UNTERSAMBACH

Zeltlager wurde geräumt: Ruhe nach dem Sturm

Der Morgen danach: Diese Gruppe an Betreuern, aber auch die jungen Teilnehmer, waren am Morgen nach der Räumung des Zeltlagers entspannt. Die Nacht verbrachten sie im Not-Quartier im Untersambacher Gemeinschaftshaus. Foto: ANDREAS Stöckinger

Mittwoch, 7. August, gegen Mittag. Im kleinen, um diese Uhrzeit sonst eher ruhigen 300-Einwohner-Dörfchen Untersambach herrscht ungewöhnlich viel Betrieb. Rund um das Gemeinschaftshaus tummeln sich die 58 Kinder und Jugendlichen eines Zeltlagers der Katholischen Gemeinde St. Georg aus Stuttgart.

Zusammen mit 25 Betreuern campierten sie seit Samstag auf einer Wiese oberhalb von Untersambach – bis am späten Dienstagnachmittag ein heftiger Gewittersturm anrollte. Der Wind blies derart heftig, dass die 16 kleineren und drei größeren Versorgungszelte wegzufliegen drohten.

„Dann kam auf einmal der Wind, es ging ziemlich schnell.“
Antonia Elfinger, Zeltlager-Betreuerin

Die Kinder und Jugendlichen im Alter von acht bis 14 Jahren hatten sich zuvor die Zeit draußen vertrieben. „Dann kam auf einmal der Wind, es ging ziemlich schnell. Wir wussten, dass eine Unwetterwarnung bestand, hätten aber nicht geglaubt, dass es gleich so heftig wird. Als aber drei Zelte umgestürzt waren und am Boden lagen, hat unser Leiter des Lagers gleich einen Notruf abgesetzt“, schildert Antonia Elfinger, eine der Leiterinnen des Zeltlagers.

Die jungen Teilnehmer verschanzten sich zunächst in ihren Zelten und versuchten sie festzuhalten, damit sie nicht einstürzen. „Das war ganz schön anstrengend“, erzählt der zwölfjährige Johannes. „Wenig später hieß es, wir sollen schnell einen Pullover und feste Schuhe anziehen und aus den Zelten raus. Dann war schon die Feuerwehr da“, berichtet er zusammen mit seinen Freunden Quentin und Marc.

Die Helfer vom Roten Kreuz und von der Feuerwehr aus Wiesentheid brachten die Jugendlichen mit den Feuerwehrautos zum Gemeinschaftshaus, wo die Zeltlager-Teilnehmer geschützt und erst einmal im Trockenen waren. Ein wenig chaotisch seien die stürmischen Minuten am Zeltplatz schon gewesen, sagt Antonia Elfinger. Zum Glück verhielten sich die Kinder sehr diszipliniert, jeder suchte schnell das nötigste zusammen, und weg ging's von der Wiese. „Wir hatten totales Glück, dass niemand eine Zeltstange auf den Kopf bekam. Das Lagerfeuer konnten wir noch löschen. Es ist niemandem etwas passiert“.

Außer, dass mancher wohl etwas erschrocken sei. Das trifft etwa auf Zeltlager-Teilnehmerin Lea zu. Sie wird ihren zwölften Geburtstag, den sie gestern feierte, wohl nicht so schnell vergessen. Den kleinen Geburtstagskuchen, den es für sie gab, hat Lea gerade noch zu ihren Sachen gepackt, als der Zeltplatz geräumt werden musste. „Am Anfang wussten wir gar nicht, was jetzt passiert, wir fanden es lustig, zu sehen, wie der Sturm kommt“, erzählt sie.

Dass es dann so heftig wurde, habe sie und die anderen überrascht. Schnell musste alles gehen – schnell, schnell anziehen, es wurde hektischer. Lea bekam kurzzeitig Angst, weil sie nicht wusste, wo ihre ebenfalls im Zeltlager untergebrachte Schwester ist. Einige Tränen seien ihr über die Wangen gekullert, gibt sie zu.

Spätestens im Feuerwehrauto war für die meisten alles wieder gut. „Der Großteil fand es aufregend, mal im Feuerwehrauto mitfahren zu dürfen. Die Kinder haben aber wirklich gut auf uns gehört“, sagt die Betreuerin und ist zufrieden.

Um die Lager-Teilnehmer zu beruhigen und abzulenken, ließen sich die Betreuer im Gemeinschaftshaus ein Spiel einfallen. Das von den Helfern aus dem Zeltlager gebrachte Abendessen wurde kurzfristig in der Notunterkunft eingenommen. Als es am Abend dunkel war, unternahmen die Kinder mit ihren Betreuern noch einen Spaziergang durch den Ort, bis sie sich auf den Matratzen im Saal Schlafen legten.

Am Morgen danach räumte ein Teil der Betreuer am Zeltplatz auf, sie holten Teile des eilig zurück gelassenen Gepäcks der Kinder. Die anderen kümmerten sich um die Gruppe, die sich die Zeit am Gemeinschaftshaus vertrieb.

Von den Untersambachern schauten Feuerwehrkommandant Klaus Fischer und Alexander Finster nach dem Rechten. „Hat es geklappt mit dem Schlafen? Braucht ihr noch irgend was?“, fragte Fischer. Die Gäste aus dem Stuttgarter Raum sind angetan von der Hilfsbereitschaft. „Es ist unbezahlbar, wie uns hier geholfen wurde. Vielen Dank schon mal“, weiß Antonia Elfinger die Unterstützung zu würdigen.

Die Gruppe wird auch die Nacht zum Donnerstag im Gemeinschaftshaus verbringen, die letzten Tage bis zur Abreise am Samstag ist noch einmal Zelten vorgesehen. Dann aber hoffentlich ohne Sturm.

Stürmische Lage-Besprechung: Einsatzleiter Harald Erhard vom Kreisverband des Roten Kreuzes bespricht mit Helfern und den Betreuern des Zeltlagers bei Untersambach die Lage. Das Lager mit 58 Kindern aus dem Stuttgarter Raum musste am Dienstagabend wegen eines Gewittersturms geräumt werden.

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