Kitzingen

Bericht ja, Rücknahme nein

Streitfall: Die CSU will die Debatte um den Umzug des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen möglichst schnell beenden.
Foto: Ivana Biscan | Streitfall: Die CSU will die Debatte um den Umzug des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen möglichst schnell beenden.

Die CSU-Staatsregierung soll dem Landtag ausführlich und „zeitnah“ erklären, welche Gründe zu dem umstrittenen Verlagerungsbeschluss für das Staatsarchiv von Würzburg nach Kitzingen geführt haben. Das beschloss der Hochschulausschuss am Mittwoch mit den Stimmen aller Fraktionen.

„Ich würde mich schon freuen, wenn der Heimatminister selbst käme“, sagte der Würzburger SPD-Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal, der den Rapport im Parlament beantragt hatte. Schließlich sei es Markus Söder höchstpersönlich gewesen, der den viel kritisierten Umzug des Archivs im Zuge seiner „Heimatstrategie“ zu verantworten habe.

Rosenthal stört besonders, dass inhaltliche Argumente gegen den Umzug bislang in München kaum wahrgenommen werden. Zwar sei auch den CSU-Verantwortlichen in der Region inzwischen klar, „dass das keine glückliche Entscheidung ist“, glaubt der Würzburger Ex-OB: „Weil aber ein Gesichtsverlust für Söder droht, gibt es keine Rücknahme.“

„Alle hatten etwas, nur Kitzingen hatte nichts.“
Georg Rosenthal, SPD-Landtagsabgeordneter

Auch Kritik oder Protestbriefe von Experten oder hochrangigen Persönlichkeiten liefen deshalb ins Leere, schimpft Rosenthal: „Denn dagegen steht ein Minister, der einräumen müsste, nicht so gut informiert gewesen zu sein, wie es notwendig gewesen wäre.“ Gegen die Verlagerung hatten sich in den letzten Monaten viele renommierte Wissenschaftler und Archivare, aber etwa auch der Würzburger Bischof ausgesprochen.

Rosenthal bekräftigte seine Kritik, dass der Umzug nur deshalb beschlossen worden sei, weil Kitzingen bei der Behördenverlagerung leer auszugehen drohte: „Alle hatten etwas, nur Kitzingen hatte nichts.“

Dafür solle nun aber ein funktionierender Forschungsverbund in Würzburg leichtfertig gesprengt werden. Dass dies gar Teil einer „Heimatstrategie“ zur Stärkung der Region sein solle, sei „fast ein Treppenwitz der Geschichte“, findet Rosenthal: Denn der Umzug fuße auf Geschichtsvergessenheit und schade der ganzen Region Mainfranken.

„Die Staatsregierung hat diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen“, beteuert dagegen der CSU-Abgeordnete Otto Hünnerkopf. Ziel sei die Zusammenlegung der in der Festung Marienberg und in der Residenz aufbewahrten Archivbestände an einem Ort: „Und dabei ist die außergewöhnliche Nähe von Würzburg und Kitzingen ein Aspekt“, findet Hünnerkopf. Die benachbarte Kreisstadt sei schließlich fast ein Würzburger Vorort: Vom Stadtzentrum nach Kitzingen brauche man jedenfalls kaum länger als etwa zum Uni-Campus am Hubland. Auch parken könne man in Kitzingen problemlos.

Dass der ursprüngliche Plan, leerstehende Ex-Kasernengebäude in Kitzingen zu nutzen, wohl nicht aufgeht, sieht Hünnerkopf nicht als Nachteil: „Egal, wo der Standort wäre, es muss etwas Neues geschaffen werden.“ Doch der „Spielraum für Neues“ etwa am Hubland sei im Gegensatz zu Kitzingen „eng“.

„Offene Wunden muss man sofort schließen.“
Thomas Goppel, Ex-Wissenschaftsminister

Er sei deshalb „überzeugt, dass die Staatsregierung zu ihrer Entscheidung stehen wird“, sagte Hünnerkopf. Minister Söder hatte bereits Anfang September bei einem Ortstermin in Kitzingen eine Rücknahme seiner Pläne ausgeschlossen.

Auch die CSU-Mehrheit im Landtag scheint wenig geneigt, das Söder-Paket zur Behördenverlagerung wegen des Staatsarchivs noch einmal aufschnüren zu wollen. So fand am Mittwoch auch eine von mehr als 650 Archivbenutzern und Archivaren unterstützte Petition gegen die Verlagerung im Landtagsausschuss keine Mehrheit. In der CSU hofft man nun offenbar, mit einem schnellen Bericht der Staatsregierung die leidige Debatte beenden zu können: „Offene Wunden“, erklärte der Ex-Wissenschaftsminister Thomas Goppel, „muss man sofort schließen.

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