KITZINGEN

Wir sind kein Land von Egoisten

Überraschung: Heinz Galuschka überreicht Astrid Glos die Ehrenurkunde der SPD. FOTO Robert Haaß

Man mag es kaum glauben: Aber schon vor einem Jahr waren Flüchtlinge Thema beim Sozialempfang der SPD-Landtagsfraktion in Kitzingen: Damals war es der Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher, der die Flüchtlingspolitik der Staatsregierung kritisierte. Am Freitag in der Alten Synagoge sagte Volkmar Halbleib, man müsse „mit heißem Herzen und kühlem Verstand das Problem angehen“.

Alljährlich lädt der Kreisverband der Sozialdemokraten zum Sozialempfang ein. Anregungen und Kritik aus dem Volk aufnehmen, Dank sagen für ehrenamtliches Engagement und ein wenig politische Meinung unter eben jenes bringen, das ist das Anliegen des Empfangs.

Mit der Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags, Inge Aures, hatten die Sozialdemokraten eine profilierte Rednerin eingeladen. Zwölf Jahre lang war Aures Oberbürgermeisterin von Kulmbach, eh sie 2008 in den Landtag gewählt und 2013 zur Landtagsvizepräsidentin wurde.

„Das wunderbare Bayern hat ein paar Fragezeichen, die heute auch angesprochen werden sollen“, sagte sie im breitesten Oberfränkisch, eh sie auf das Thema des Abends, das Ehrenamt, überleitete. Da ist die Bildungspolitik im Freistaat, die Nachholbedarf in Bezug auf gemeinsame Schulzeiten und Kindergarten habe. Und da ist auch die Frauenpolitik: Unterschiedliche Gehälter für Männer und Frauen bei gleicher Arbeit seien ein Skandal. Und da ist die schlechte Finanzausstattung der Kommunen im Freistaat. Vor allem in Franken gebe es etliche Gemeinden, die keinen genehmigten Haushalt haben. Dass es trotzdem laufe, liege am ehrenamtlichen Engagement vieler tausend Menschen. In Zahlen: Rund 3,8 Millionen Bayern sind engagiert. Mit 710 Millionen unbezahlten Arbeitsstunden leisten sie einen Gesamtwert von über sechs Millionen Euro. Dazu kommen weitere 36 Prozent, die Interesse an freiwilligem Engagement haben: „Fast drei Viertel der Bevölkerung tut oder möchte etwas tun für die Allgemeinheit – wir sind kein Land von Egoisten – die Egoisten sind in der Minderheit.“

Wie sehr Menschen anderen Menschen helfen, zeige die aktuelle Lage bei der Ankunft der vielen tausend Flüchtlinge. Eine Situation, die dem Staat natürlich auch Geld kostet, wofür aber auch erst in der vergangenen Woche eine gerechtere Verteilung der Kosten gefunden werden konnte. Vor allem im sozialen Wohnungsbau gebe es hier großen Nachholbedarf, „auch für die eigenen Leute“. Dass es jetzt aber schon so weit ist, dass „wir von den Sozialdemokraten die Merkel verteidigen müssen – des is scho arg“, so die Landtagsvizepräsidentin.

Die dann auch auf das Argument des zu wenig an Geld einging: Zehn Milliarden Euro habe der Freistaat in die Bayerische Landesbank versenkt, jeder Tag koste dem bayerischen Steuerzahler eine Million Euro nur an Zinsen. Das Geld fehle für Bildung, für Senioren und auch die Finanzausstattung der Kommunen.

Auszeichnung übergeben

Ehe es zu lockeren Gesprächsrunde der Gäste kam, zeichnete Kreisvorsitzender Heinz Galuschka noch Astrid Glos aus: Sie bekam für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement die Ehrenurkunde der SPD, ausgestellt vom Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel.

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