KITZINGEN

Besuch beim Friseur: Wenn es Hunden ans Fell geht

Deutlicher Aderlass: Nach drei Monaten wird Rockys Fell von Christine Paulus kräftig gekürzt.
Deutlicher Aderlass: Nach drei Monaten wird Rockys Fell von Christine Paulus kräftig gekürzt. Foto: Alexander Rausch

Aufgeregt hechelnd sitzt Havaneser-Rüde Toni auf dem Frisiertisch. Gerade hat ihm Christine Paulus, Inhaberin des Hundesalons Schnipp Schnapp, das Fell gestutzt. Stolz präsentiert er die neue Frisur kurz darauf auch seinem Frauchen Ruth Scheller, die ihren Liebling abholt. „Jetzt sieht er wieder gepflegt und ordentlich aus“, freut sich die Iphöferin. Seit sechseinhalb Jahren bringt sie ihren Toni im Acht-Wochen-Rhythmus schon zu Christine Paulus. Das habe sich bewährt. Nur im vergangenen Jahr, als sie beruflich im Ausland war, musste sie sich notgedrungen einen anderen Friseur suchen.

Auch Fredy Reich, der kurz nach Ruth Scheller mit seinem Havaneser-Mix-Rüden Rocky den Laden betritt, gehört zu Paulus Stammkunden. „Ich habe eigentlich nur noch Stammkunden und nehme nur noch in Ausnahmefällen neue Kunden auf“, sagt die Friseurin. Das liege daran, dass sie aus familiären Gründen nur viermal die Woche vormittags Termine annehme. Nur wenn Kunden wegziehen oder Tiere sterben, werden Kapazitäten frei.

Reich bringt seinen Rüden alle drei Monate zum Fell schneiden: „Es ist sehr warm im Sommer. Momentan legt er sich immer auf die kalten Treppenstufen, um sich abzukühlen. Zudem verkleben die dünnen Haare sehr leicht. Daher lässt er sich momentan sehr beschwerlich kämmen.“ Das ändert Paulus nun und nimmt den kleinen Hund freudig in Empfang.

Seit mittlerweile zehn Jahren führt sie den Salon in der Kitzinger Siedlung. Die Leidenschaft ist immer noch so groß wie bei der Eröffnung. „Ich hatte schon immer Tiere, egal ob Hunde, Katzen oder Pferde. Tiere haben mir schon immer sehr viel gegeben und das ist auch heute noch so“, erzählt Paulus mit einem Funkeln in den Augen.

Dabei hatte die Kitzingerin eigentlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen und eine Maschinenschlosser-Lehre abgeschlossen, ehe sie ein dreijähriger Amerika-Aufenthalt im sprichwörtlichen Sinne aber auf den Hund brachte. „Ich arbeitete dort in einer Tierklinik und der Tierarzt hatte einen Hundefriseur. Da habe ich mir gedacht, dass ich das auch machen möchte, wenn die Kinder aus dem Haus sind“, sagt Paulus, die dann in Deutschland in einem Hundesalon die Ausbildung absolvierte und seither regelmäßig Weiterbildungen und Seminare besucht. Schließlich hätten alle Rassen ihre Eigenheiten. Es gibt Unterwollhunde wie Schäferhunde und Golden Retriever, bei denen die Unterwolle geschnitten wird, damit sie nicht überhitzen. Bei nicht haarenden Tiere wie Bolonka Zwetna, Pudel oder Havaneser-Mix, wie Rocky einer ist, muss das stetig wachsende Fell geschnitten werden, erklärt Paulus, während sie dem Rüden die Wolle kürzt. Der Hund sitzt nämlich geduldig auf dem Frisiertisch und bewegt sich kaum.

„Möpse lassen sich nicht gerne die Nägel schneiden.“
Christine Paulus, Hundefriseurin

Allerdings machen ihr es nicht alle Tiere so leicht wie Rocky, der sich auch beim darauffolgenden Bad sehr kooperativ zeigt. „Bei manchen Hunden ist das schon Knochenarbeit, wenn das Tier nicht mitarbeitet. Kürzlich hatte ich einen Yorkshire-Terrier, der völlig eskaliert ist. Er wollte sich nicht anfassen lassen“, berichtet Paulus und zeigt die Biss- und Kratzspuren. „Möpse lassen sich nicht gerne die Nägel schneiden.“ Manchmal bekämen die Vierbeiner auch einen Maulkorb. Auch hatte sie schon Tiere, die sie nicht unter Kontrolle gebracht habe. Das wären aber Hunde gewesen, die auch die Besitzer nicht beherrscht hätten. Das sei jedoch die Ausnahme, meint sie und schäumt Rocky in der Waschwanne richtig ein.

Zweimal werden die Tiere in der Regel gewaschen, damit sie richtig sauber sind. Auch unterschiedliche Shampoos verwendet Paulus. Schließlich habe jedes Fell andere Eigenschaften. „Wenn ich ihn ordentlich schneiden möchte, muss ich ihn dementsprechend reinigen. Sonst gehen die Werkzeuge oder auch die Schneidemaschinen kaputt“. Bevor diese jedoch abschließend zum Einsatz kommen, wird Rocky kräftig mit einem Hochleistungstrockner geföhnt. Auch unangenehme Momente muss der Rüde dabei überstehen, ungehalten wird es dabei aber nicht.

„Das ist wie bei Kindern. Eine gewisse Konsequenz ist notwendig. Ich strahle eine natürliche Autorität dem Hund gegenüber aus. Dann weiß das Tier, dass ich das Sagen habe, fühlt sich aber dennoch wohl“, glaubt Paulus, die hierbei vor allem von ihren Erfahrungen in Amerika profitiert. Eine gewisse Kenntnis über die Anatomie des Hundes ist aus ihrer Sicht unerlässlich und packt Rocky ein letztes Mal sanft am Schlafittchen, um ihm die Haare unterhalb der Augen und der Nase zu stutzen. Dann ist der Havaneser-Mix-Rüde nach rund einer Stunde fertig und stürmt ebenso wie Toni zuvor euphorisch seinem Herrchen in die Arme.

Hundefriseurin Christine Paulus mit dem frisch geschnittenen Havaneser-Rüden Toni.
Hundefriseurin Christine Paulus mit dem frisch geschnittenen Havaneser-Rüden Toni.
Schnipp, schnapp, Nasenhaare ab: Vorsichtig entfernt Christine Paulus das Fell an sensiblen Stellen.
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Bevor es an die Detailarbeit geht, wird Rocky natürlich gewaschen.
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Die ersten Haare fallen: Christine Paulus geht Havaneser-Mix-Rüde Rocky ans Fell.
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