Kitzingen

Ausgefallene Faschingsferien: Die Schulfamilie ist urlaubsreif

KINA - Lüften ist besser als filtern       -  „Herzlich Willkommen zurück! Wie schön, dass ihr wieder da seid!“ steht an einer Tür eines Klassenzimmers. Am Montag öffnen auch im Landkreis Kitzingen wieder die ersten Schulen für den Wechselunterricht.
Foto: dpa | „Herzlich Willkommen zurück! Wie schön, dass ihr wieder da seid!“ steht an einer Tür eines Klassenzimmers. Am Montag öffnen auch im Landkreis Kitzingen wieder die ersten Schulen für den Wechselunterricht.

In diesem Jahr ist alles anders. Aber ist es deshalb besser? Kurz vor Weihnachten hatte das Kultusministerium beschlossen, die Faschingsferien ausfallen zu lassen. Jetzt gehen Schüler, Eltern und Lehrer vielerorts auf dem Zahnfleisch. Aber ausruhen ist nicht – zumindest wenn es nach Minister Michael Piazolo geht. Er hatte laut verschiedenen Medienberichten mit der Schulaufsicht gedroht, falls in der Faschingswoche „Larifari“ betrieben werde.

„Das hat etwas mit Anerkennung zu tun“, sagt Jörg Nellen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Eine Anerkennung, die ihm von Seiten des Kultusministeriums fehlt. Schüler, Eltern und nicht zuletzt die Lehrer hätten eine Pause mehr als verdient gehabt. „Die arbeiten sich alle einen Wolf“, sagt Nellen. Das Streichen der Faschingsferien sei bei vielen Kollegen als verletzende Unterstellung angekommen nach dem Motto: Wir brauchen eine extra Woche Unterricht, weil ihr nicht gut genug gearbeitet habt.

„Luft holen wäre jetzt gut gewesen.
Jörg Nellen, GEW-Unterfranken

Dabei sei der Distanz-Unterricht alles andere als leicht zu organisieren gewesen. „Auch deshalb, weil viele Schulen immer noch nicht ausreichend für digitalen Unterricht ausgestattet sind“, erinnert Nellen. Von der Lernplattform Mebis mit ihren Schwierigkeiten gar nicht zu sprechen.

Mit etlichen Fortbildungen haben die Kollegen auf die immer neuen Vorschriften reagiert. „Luft holen wäre jetzt gut gewesen“, sagt Nellen – zumal bis zum Ende des Schuljahres viel Arbeit mit Proben und Prüfungen ansteht. Die Schüler sitzen jetzt schon stundenlang vor ihren Endgeräten, erinnert er.

„Die Kinder, die Eltern und die Lehrkräfte sind durch“, beschreibt eine Schulleiterin, die anonym bleiben will, die Situation.

Für alle sei die Situation sehr anstrengend, Ferien seien bitter nötig gewesen. „Zumal keiner weiß, was in den nächsten Wochen auf uns zukommt.“ Einige Eltern hätten im Vorfeld bei den Lehrkräften angefragt, ob es Erleichterungen und Lernpausen in der Faschingswoche geben könne. Die sind laut Kultusministerium aber nicht vorgesehen. Kultusminister Michael Piazolo verteidigte die Entscheidung jüngst beim politischen Aschermittwoch der Freien Wähler in Deggendorf. Die Woche Unterricht sei nötig, um Unterrichtslücken aufzufangen.

Einige wenige Eltern scheinen das ausdrücklich zu begrüßen. Zwei Beschwerden seien Anfang der Woche im Schulamt eingelaufen, berichtet Florian Viering. Der Unterricht für ihre Kinder habe zu sehr Freiwilligkeitscharakter, so die Klage. „Wenn solche Beschwerden kommen, dann gehen wir ihnen nach“, sagt der Rektor im Schulamt. Grundsätzlich hätten die Schulleiter aber die pädagogische Freiheit, Schwerpunkte zu setzen. Der Distanzunterricht und die Notbetreuung seien in dieser Woche jedenfalls sicher zu stellen gewesen.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Lehrer.“
Lehrerin über Piazolos Drohung mit der Schulaufsicht

Viering macht sich mehr Sorgen um die kommenden Wochen. Dass der Wechselunterricht wieder losgeht, sei grundsätzlich begrüßenswert. Aber wie die Notbetreuung funktionieren soll, sei noch offen. In den allermeisten Schulen fehlten sowohl Räume als auch Personal. Den Schulleitern bleibe es überlassen, die Form des Wechselunterrichtes zu organisieren. Die meisten favorisieren derzeit einen tageweisen Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Arbeiten daheim. „Auch wenn das für arbeitende Eltern schwer zu organisieren ist“, weiß Viering. Bei einem wochenweisen Wechsel bestehe allerdings die Gefahr, dass bei einigen Schülern so etwas wie ein Feriengefühl aufkommt, wenn sie daheim sind.

Heike Müller (Name geändert) ist froh, dass sie ihre 9. Klasse ab Montag wieder sehen kann – zumindest die Hälfte von ihnen. Die anderen 13 Schüler werden von einem Kollegen übernommen. In ihrer Mittelschule haben sie sowohl die nötigen Räume, als auch das Personal. Das ist nicht überall der Fall, wie Jörg Nellen bestätigt. So viel Freiraum wie möglich wünscht sich die Mittelschullehrerin. Dass in der kommenden Woche erst mal keine Proben angesetzt sind, sei erfreulich. In den letzten Wochen hätten alle Beteiligten schließlich genug geleistet. Vor allem die Schüler, die mittlerweile „distanzmüde“ seien. Über viele Wochen hinweg sei es für die Jugendlichen schwer, sich immer wieder neu zum selbstständigen Arbeiten zu motivieren. Auch für die Lehrer sei der Distanzunterricht viel Kräfte zehrender als der Präsenzunterricht. Die Inhalte seien nicht so leicht zu vermitteln, die Vorbereitung verschlinge viel mehr Zeit und es fehle der schnelle und direkte Kontakt zu den Schülern. Dass Minister Piazolo mit der Schulaufsicht gedroht haben soll, falls sich manche Schulen auf einen Unterricht „light“ einigen, bezeichnet sie deshalb auch als „Schlag ins Gesicht aller Lehrer.“

Die Schulleiterin, die anonym bleiben möchte, ist wegen der wiederholt späten Anweisungen aus München hörbar frustriert. Nicht nur die Lehrer, auch die Eltern fühlten sich mittlerweile nicht mehr ernst genommen vom Kultusministerium. Aus der angekündigten – und notwendigen – Vorbereitungszeit von einer Woche wurden wieder einmal ganz schnell nur drei Schultage. „Plus Wochenende natürlich.“

Die GEW hat ihre Mitglieder angesichts der zeitlichen Herausforderungen dazu aufgerufen, diese Woche als Mehrarbeit beim Arbeitgeber einzureichen. „Vom Kultusministerium haben wir dafür einen Shitstorm geerntet“, berichtet Jörg Nellen. Besonders geschockt klingt er nicht.

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