KITZINGEN

Abitur 1947: Ein ganz besonderer Jahrgang

Gesellig: Jahr für Jahr treffen sich seit 1951 die Abiturienten des Abiturjahgangs 1946/1947. Es war der erste Abiturjahrgang in Kitzingen.
Foto: Ralf Weiskopf | Gesellig: Jahr für Jahr treffen sich seit 1951 die Abiturienten des Abiturjahgangs 1946/1947. Es war der erste Abiturjahrgang in Kitzingen.

Es ist eine vergnügliche Runde, die sich am Montag im Café Harmonie in Kitzingen versammelt hat. Knapp 20 Frauen und Männer, allesamt schon über 80 Jahre alt, blättern in Fotoalben und tauschen Erinnerungen aus. Sie haben vieles gemeinsam. Alle wurden sie im Jahr 1938 an der Oberschule für Jungs am Falterturm, beziehungsweise am Mädchenlyzeum am Kolosseum eingeschult und sie gehören zum ersten Schülerjahrgang, der 1947 in Kitzingen das Abitur ablegte.

Es sind bewegte Zeiten, die den ehemaligen Abiturienten bis an ihr Lebensende in Erinnerung bleiben werden. Ein Jahr nach der Einschulung beginnt der Zweite Weltkrieg, ein Jahr davor brannten in Deutschland und auch in Kitzingen die Synagogen. 1943 und 1944 werden die Jungs der Jahrgänge 1926, 1927 und 1928, damals kaum 16 Jahre alt, als Flakhelfer an die schweren 8/8-Geschütze nach Schweinfurt eingezogen.

„Auf einem Gartenstuhl sitzend, habe ich mein Abi geschrieben.“

Rudolf Schardt ehemaliger Kitzinger OB

Nach dem Kriegsende werden die Schüler notdürftig in der damaligen Volksschule in Schrannenstraße unterrichtet, da die Schule am Falterturm beim Angriff am 23. Februar total zerstört wurde, erinnert sich der heute 83-jährige Franz Dülk. Nicht alle Schüler kehrten nach dem Kriegsende nach Kitzingen zurück, manche verschlug es in andere Städte, andere mussten beim Wiederaufbau der elterlichen Betriebe mithelfen, einige waren in Kriegsgefangenschaft geraten, oder wollten nach den Erlebnissen des Krieges nicht mehr die Schulbank drücken. Dafür kamen von anderen Schulen einige neue Gesichter dazu. Elf Mädchen und 28 Jungs machen im Jahr 1947 schließlich in Kitzingen ihr Abitur. Einer von ihnen ist der ehemalige Kitzinger Oberbürgermeister Rudolf Schardt. „Auf einem Gartenstuhl sitzend, habe ich mein Abi geschrieben“ erinnert er sich.

Diese Schulzeit und die gemeinsamen Kriegserlebnisse haben die ehemaligen Schüler zusammengeschweißt. So sehr, dass sie sich 1951 erstmals bei einem Klassentreffen wieder sehen, dem 1962 und 1975 weitere folgen. Seither trifft sich der Abiturjahrgang 1947 jedes Jahr. 33 Jahre lang hatte der damalige Mitschüler Fritz Fickentscher von seinem Wohnort Bayrisch Gmain aus die Klassentreffen organisiert, erinnert sich Dülk. Fickentscher war aber nicht nur Organisator, sondern auch Chronist des Abiturjahrgangs. Akribisch hat er aufgeschrieben, was die Teilnehmer Jahr für Jahr bei den Treffen unternahmen, denn stets standen Ausflüge, Kulturprogramme, oder Besichtigungen auf dem Programm. Bilder der Treffen aber auch aus der gemeinsamen Schulzeit füllen zahlreiche Fotoalben. Gemeinsam mit Dülk veröffentlichte Fickentscher 1993 auch die Dokumentation „Feuerglocke“, in der speziell auf die Schicksale von Kitzinger und Würzburger Schülern Bezug genommen wird, die als Flakhelfer eingesetzt worden waren.

Fickentscher starb im Januar 2011 und seither organisiert der in Berlin lebende Paul Sattes die Klassentreffen. Auch wenn der Kreis inzwischen kleiner geworden ist, an ihrer Tradition wollen die Abiturienten festhalten, bekräftigen Schardt und Dülk. „Aus uns allen ist etwas geworden“, berichten sie voller Stolz. Es sind Rechtsanwälte, Forstdirektoren und Lehrerinnen darunter. Die weiteste Anreise hat jedes Mal Friedel Krause. Der war Chefarzt in Lauenstein und später in Istanbul. Krause lebt noch heute am Bosporus und berät nach wie vor medizinische Unternehmen. Einmal im Jahr nach Kitzingen zum Klassentreffen zu kommen, das lässt er sich nicht nehmen. Für das Treffen am Montag hatten sie sich übrigens die Leiterin des Armin-Knab-Gymnasiums Kitzingen Margit Hoffmann eingeladen, damit auch sie die ersten Kitzinger Abiturienten einmal kennenlernt.

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