KITZINGEN

Wenn das Klavier ein Orchester ist

Meryem Natalie Akdenizli kommt an diesem Samstag in die Seiler Pianofortefabrik.
Meryem Natalie Akdenizli kommt an diesem Samstag in die Seiler Pianofortefabrik. Foto: Nazim Aliyev

„Weltklassik am Klavier“ heißt es an diesem Samstag, 3. November, um 17 Uhr, wenn mit Meryem Natalie Akdenizli eine exzellente Pianistin in die Seiler Pianofortefabrik, Schwarzacher Straße 40, nach Kitzingen kommt. Die gebürtige Stuttgarterin ist über die Grenzen hinaus bekannt für ihre erfrischenden Erzählkonzerte für Jung und Alt. Sie entführt die Zuhörer in die Welt von Beethoven, Liszt und Chopin und bereichert und würzt das Programm mit wissenswerten Geschichten und zum Schmunzeln anregenden Anekdoten über Komponisten und Werke.

Frage: Meinen ersten Klavierunterricht hatte ich . . .

Meryem Natalie Akdenizli: . . . mit sieben Jahren. Allerdings entschloss ich mich schon im Alter von vier Jahren in der musikalischen Früherziehung – nachdem ich ein Klavier gesehen und gehört hatte – Pianistin zu werden.

Kein Zwang

Sie wurden also kein bisschen gezwungen?

Akdenizli: Nein, glücklicherweise nie. Meine Geschwister und ich spielten alle Instrumente und es gehörte einfach dazu, jeden Tag zu üben. Mein Üben darüber hinaus ging hauptsächlich auf meinen Ehrgeiz zurück. Vom Leistungssport wie Schwimmen und Eiskunstlaufen oder auch vom Ballett war ich gewohnt, dass man sich anstrengen muss, um ein Ziel zu erreichen – und genau das machte und macht mir großen Spaß.

Berufung

Wann war endgültig klar: Das ist meine Berufung?

Akdenizli: Etwa im Alter von zwölf Jahren, als ich meinen ersten Bundespreis bei Jugend musiziert gewann und ich mich für meinen ersten internationalen Wettbewerb vorbereitete.

Was genau fasziniert Sie am Klavier?

Akdenizli: Für mich liegt das Besondere am Klavier in der Vielseitigkeit und der Komplexität. Die Möglichkeit, verschiedene Stimmen gleichzeitig darzustellen. Außerdem aber auch in ganz verschiedene Rollen zu schlüpfen: Man ist gleichzeitig der Dirigent und das Orchester.

Begeisterung

Woher kam das Interesse an Musik?

Akdenizli: Ich war schon in frühester Kindheit begeistert von Musik und besonders von klassischer Musik. Schon damals war das Gefühl unbeschreiblich, das mich beim Musizieren oder auch beim Singen bewegte.

Wie ging Ihre Karriere los?

Akdenizli: Nachdem ich meinen ersten Bundespreis gewonnen hatte, wurde ich auf viele Konzerte eingeladen. Spielte Kammermusik und nahm auch an internationalen Wettbewerben teil. Mit 15 Jahren gab ich mein Debüt mit Orchester in der Stuttgarter Liederhalle. Mit 16 Jahren gab ich in Stuttgart meinen ersten Klavierabend. Dann führten mich Studien und Studium nach Freiburg, Hannover, Trossingen und Paris.

Herausforderung

Wie viele Konzerte geben Sie inzwischen pro Jahr?

Akdenizli: Das variiert – um die 40 pro Jahr.

Ist das ständige Üben manchmal eine Last?

Akdenizli: Üben ist für mich eine Herausforderung, Neues zu entdecken sowie auch immer neue Lösungen zu finden und sich weiterzuentwickeln.

Was hat es mit Ihrem Gesprächskonzert „In 80 Minuten durch die Musikepochen“ auf sich?

Akdenizli: Bei meinen Gesprächskonzerten möchte ich meinen Zuhörern mit Erklärungen der musikalischen Zusammenhänge und Hintergründe die Musik näher bringen – und somit auch den Genuss beim Zuhören verstärken. Hinter jedem klassischen Stück steckt, wie auch in klassischer Literatur, so viel, das ich mit meinen Zuhörern teilen möchte. Außerdem entsteht so eine Nähe zwischen Künstler und Publikum. „In 80 Minuten“ ist der Titel meiner Gesprächskonzerte, die ich speziell für junge Zuhörer ausgearbeitet habe. Diese Gesprächskonzerte gebe ich an Schulen, um Schülern die Liebe zur klassischen Musik näher zu bringen.

Immer etwas zu entdecken

Haben Sie eine Lieblingsmusik-Epoche?

Akdenizli: Für mich besteht eher die Faszination darin, die verschiedenen Epochen zu entdecken und sich in die jeweilige Zeit hineinzudenken und zu fühlen.

Ihr musikalisches Vorbild?

Akdenizli: Ich hatte, als ich in Paris lebte, die wundervolle Pianistin Livia Rev als Lehrerin, die als Pianistin bis ins hohe Alter ihre Zuhörer bezauberte. Sie wurde die Maria Callas des Klavierspiels genannt. Von ihr lernte ich nicht nur unglaublich viel darüber zu musizieren und über das Klavierspiel, sondern auch eine gesunde und schöne Lebensweise als Musikerin und Konzertpianistin. Sie ist vergangenes Jahr im Alter von 101 Jahren gestorben und wird für mich immer ein Vorbild bleiben.

Erklärungen für Zuhörer

Außer klassischer Musik mag ich noch . . .

Akdenizli: . . . ich liebe Literatur und Tanz sowie Sport wie Schwimmen und besonders auch Ski fahren.

Was genau erwartet die Kitzinger am Samstag?

Akdenizli: Ein Erzählkonzert, bei dem ich meinen Zuhörern mit Erklärungen der musikalischen Zusammenhänge und Hintergründe der Werke von Liszt, Beethoven und Chopin näher bringen möchte. In Beethovens Sonate „ Das Lebewohl“ beispielsweise, hat Beethoven seinem Freund Erzherzog Rudolph zum Abschied eine Sonate geschrieben. Wie Beethoven das musikalisch umgesetzt hat, möchte ich meinen Zuhörern näher bringen und somit den Hörgenuss und die Begeisterung für diese Musik verstärken.

Genuss und Wissen

Warum hat es klassische Musik schwer?

Akdenizli: Wie unsere gesamte Kultur ist besonders auch die klassische Musik nicht nur mit Genuss sondern auch mit Wissen darum verbunden. Dies muss der neuen Generation weitergegeben werden, um sie sowohl verstehen als auch genießen zu können.

Ihr nächstes Projekt?

Akdenizli: Ich wurde kürzlich zu Dozentin an der Musikhochschule in Freiburg berufen und freue mich nun neben meinen Konzerten auf die Arbeit mit den Studenten.

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