Unterickelsheim

Wie die Schweinepest Bauern im Landkreis Kitzingen bedroht

Helmut Schmidt betreibt einen Schweinemastbetrieb. In die Zukunft blickt er mit Sorge: Er rechnet mit schweren Schäden – etwa durch einen Ausbruch der Schweinepest.
Zu Besuch in Untericklesheim: Landrätin Tamara Bischof spricht mit Landwirt Helmut Schmidt über die Probleme von Schweinemastbetrieben im Landkreis Kitzingen. Foto: Lukas Kutschera

Rund 1150 Schweine tummeln sich im Stall von Helmut Schmidt in dem Martinsheimer Ortsteil Unterickelsheim. Das riecht und hört man. Während er mit Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler) über seinen Mastbetrieb spricht, quieksen die Tiere immer wieder. Auch das Rasseln der Ketten, an denen Spielzeug für die Schweine hängen, bestimmt die Geräuschkulisse. Den Stall hat Schmidt vor 15 Jahren gebaut. Er teilt ihn sich mit Georg May, ist Landwirt im Nebenerwerb. Wie viele Bauern in Deutschland weiß er nicht, wie es in der Zukunft weitergehen wird. Sorgen machen ihn vor allem anstehende Auflagen der Politik und ein Ausbruch der Schweinepest im Landkreis.

Automatisierte Fütterung und Belüftung für 1150 Schweine

Es ist der erste Unternehmensbesuch der Landrätin im neuen Jahr – und gleich eine Herausforderung: Bevor es in den Stall geht, gilt es, weiße Schutzkittel und Überschuhe anzuziehen – Hygienebereich.  Trotzdem warnt der Landwirt die Landrätin sowie den Kreisobmann vom bayerischen Bauernverband Alois Kraus sowie Gerd Düll, Leiter vom Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen (AELF): "Heute werden Sie etwas Duft mit nach Hause nehmen."

An den Ketten hängen Spielzeuge für die Schweine. Helmut Schmidts Betrieb ist Teil der Initiative Tierwohl. Foto: Lukas Kutschera

Drinnen ist ein sogenannter Kammstall. "Es ist wie in der Schule mit den Klassenzimmern", erklärt Schmidt. Links und rechts von einem einzelnen Hauptgang befinden sich in verschiedenen Ställen etwa 1150 Schweine. Die Tiere bleiben vier Monate in dem Betrieb. Ihre Fütterung und die Belüftung erfolgt automatisch. In den einzelnen Gehegen hängen Spielzeuge für die Tiere.

"Für mich ist es nicht die Frage ob, sondern wann sie hier ausbricht."
Landwirt Helmut Schmidt über die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest im Landkreis.

Infiziertes Wildschwein in Polen: Schweinepest nähert sich Deutschland

"Seit drei Jahren sind wir auch bei der Initiative Tierwohl dabei", sagt der Landwirt. Diese freiwillige Branchenvereinbarung mit dem Einzelhandel schreibt bestimmte Anforderungen wie etwa die Zahl der Fenster in einem Stall oder den Platz für die Tiere vor. "Wir konnten aber ohne groß umzubauen an der Initiative teilnehmen", so Schmidt bei dem Rundgang durch den Stall. Viele Anforderungen hätte der Stall schon damals mit dem ursprünglichen Bau erfüllt. 

"Aber ob's wieder 15 Jahre so weiter geht, wissen wir nicht", erklärt Schmidt der Landrätin. Besonders Sorgen macht dem Landwirt die Afrikanische Schweinepest. "Für mich ist es nicht die Frage ob, sondern wann sie hier ausbricht", sagt er. Kontinuierlich nähert sich die Seuche der Region. Erst kürzlich wurde ein infizierter Wildschweinkadaver 21 Kilometer vor der deutschen Grenze in Polen entdeckt.

Ausbruch der Seuche bedeutet enorme wirtschaftliche Schäden

Obwohl die Schweinepest für den Menschen ungefährlich ist, sind die Auswirkungen für die Landwirte fatal. Egal ob Wild- oder Hausschweine betroffen sind, wird ein Sperrgebiet um den Fundort errichtet. "Das kann bis zu 50 Kilometer groß sein", erklärt Schmidt. Dort dürfen dann keine Schweine transportiert werden. Außerdem würden die asiatischen Länder, ein großer Abnahmepartner von Produkten wie Innereien, die in Deutschland nicht gekauft werden, ihre Verträge mit den Landwirten beenden.

Im Schnitt hält Schmidt 1150 Schweine in seinem Betrieb. Foto: Lukas Kutschera

"Gibt es dafür eine Versicherung?", fragt Tamara Bischof. Schmidt hat eine. Zwar gäbe es eine Tierseuchenkasse, doch die würde nur bei Bauern, deren Tiere infiziert sind, zahlen. "Das Risiko ist tausend mal höher vom Sperrbezirk als direkt selbst betroffen zu sein," sagt Landwirt Schmidt.

Auflagen der Bundesregierung treiben Strukturwandel voran

Richtig ins Geld gehen würden auch die Auflagen der Politik, wie etwa das Agrarpaket der Bundesregierung. Besonders ist es die neue Gülleverordnung, die Schmidt und Kreisobmann Kraus wie viele Bauern nicht nachvollziehen können. Regionale Besonderheiten des Landkreises würden in der bundesweiten Verordnung nicht berücksichtigt werden. "Ich muss hier anders düngen als in Regionen, wo es viel regnet", erklärt Kraus vom Bauernverband. Wenn, wie bis zum Sommer vorgesehen, die Düngezeiten weiter reduziert werden, bedeute das für die Landwirte hohe Investitionen in Güllelager.

"Die aktuelle Situation wird den Strukturwandel massiv anheizen", sagt Kraus. "Mehr Betriebe werden nicht weitergeführt werden." Daraufhin fragt die Landrätin, was Gerd Düll vom AELF jungen Landwirten raten würde. "Ich weiß es auch nicht", antwortet er. "Ich bin zum ersten Mal in der Situation, wo ich nicht sagen kann, wie es weitergehen wird."

Vielleicht werde es in Zukunft mehr in Richtung Landschaftspflege als zum klassischen Landbau gehen. Dass das aber mit dem ursprünglichen Beruf der Bauern wenig zu tun hat, darüber sind sich Kreisobmann Kraus und Landwirt Schmidt einig.

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