GEESDORF

Zu Besuch bei Familie Kiebitz

Dem Kiebitz auf der Spur: Der Geesdorfer Erich Ruppert kümmert sich beispielhaft um Vögel. Dafür bekam er den Umweltpreis des Landkreises Kitzingen für 2017 verliehen.
Dem Kiebitz auf der Spur: Der Geesdorfer Erich Ruppert kümmert sich beispielhaft um Vögel. Dafür bekam er den Umweltpreis des Landkreises Kitzingen für 2017 verliehen. Foto: Andreas Stöckinger

Erich Ruppert hat neue Nachbarn. Seltene noch dazu, Kiebitze nämlich. Zwei Pärchen dieser seltenen Vogelart hat er neulich beobachtet, die nicht weit von seinem Haus in Geesdorf in der Flur leben. Das rief Ruppert, der 2017 mit dem Umweltpreis des Landkreises ausgezeichnet wurde, auf den Plan. Im April hatte er erst den hörbaren, später den sichtbaren Beweis, dass welche da sein müssen. Von da an schaute er regelmäßig nach den Vögeln. Der von Klein auf für Natur und Vögel begeisterte wollte wissen, ob die so rar gewordenen Kiebitze hier wirklich brüten.

Was bewegt Erich Ruppert, sich so sehr mit den Vögeln zu beschäftigen? Die Leidenschaft hat er von seinem Vater, der früher schon jede Menge Nistkästen um Geesdorf herum aufhängte und betreute. Irgendwie habe sich das Interesse weiter vererbt. Bereits letztes Jahr habe er, so Ruppert, beschlossen, dem Kiebitz zu helfen. „Er soll auch künftig bei uns brüten. Denn der Kiebitz begleitet mich seit meiner Kindheit, ich habe jedes Frühjahr auf diese Vögel gewartet. Sie waren für mich stets die Frühlingsboten.“

Überraschende Entdeckung

Diesen Frühling traf Ruppert die Kiebitze bei seinen Rundgängen regelmäßig an. Sie hatten tatsächlich Nachwuchs, denn Anfang Mai machte er zufällig eine überraschende Entdeckung. Er fand drei kleine Küken, die in einem Wassergraben, saßen, unfreiwillig anscheinend. Nachdem Ruppert bei Fachmann Robert Endres telefonisch um Rat gefragt hatte, holte er die kleinen Piepmätze behutsam aus dem Wasser. Die Altvögel saßen etwa 200 Meter weg und warteten. Die kleinen trotteten in ihre Richtung, die Eltern nahmen sie an. Alles wieder gut, freute sich auch Ruppert.

Das rief ihn auf den Plan, den Acker mit den seltenen Vögeln zu schützen. Also schilderte er dem dem Landwirt, der die Fläche bearbeitet, die Sache. Dieser zeigte sich sofort einsichtig, auch der zuständige Jäger, der dort sein Revier hat, gebot Vorsicht und Hilfe. Dazu stellte Ruppert ein Schild am Feldrand auf, um die Hundebesitzer zu sensibilisieren. Sie sollen ihre Vierbeiner dort bitte am der Leine lassen, steht darauf.

Verständnis ist da

Es fruchtete bei allen Beteiligten, was Ruppert freut. „Wenn die Leute wissen, um was es geht, dann bringen sie auch Verständnis auf.“ Nahezu jeden Tag schaut Erich Ruppert nach seinen Nachbarn. Oft ist er schon früh um 6 Uhr auf seiner Terrasse, um zu sehen und zu hören. Dazu führt er genau Buch über seine Beobachtungen mit den Vögeln, was sich tut.

Dieser Tage lud Ruppert zu einer kleinen Exkursion an dem Feld. Also machten wir uns zu zweit mit dem Traktor auf die Runde, Fernglas und Foto mit dabei. Es dauerte nicht lange, bis der Fachmann die Kiebitze aufspürte, die Alttiere jedenfalls. Sobald er den Traktor abstellte, entfernten sie sich ein Stückchen und schrien, um ihre Jungen zu warnen, die irgendwo auf dem Feld sein mussten. Das Nest der Bodenbrüter habe er noch nicht genau lokalisiert, was aber nicht so schlimm sei.

Voller Leidenschaft

Für Erich Ruppert ist es eine Passion, die Kiebitze zu beobachten, sie möglichst zu schützen. Seine Leidenschaft für die Vögel ist zu spüren. „Es wäre beinahe die Erfüllung meines Traumes, die Kleinen eines Tages fliegen zu sehen“, sagt er.

Allzu lange dürfte es nicht mehr dauern, bis sie so weit sind. Das macht dem Hobby-Ornithologen Hoffnung. Kiebitze kommen nämlich immer wieder an den Ort zurück, an dem sie geboren wurden.

Kiebitz

Der Kiebitz gehört zu der Familie der Regenpfeifer. Er brütet hauptsächlich in offenen, flachen Landschaften mit kurzem oder gar keinem Gras, auf Wiesen und Weiden, gerne an Gewässerrändern, auf Feuchtwiesen, Heiden und Mooren. Kiebitze brüten auch auf Feldern und Äckern. Der etwa taubengroße Vogel gilt als standorttreu und monogam.

Die Küken sind Nestflüchter, sie verlassen das Nest bereits wenige Stunden nach dem Schlupf. Dann werden sie bis zu fünf Wochen lang noch von den Eltern geführt, bis sie flügge werden.

Der früher bei uns weit verbreitete Vogel steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere in Bayern in der Kategorie zwei, stark gefährdet. Aktuell seien nur vier bis fünf Brutpärchen aktuell im Landkreis bekannt, teilte Fachmann Robert Endres vom Bund Naturschutz in Kitzingen mit.

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