Kitzingen

Antwort auf den Samstagsbrief: Schweißtreibendes Frisieren

Vergangene Woche ging unser Samstagsbrief an Friseur-Obermeisterin Monika Henneberger, die wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen nun unter besonderen Bedingungen arbeiten.
Obermeisterin Monika Henneberger in ihrem Friseursalon
Obermeisterin Monika Henneberger in ihrem Friseursalon Foto: Daniela Röllinger

Lieber Herr Haug-Peichl,

heute, nach zwei Tagen anstrengender Friseurdienstleistung meinerseits und meiner Mitarbeiter möchte ich Ihnen auf Ihren Samstagsbrief gerne antworten. Ja, wir sind alle froh, unsere Kunden wieder aufhübschen zu dürfen, und würden uns schon mittlerweile als systemrelevant einstufen.

  • Lesen Sie hier unseren Samstagsbrief an Frau Henneberger.

Die Menschen fühlen sich doch sichtlich wohler, wenn aus den Spiegeln wieder glücklichere Gesichter herausschau'n, weil die Frisur wieder sitzt, oder der Haarschnitt wieder ordentlich ausschaut. Selbst, bei schütter gewordener Haarpracht, wie Sie Ihr Haupthaar beschreiben, ist das wichtig.

Sie schrieben mir, Sie hätten früher Ihre Haare immer selbst geschnitten, das mag wohl der damaligen Mode entsprochen haben. Aber jetzt haben wir andere Zeiten; ich würde sagen, die Haarschnitte sind überwiegend anspruchsvoller geworden.

Um dem Ansturm nach gut sechs Wochen Zwangsschließung gerecht zu werden, ist von uns Friseuren voller Einsatz gefordert. Der Montag bietet sich an zu öffnen, selbst wenn das überwiegend unser "heiliger" Montag ist. Den Montag offen zu halten, das hatten auch vor Corona einige Innungskollegen und auch ich selbst ausprobiert. Es hatte sich aber herausgestellt, das sich das Ganze nicht wirklich rechnete. Die Mitarbeiter wurden dementsprechend eingeteilt. Bei 39 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit, fehlten die Mitarbeiter dann an den gut frequentierten Freitagen und Samstagen. Bei uns in der ländlichen Region ist es doch so, dass die Feste und Events an den Wochenenden stattfinden; und so ist es für viele weiblichen Kunden schön, neu gestylt zu erscheinen. Mag in den größeren Städten anders sein, wo sich ein Laden am anderen befindet, und eben der Friseur auch an den Montagen offen hält. Ich werde meinen freien Montag nach dem Ansturm wieder halten, schließlich ist man auch Mensch, und hat Familie und es gibt viele Dinge, die man außer dem "Friseursein" noch zu erledigen hat.

Ich muss sagen, mit dem "Corona- Schneiden", wobei unsere Kunden eine Maske tragen, komme ich recht gut klar. Vorne lang, hinten lang (wie Sie schreiben) ist nicht. Auch die Ohren bleiben heile, die Kunden halten die Bändelchen der Maske fest. So kann der Haarschnitt absolut exakt geschnitten werden. Auch müssen die Kunden keine Angst haben, dass Haarfarbe am Ohr ausbleibt, wir handeln das alles zusammen tapfer und professionell.

Sie schreiben noch von "Haare waschen mit dem übrigen Kaffee oder Mineralwasser". Ich habe es noch nicht probiert. Wobei Koffein den Haarwuchs durchaus fördert! Ob dann das Haar aber nach der Wäsche auch gut von Farbe befreit ist oder beim Fönen strähnig wird? Das müsste man seh'n. Da greife ich doch lieber zu den außerordentlich guten Mittelchen, die wir in unserem Salon benutzen... Sie wissen ja, die besten Produkte kauft man beim Fachmann!

Zu gut frisierten Mitmenschen in der friseurgeschlossenen Corona-Zeit, kann ich nur sagen: Eventuell waren es Familienangehörige von Friseuren. Die hatten natürlich eine Sonderstellung. Wenn es Leute waren, die sich verbotenerweise schneiden und behandeln ließen, wäre das unfair und gemein. Uns, die unsere Salons öffentlich und seriös betreiben, dem Fiskus die Steuern zahlen, waren die Hände gebunden. Und da gibt es doch tatsächlich "Schwarzarbeiter" und deren Kunden, die sich nicht an das Kontaktverbot gehalten haben. Das ist sehr bedauernswert und unfair.

Ins Schwitzen kommen wir, durch die Maskenpflicht schon. Zehn Stunden am Tag, so ist es bei mir im Moment, ohne viel Pause. Es ist schweißtreibend. Ob es gesund ist, ist auch noch die Frage. Ein Kunde, der medizinisch arbeitete, meinte, es ist gar nicht gut, den eigenen Ausstoß beim Atmen wieder einzuatmen.

Soweit zur Situation im Moment... auf ins Freie am Sonntag und viel Sauerstoff bunkern, um am Montag im Salon wieder fit zu sein. Und herzlichen Dank für Ihren Applaus an die Friseure.

Mit gemischten Gefühlen herzlich

Monika Henneberger, Obermeisterin der Friseurinnung Kitzingen

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