Mönchsondheim

Wirtshaus wird in Szene gesetzt

In Mönchsondheim steht das Gasthaus kurz vor der Sanierung. Auf der Bürgerversammlung erklären die Architekten, wie es an Größe gewinnen soll, ohne selbst zu wachsen.
Die Gaststätte unterhalb des Kirchenburgmuseums in Mönchsondheim soll modernisiert und durch manchen Neubau im Umfeld vitalisiert werden. Foto: Eike Lenz

Es waren noch sieben Minuten bis zum offiziellen Beginn der Bürgerversammlung, und im Saal des Gasthauses Goldene Krone in Mönchsondheim verlor sich an diesem Dienstagabend gerade mal eine Handvoll Leute. Fahles Neonlicht fiel auf knarzende Holzdielen, und hinten an der Theke schob sich Iphofens Bürgermeister Josef Mend noch rasch ein belegtes Brötchen in den Mund. Dann ging es Schlag auf Schlag. Immer mehr Mönchsondheimer krochen nun die so schmale wie steile Stiege hinauf in den ersten Stock. Als es zehn nach acht losging, war der Saal voll. Die Architektin Julia Dillamar stand ganz vorne und sagte: „Schön, dass wir hier mittendrin sind statt nur dabei.“

Mend weiß, wie er Exklusivität vermittelt

Mittendrin, das traf es ganz gut. Noch einmal hatten etwa 40 Mönchsondheimer dort Platz genommen, wo schon bald Elektriker, Installateure und Trockenbauer die Szenerie beherrschen werden. Ihr jahrhundertealtes Gasthaus im Ortskern ist ein Fall für die Sanierer, und das seit Jahren. Nun macht die Stadt Iphofen, die das Anwesen samt Nebengebäuden von der Gastwirtsfamilie Rückert gekauft hat, ernst. Pläne und Kostenberechnungen liegen auf dem Tisch. Und der Bürgermeister weiß, wie er die Leute, die ihn vier Jahre vorher bei gleicher Gelegenheit ungewöhnlich scharf angegangen sind, für sich gewinnt – indem er ihnen ein bisschen Exklusivität vermittelt. „Was Sie heute Abend erfahren, weiß noch nicht mal der Stadtrat.“ Die sieben anwesenden Räte lächeln und tragen es mit Fassung.

Vom Würzburger Entwicklungsbüro Archicult, das mit dem Slogan „Wir bauen Identität“ wirbt, sind die Architekten Julia Dillamar und Tobias Ruppert gekommen. Um Identität geht es auch in Mönchsondheim. Ein Anwesen wie dieses – 1832 als Wohngebäude errichtet, 1871 zur Gastschänke umgebaut – saniert man nicht einfach so. Dazu bedarf es Empathie und Sensibilität, zumal in einem Ort, der sich selbst Museumsdorf nennt und dessen Vergangenheit zugleich seine Zukunft ist. Wie viel Reformeifer also verträgt ein Projekt, das immer auch im Kontext mit der oberhalb gelegenen historischen Kirchenburg zu sehen ist? Die Antwort: Gerade so viel, dass die baufälligen Nebengebäude ersetzt werden, das Gasthaus aber erhalten bleibt und gegenüber seinem Umfeld sogar wieder an Größe gewinnt.

Nebengebäude werden zum Ort der Selbsterfahrung

Der Wirtssaal im Obergeschoss behält seinen Charakter und wird künftig barrierefrei mit einem Aufzug erreichbar sein, die Treppe soll aus Brandschutzgründen breiter und flacher werden. Theke und Vorraum werden leicht verändert. Im Erdgeschoss bestand die Aufgabe darin, eine Gaststube mit Platz für bis zu 60 Gäste zu schaffen, das entspricht etwa einer Busladung. Die Architekten lösten dies, indem sie einen kleinen Anbau vorsahen, der auch in der Einrichtung den Zeitgeist spiegeln soll. Die stärksten Eingriffe gibt es an den Nebengebäuden: der großen Scheune und den ehemaligen Stallungen. Sie werden größtenteils abgebrochen und – deutlicher niedriger – neu errichtet. Ziel ist es, eine „klare Hierarchie zu schaffen und das Gasthaus wieder in Szene zu setzen“, wie Tobias Ruppert sagte.

Dieser L-förmige Neubau, der den bestehenden Hof einfasst, wird künftig zu einer Art Selbsterfahrungslabor für Museumsbesucher. In zwei Gruppenräumen und einem überdachten Außenbereich sollen sie eigenhändig erfahren, wie früher Wäsche gewaschen, Brot gebacken oder Butter gemacht wurde. Museumspädagogik nennt sich diese relativ neue Disziplin, die laut Museumsleiter Reinhard Hüßner vom Bezirk Unterfranken gefordert und mit 400 000 Euro gefördert wird. Insgesamt werde sich der vom Museum getragene Umbau auf gut eine Million Euro belaufen.

Für den Bürgermeister bleibt eine spannende Frage

Wie viel die Sanierung der Gaststätte kosten wird, dazu haben sich an diesem Abend weder Bürgermeister noch Architekten geäußert. Der Stadtrat aber wird am kommenden Montag wissen wollen, was da auf die Stadt zurollt. Die Absage an ein Projekt wie die Umweltstation auf dem Schwanberg hat Mend auch damit begründet, dass die Stadt ihren Fokus mehr auf die Stadtteile legen wolle. Und erneut verwies er auf das drohende Szenario „deutlich weniger Steuereinnahmen“ für die Stadt bei gleichzeitig höheren Kosten für die Kreisumlage: acht Millionen Euro in diesem Jahr, das seien 2,4 Millionen Euro mehr als noch 2018. Er stehe aber zur Sanierung des Gasthauses. Die „spannende Frage“ werde sein, wer es künftig betreibe. Dazu gibt es laut Mend bereits Ideen. Konkret werden wollte er aber auch in dieser Sache nicht. Klar sei: Allein von den 167 Einwohnern Mönchsondheims könne ein Pächter nicht leben.

Reinhard Rückert trieb eine andere Frage um: „Wenn der Stadtrat Ja sagt, wann geht es denn dann los?“ Mend blickte in eine nun aufgekratzte Menge, zählte die nötigen Schritte – vom konkreten Bauentwurf, über Zuschussverhandlungen, bis zur Ausschreibung – auf und sagte: „Wir bewegen uns Richtung Frühjahr 2020.“ Gut möglich also, dass die Mönchsondheimer ihre Bürgerversammlung nächstes Jahr noch mal in vertrauter Umgebung erleben werden.

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