 1. Mai war bestens dafür geeignet und so hatten sich knapp 200 Teilnehmer an der Segnitzer Mainlände eingefunden. Die Segnitzer Bürgermeisterin Marlene Bauer und ihr Sulzfelder Kollege Gerhard Schenkel freuten sich über den großen Zuspruch, hatten sie doch zusammen mit einigen Ehrenamtlichen viel Arbeit in das Projekt gesteckt.

Denn bei den Europäischen Kulturlandschaften geht es nicht nur darum, neue Wanderwege zu erschließen. Wer hier unterwegs ist, erfährt auch etwas über die Gegend, in der er sich befindet. In diesem Fall wurde unter dem Motto "Rebe - Rettich - Renaissance" allerlei Wissenswertes aus der Geschichte der beiden Orte zusammengetragen. Und da gab es bei näherem Hinsehen mehr Gemeinsamkeiten, als die meisten wohl zunächst vermutet hätten. So hatte der Segnitzer Baumeister Hans Kesenbrod im 16. Jahrhundert seine Spuren auch in Sulzfeld und Marktbreit hinterlassen.

Und obwohl die beiden Orte aus ihrer Geschichte heraus nie viel miteinander zu hatten, sind sie nun auf besondere Weise verbunden. "Eine Nachbarschaft wurde zu Freundschaft", meinte Marlene Bauer zur Eröffnung, alleine das sei die viele Mühe wert gewesen. Dr. Gerrit Himmelsbach vom unterfränkischen Institut für Kulturlandschaftsforschung hatte das Projekt wissenschaftlich begleitet. Er lud die Gäste dazu ein, die Besonderheiten vor der eigenen Haustür wieder mehr schätzen zu lernen. Das sei das Ziel des Kulturwegprojektes, das mittlerweile mehr als 100 solcher Wege umfasst.

"Wir möchten das Wissen um die Heimat erfahrbar machen und bewahren", so der Wissenschaftler. Ein Mehrwert sei dabei auch immer das Netzwerk der Menschen, das gleichzeitig entsteht. Augenzwinkernd berichtete er dann auch von einer kleinen historischen Ungereimtheit: Es gibt ein Gemälde von Matthäus Schiestl, das Albrecht Dürrer zeigt, wie er auf dem Main an Sulzfeld vorbei fährt. Findige Bildbearbeiter haben das Motiv nun weiterentwickelt: In Sulzfeld war eine Version ausgestellt, die zeigt, wie die Projektgruppe den berühmten Künstler am Tor begrüßt. In Segnitz dagegen war das Bild plötzlich spiegelverkehrt, auf Dürer Boot hatte sich eine Kiste Rettich geschmuggelt und darunter stand "Dürer auf der Rückfahrt von Segnitz".

Abgesehen von diesem kleinen Schalk geht es auf den Infotafeln am Weg aber streng wissenschaftlich zu. Vor allem Norbert Bischoff (Segnitz) und Rainer Krumpholz (Sulzfeld) hatten einen großen Teil dazu beigetragen. Wer also wissen möchte, was es mit dem Brüsselschen Institut in Segnitz auf sich hatte, wo das Dreiländereck liegt oder den geschichtsträchtigen Sulzfelder Ortskern näher kennenlernen will, der findet auf den Tafeln alles Wissenswerte dazu. Der Weg führt ab der Segnitzer Mainlände durch den Ort, an Gärtnereien vorbei und dann auf der Anhöhe entlang. Vorbei am sogenannten Dreiländereck, wo die Grenzsteine von Segnitz, Sulzfeld und Frickenhausen stehen, geht es zur Weinhalla.

Nach dem Genießen des herrlichen Ausblickes führt dann der Judenweg hinunter nach Sulzfeld. Dort ist unbedingt eine Stärkung mit der berühmten Meterbratwurst empfohlen, bevor der Wanderer dann den Rückweg über die Segnitzer Spitze uns das Gräberfeld Kleiner Anger antritt. Der Kulturweg ist als Rundweg angelegt und umfasst 13 Kilometer. Parkmöglichkeiten gibt es in Segnitz und Sulzfeld. Unterwegs weisen kleine blaue Schilder mit den zwölf Europa-Sternen und einem Schiff in der Mitte den richtigen Weg. Weitere Informationen finden sich jeweils auf den Webseiten von Sulzfeld und Segnitz.

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