Kitzingen

Bürgerzentrum fassungslos über Kündigung

Wegen geringer Erfolgsaussichten hat die Stadt Kitzingen die Kaufverhandlungen für das leer stehende Bareiss-Gebäude als neue Heimat für das Bürgerzentrum eingestellt.
Foto: ArchivGerhard Bauer | Wegen geringer Erfolgsaussichten hat die Stadt Kitzingen die Kaufverhandlungen für das leer stehende Bareiss-Gebäude als neue Heimat für das Bürgerzentrum eingestellt.

Die Stadt Kitzingen hat den Gestattungsvertrag mit dem Verein Bürgerzentrum (BZ) Kitzingen zum 31. Juli 2018 gekündigt, um über das Gebäude für ein bevorstehendes Hotelprojekt verfügen zu können.

In außerordentlichen Versammlungen machten die Mitglieder der Stadt gegenüber mehrfach deutlich, dass diese nach dem gültigen Gestattungsvertrag zuerst ein neues Domizil für das BZ suchen müsse. Der Auszug aus dem Gebäude wurde an die Bedingung geknüpft, dass zeitgleich ein „in Größe und Lage gleichwertiger Ersatz“ zur Verfügung gestellt werde.

Verhandlungen mit Bareiss gescheitert

In einem Brief an das BZ ließ Oberbürgermeister Siegfried Müller nun wissen, dass der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung die Einstellung der Verhandlungen mit dem Eigentümer Bareiss wegen Vermietung oder Verkauf eines Gebäudes in der Schrannenstraße wegen mangelnder Erfolgsaussichten eingestellt habe, obwohl es den Vorstellungen des BZ entsprochen hätte.

OB Müller äußerte in dem Brief die Überzeugung, dass die Mitgliedsvereine im BZ auch anderenorts geeignete Flächen finden könnten. Namens der Stadt und des Stadtrates sprach er dem BZ für die in einem Vierteljahrhundert geleistete soziokulturelle Arbeit seinen Dank aus. Die Nutzung des Gebäudes werde noch bis Ende 2018 eingeräumt und weitere Unterstützung bei der Suche nach Räumen zugesichert.

Offener Brief an den OB

In einer außerordentlichen BZ-Mitgliederversammlung am Freitag wurde einstimmig ein offener Brief an die Stadt beschlossen. Darin bekundet das BZ seine Betroffenheit darüber, dass sich die Stadt an ihre Versprechungen nicht mehr gebunden sehe. Fassungslosigkeit herrsche über diesen „Wortbruch“ sowie Enttäuschung darüber, dass Lob- und Dankesreden zum 25-jährigen BZ-Jubiläum vor zwei Jahren über den ehrenamtlichen Einsatz des Vereins offenbar nur Worthülsen gewesen seien. „Der Schlag sitzt umso tiefer, da wir durch die Gründung des teuren und mit bezahltem Personal betriebenen Stadtteilzentrums in der Siedlung nach unserem Vorbild eigentlich überzeugt waren, dass Soziokultur nach langer Überzeugungsarbeit nun endlich geschätzt wird“, heißt es wörtlich im Schreiben an den Oberbürgermeister.

Das BZ schreibt weiter, dass es davon ausgehe, dass der am 23. Januar 1992 unter OB Erwin Rumpel gefasste Grundsatzbeschluss noch gültig sei. Dort steht nachzulesen, dass die Stadt den Verein als Dachverband Kitzinger Vereine unter Zurverfügungstellung eines Gebäudes beauftrage, ein soziokulturelles Zentrum in Kitzingen ehrenamtlich zu betreiben.

Wird das BZ klagen?

Diesen Auftrag habe das BZ sehr ernst genommen und in 27 Jahren nicht nur durchschnittlich 20 Vereine mit bis zu 800 Mitgliedern verwaltet, sondern auch eine Bürgerstube mit 35 ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben und zahllose Veranstaltungen angeboten. Bei einem Besuch habe Regierungspräsident Paul Beinhofer geäußert, jede Stadt sollte ein solch schönes Bürgerzentrum haben. Im Weiteren unterstreicht das BZ die Auffassung von vier Kitzinger Traditionshotelbetrieben, dass in der Innenstadt kein weiteres Hotel benötigt werde, zumal im Richthofen-Circle derzeit ein neues mit 28 Betten entstehe.

Mitglieder bezeichneten eine von der Stadt überlassene Liste mit Unterkunftsmöglichkeiten für Vereine als „Müllliste“. So sei zum Beispiel die Unterbringung der Volkstanzgruppe in den Räumen des Kraftsportvereins (KSV) ein Unding, denn der KSV sei selbst auf Raumsuche.

Auch wie früher in Nebenzimmern von Gaststätten zu tagen, entspreche nicht den Vorstellungen des BZ. Dies habe vor über 30 Jahren zur Gründung der Interessengemeinschaft raumsuchender Vereine geführt, woraufhin sich schließlich das BZ entwickelte.

So beschloss die Versammlung, den Brief an den OB zu verfassen und gleichzeitig die Vorschläge der Stadt abzulehnen. Ebenfalls ohne Gegenstimmen wurde der Vorstand befugt, sich juristischen Beistand zu suchen. Die Finanzierung erfolgt aus Rücklagen, die eigentlich anderweitig eingesetzt werden sollten.

Unterschriftensammlung

Weiter wurde der Vorstand beauftragt, die Bevölkerung in Form einer Unterschriftensammlung auf dem Marktplatz einzubeziehen. An einem Aktionstag soll dazu ein Informationsstand betrieben werden.

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