Kitzingen

Winnetou mit Eiskonfekt: Nostalgiekino Roxy wiedereröffnet

Volles Haus bei der Wiedereröffnung des Kitzinger Roxy-Kinos. Erste Reihe von links: Michael Schmitt, Geschäftsführer der Roxy-Genossenschaft, Anke Schunk, 2. Vorsitzende des Roxy-Fördervereins, Regisseur Thomas Heinemann, Christine Jenike, Födervereinsvorsitzende, Elisabeth Kamm, Ehefrau des Hausbesitzers, und Filmvorführer Peter Hager Foto: Andreas Brachs

Oberbürgermeister Siegfried Müller und seinen Hauptamtsleiter Ralph Hartner verbinden nicht nur die Büros auf dem gleichen Flur im Rathaus; sie haben auch eine gemeinsame Vergangenheit. Beide saßen als Kinder schon im Kitzinger Roxy-Kino und verfolgten gespannt, wie "Winnetou" über die Leinwand ritt. Müller und Hartner gehörten zur Gästeschar, die am Mittwochabend zur Wiedereröffnung des Roxy geladen war.

Zum Auftakt gab es den fränkischen Heimatfilm "Vorne ist verdammt weit weg", und Regisseur Thomas Heinemann war dazu extra nach Kitzingen gekommen, die Stadt, in der er einen Teil des Films gedreht hat. 

 

Zwölf Jahre standen die Projektoren still

 

Zwölf Jahre lang standen die Projektoren still. Und ebenso lange, erinnerte sich OB Müller, hing der Zettel "Kino zurzeit geschlossen" im Schaukasten. Dabei wusste er noch, wie er als Kind den Kinobesuch als etwas Besonderes erlebte: "Wir waren fünf Geschwister; da gab es nicht so viel Taschengeld." Deshalb gönnte sich der OB in früheren Zeiten auch nur manchmal das Eiskonfekt in der Pause, das der Verkäufer mit seinem Bauchladen zwischen den Sitzreihen verkaufte. "Eine Mark hat das gekostet", wusste der Rathaus-Chef noch. 

Der Schaukasten des Roxy am Wiedereröffnungstag. Foto: Andreas Brachs

Und er saß auch schon im Kino, als es nur Holzklappstühle gab. "Später waren sie dann gepolstert", blickte Müller zurück. Während er die Karl-May-Filme anschaute, war Hartner später auch im Teenie-Klassiker "La Boum" oder in den Hau-drauf-Streifen von Bud Spencer. "Für die Karte für den Rasierstuhl hat es ab und zu gereicht", sagte er schmunzelnd. Vorne, wo man den Kopf in den Nacken legen musste, waren die Plätze am billigsten. 

 

Ehepaar Hartner unterstützt das Kino

 

Hartner freut sich riesig, dass das Roxy zurückkommt und "unsere kleine Stadt wieder ein Kino hat". Er ist selbst Mitglied des Fördervereins geworden, und seine Frau Ingrid gehört zum Team der ehrenamtlichen Helfer, die das Roxy in Eigenregie betreiben. 

Willi Paulus, ein weiterer Gast des Abends, erinnerte sich sogar an Friedrich Gahler, der das Roxy im Jahr 1956 gründete. Der habe beste Verbindungen zu den Filmverleihern und sogar zu einigen Filmstars gehabt, so dass es in Kitzingen immer die neuesten Streifen zu sehen gab. 

 

Hausherrin vom Glanz überwältigt

 

Überwältigt vom Glanz des Nostalgiekinos mit seinen einmaligen Jugendstil-Säulen ist Elisabeth Kamm. Sie ist die Frau des Hausbesitzers. Das Ehepaar wohnt mittlerweile im Raum Bonn, überlegt aber, in der Rente nach Kitzingen zurückzukehren. Sie findet es "super", dass die Mitglieder der Roxy-Genossenschaft und des Fördervereins das Kino aus dem Dornröschenschlaf geweckt haben. Kamm erinnerte sich, wie bei einer internationalen Jugendbewegung vor einigen Jahren französische Jugendliche ganz entzückt von den kleinen Kinosälen gewesen seien. "So etwas kennt die Jugend in Zeiten der Großkinos gar nicht mehr."

Jugenderinnerungen unter nostalgischen Plakaten: die Gäste des ersten Kinoabends im Foyer. Foto: Andreas Brachs

Das ist auch für Sabrina Stemplowski ein Argument. Die Kreisvorsitzende der Jungen Union aus Kitzingen findet das Roxy wichtig, "weil es die großen, herzlosen Kinos überall gibt". Sie hat als Kind den "König der Löwen" in Kitzingen gesehen und hofft auf ein attraktives Programm. Sie glaubt, dass das Roxy das Filmerlebnis mit einem Rahmenprogramm ergänzen müsse: zum Beispiel einen Poetry Slam mit einem passenden Film oder Aktionen, die die Zuschauer einbeziehen. 

 

Kino kann nur mit Besuchern überleben

 

Tatsächlich gaben viele Gäste den ehrenamtlichen Kinobetreibern am Mittwochabend gute Wünsche mit auf den Weg. Aber alle sind sich einig: "Das Kino kann nur überleben, wenn die Kitzinger und die Besucher aus dem Umland kommen", bringt es OB Müller auf den Punkt. Die Mischung, Kinder- und Familienfilme anzubieten, und zugleich auch anspruchsvolle Filme in Themenreihen zu präsentieren, muss sich erst noch beim Zuschauer bewähren.

Die Hauptverantwortlichen, Vereinsvorsitzende Christine Jenike, ihre Stellvertreterin Anke Schunk und der Geschäftsführer der Genossenschaft, Michael Schmitt, haben am Mittwoch eine dreijährige Zeit "des Kampfes, der Leiden und der Freude" erlebt, wie Schmitt sagt. Der eigentliche Kampf steht dem Kino aber noch bevor.

Das Kitzinger Roxy-Kino hat vorerst an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Wegen einer fehlenden Brandschutztür kann der zweite, rote Saal – anders als vom Betreiber angekündigt – noch nicht bespielt werden. Die Vorstellungen finden zunächst nur im blauen Saal (85 Sitze) statt. Das aktuelle Programm steht in der Tageszeitung und auf www.das-roxy.de

Die Programmvorschau für die nächsten Tage finden Sie hier.

Die Reklameschrift leuchtet wieder. Foto: Andreas Brachs

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