IPHOFEN

Wo Bauland Begierden weckt

Als habe ein Maulwurf ganze Arbeit geleistet: Das neue Baugebiet am Iphöfer Geiersberg mit 45 Bauplätzen ist noch nicht fertig erschlossen, da wird schon das erste Haus gebaut. Foto: Eike Lenz

Noch ist das Iphöfer Neubaugebiet Geiersberg II nicht fertig erschlossen, da entsteht auf dem 4,4 Hektar großen Areal bereits das erste Haus. Während Bauarbeiter Straßen asphaltieren und das Gelände modellieren, wird auf einem der Grundstücke eine Betonstützwand für ein Einfamilienhaus errichtet. Die Zeit drängt, einige Bauherren haben es eilig, und die Stadt ist – nicht ganz freiwillig – zur Teilnehmerin eines bekannten Spiels geworden: dem von Hase und Igel. Wo immer sie in diesen Tagen auch Bauland ausweist, die Bewerber sind schon da. Der seit Jahren anhaltende Boom führt dazu, dass die Stadt an ihre Grenzen stößt und die hohe Nachfrage nicht mehr bedienen kann.

Die Stadt verteilt 22 Absagen

Die 45 Bauplätze am Geiersberg waren bereits vergriffen, noch ehe der erste Spatenstich getätigt war – und das, obwohl das Gebiet etliche Nachteile aufweist. Es liegt an einem schattigen Nordhang, der noch dazu steil abfällt, viele Bauherren werden nicht ohne teure Stützmauern auskommen. Auf die Euphorie der Häuslebauer wirkte sich dies nicht aus. Wie Mend im Stadtrat mitteilte, hat die Stadt wegen der hohen Nachfrage 22 potenziellen Käufern absagen müssen. Bis Anfang November sollen die groben Erschließungsarbeiten dort abgeschlossen sein, die Feindecke auf den Straßen wird allerdings erst im nächsten Jahr aufgebracht, denn dazu müssen die Temperaturen passen.

Allein die Ankündigung, dass ein neues Baugebiet kommen könnte, weckt inzwischen Begierden. Etwa 25 Plätze sind am neuesten Sehnsuchtsort, der Einersheimer Straße in Richtung der Nachbargemeinde, vorgesehen. Dafür sind im Iphöfer Rathaus – Stand vergangene Woche – bereits 45 Bewerbungen eingegangen. An der Börse würde man sagen: Die noch nicht zugeteilte Aktie ist fast doppelt überzeichnet. Dabei hat der Bauausschuss bislang nicht viel mehr getan, als den förmlichen Aufstellungsbeschluss für das Gebiet gefasst. Bis dort die ersten Häuser entstehen könnten, dürfte es Ende 2019 werden, wie Petra Krist, Leiterin der Iphöfer Bauverwaltung, auf Anfrage sagt.

Mend kritisiert die Naturschützer

Was tun? Mend hat im Stadtrat quasi den Notstand ausgerufen. Man müsse sich nächstes Jahr „intensiv mit der Situation beschäftigen“. Er wehrt sich gegen Vorwürfe wie jenen des Bundes Naturschutz an zu hohem Flächenverbrauch der Kommunen. Das Ansinnen der Naturschützer sei ja ehrenwert, aber es würden „ohne Hintergrund“ Forderungen gestellt, die Städte und Gemeinden nicht erfüllen könnten, wenn sie wachsen und sich entwickeln wollten. Iphofen betreibe Stadtentwicklung im Innern, wo immer es möglich sei, um Ressourcen zu schonen. Nur: „Wir haben in der Altstadt kaum Leerstand.“ So sei die Stadt gezwungen, weiteres Bauland auf der grünen Wiese zu schaffen.

Dabei gibt es über die Stadt verteilt etwa 60 unbebaute Grundstücke in privater Hand, allein fast 38 in den Baugebieten Ost II und III. Aus Sicht der Stadt ist das totes, vergeudetes Land. Alle Versuche, es mit Leben zu füllen und dem dürstenden Markt zugänglich zu machen, sind bislang am Widerstand der Eigentümer gescheitert. Ein Baugebot wäre das letzte Mittel in dieser Schlacht: Es zwingt die Besitzer dazu, ihr Grundstück entweder selbst zu bebauen oder zu verkaufen und es so der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Bislang sind Bürgermeister und Stadtrat davor zurückgeschreckt, das bürokratische Monstrum zu zähmen, das sich in der Praxis noch dazu als ziemlich zahnlos erweist. Doch auch Mend hat die Option eines Baugebots noch nicht ganz aus den Augen verloren.

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