Kitzingen

Aus dem Gericht: Dieseldieb tappt in Wildkamerafalle

Wenn er kein Geld zum Tanken hatte, zapfte ein Mann auf einer Deponie Baufahrzeuge an – bis sich der Deponie-Besitzer etwas einfallen ließ.
Um Diebstahl ging es vor dem Kitzinger Amtsgericht (Symbolbild).
Foto: Oliver Berg | Um Diebstahl ging es vor dem Kitzinger Amtsgericht (Symbolbild).

Sechsmal hat sich ein 57-Jähriger auf einer privaten Bauschuttdeponie im Landkreis Kitzingen bedient und insgesamt rund  600 Liter Dieselkraftstoff aus den Tanks von abgestellten Baumaschinen gezapft. Dann ist der selbstständige Baudienstleister in eine Fotofalle getappt. Jetzt wurde der Mann zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten verurteilt.

Für die sechs Diebstähle "in einem besonders schweren Fall" hielt Amtsgerichtsdirektorin Helga Müller die von der Staatsanwaltschaft geforderte Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten für tat- und schuldangemessen. Der Mann ist zweimal einschlägig wegen Diebstahls vorbestraft, weil es aber die erste Freiheitsstrafe ist und er zudem nach Einschätzung der Anklagevertreterin ein "wenn auch zögerliches Geständnis" abgelegt hat, kam er mit Bewährung davon.

Kanister standen im Kofferraum

Nach dem Geständnis und der Beweisaufnahme stand fest: Der Mann ist 2018 zweimal und 2020 innerhalb eines Monats viermal durch ein Loch im Zaun in eine Bauschuttdeponie eingedrungen. Dort hat er nicht nur gebührenfrei Bauschutt entsorgt, der bei seinen Renovierungsarbeiten angefallen war. Er hat die späten Abendstunden dazu genutzt, aus Baufahrzeugen Diesel abzuzapfen. Das Gericht ging am Ende von jeweils rund 100 Litern Diesel aus, die der Mann in acht Kanistern abtransportiert hat. "Ich habe das immer gemacht, wenn ich kein Geld zum Tanken hatte", sagte er dem Gericht. Wie oft das war, daran wollte oder konnte er sich nicht erinnern. Die Anklage ging von mindestens sechsmal aus.

Aufgeflogen ist die Sache im Mai 2020. Nachdem die am Abend voll gefüllten Tanks der Deponiefahrzeuge immer wieder am Morgen mehr oder weniger geleert waren, installierte der Betreiber der Anlage eine Wildkamera an der Stelle, an der ein Loch in den Zaun geschnitten worden war. Es dauerte nicht lange, bis die Kamera Live-Bilder auf das Smartphone des Betreibers schickte. Zu sehen war ein Mann, der sich Zugang zu dem Gelände verschaffte.

500 Euro für das Tierheim

Dann ging es flott. Die Polizei war schnell vor Ort, traf zwar den Dieb nicht an, fand dafür aber sein Auto. Vier Kanister standen im Kofferraum, vier waren schon auf das Gelände gebracht worden. Wenig später wurde der Fahrzeughalter vorläufig festgenommen. Nach einer Hausdurchschuchung, bei der weitere Kanister gefunden wurden, räumte er die Diebstähle ein. Das reichte für eine Anklage und für die Verurteilung zu der Bewährungsstrafe.

Die Bewährung dauert drei Jahre. Der Mann bekommt einen Bewährungshelfer und muss als Auflage 500 Euro ans Kitzingen Tierheim zahlen. Die relativ niedrige Summe ist den mageren Einnahmen des Mannes angepasst, dem sein Gewerbe auf dem Bau nach eigenen Angaben rund 15 000 Euro im Jahr bringt.

Bemerkung am Rande: Eine Woche nach der Festnahme des Mannes wurde wieder ein Tank eines Radladers in der Nähe des Geländes geleert. Eine entsprechende Frage der Richterin beantwortete der Mann ziemlich überzeugend mit: "Nein, das war ich nicht."

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