Hüttenheim

Orgel in der Hüttenheimer Johanneskirche wird nach rund 40 Jahren generalüberholt

Orgelbauer Christian Hey und Dekanatskantorin Marianne Schmidt inmitten der Orgel in der Hüttenheimer Johanneskirche.
Orgelbauer Christian Hey und Dekanatskantorin Marianne Schmidt inmitten der Orgel in der Hüttenheimer Johanneskirche. Foto: Carmen Lechner

Wenn's aus einer Orgel pfeift, aber keiner spielt, dann wird's kritisch. So geschehen in der evangelischen Kirche in Hüttenheim, in der die Orgel seit Wochen nun schweigt, weil sie aufwändig saniert wird. Und die Gründe hängen mit lange anhaltender Trockenheit und zu viel Wasser zusammen.

Seit 1877 steht die Steinmeyer-Orgel schon in der Hüttenheimer Johanneskirche. Sie wurde als mechanische Kegellade erbaut – das bedeutet, für jeden Ton gibt es ein kegelförmiges Ventil (in diesem Fall 482 Stück), das die Windverbindung zwischen der Klaviatur zu den Orgelpfeifen herstellt.

Eigentlich ist das alte Holz ja schon längst trocken. Ist die Luftfeuchtigkeit aber über einen längeren Zeitraum zu niedrig, entstehen in der Mechanik Spalten, durch die die Luft der Windzuführung in eine oder gleich mehrere Pfeifen eindringen kann. Mit dem Ergebnis, dass sobald der Motor des Gebläses angeworfen wird, die ein oder andere Pfeife ein leises bis starkes Geräusch von sich gibt.

Nasse Tücher dienen als Luftbefeuchter

Gegen die Trockenheit werden gerne nasse Tüchern rund um die Orgel ausgelegt, die wie ein Luftbefeuchter funktionieren. Im Fall Hüttenheim hat man das über die Jahre vielleicht etwas zu gut gemeint. Denn die kleinen Spalten zwischen Pfeife und Luftzufuhr werden durch lederbeschichtete Holzklappen überdeckt, sodass das Lederstück an der Unterseite der sogenannten Kegellade wie ein Abschluss wirkt. "Durch einen früheren Wassereintritt waren die Kegelventile in den Windladen nicht mehr dicht und funktionssicher und mussten daher alle neu mit Schafleder bezogen werden", erklärt Orgelbauer Christian Hey von der gleichnamigen Firma aus Urspringen bei Ostheim in der Rhön, der sich des Instruments angenommen hat.

So "nackt" sieht man eine Orgel und deren Innenleben wohl nur alle paar Jahrzehnte.
So "nackt" sieht man eine Orgel und deren Innenleben wohl nur alle paar Jahrzehnte. Foto: Carmen Lechner

Im Juni 2019 wurde die Orgel erstmalig begutachtet, im März 2020 in ihren wesentlichen Teilen ausgebaut und in die Werkstätte transportiert. Alle Orgelteile und das Pfeifenwerk wurden zunächst sorgfältig gereinigt und anschließend restauriert. Die verrosteten Führungsstifte der Kegelventile mussten gänzlich erneuert werden. Das Pfeifenwerk wurde von den Restauratoren fachgerecht restauriert, wobei die Metallpfeifen in einem speziellen Wasserbad gereinigt wurden. Dann ging es wieder zurück nach in Hüttenheim.

Letzte größere Restaurierung vor 38 Jahren

In den kommenden Wochen wird die Orgel wieder frisch intoniert und gestimmt. "Dies erfordert viel handwerklich-künstlerisches Einfühlungsvermögen und Erfahrung im Umgang mit historischen Orgeln", meint Hey. Das alles ist kein Luxus. Dekanatskantorin Marianne Schmidt erinnert sich, dass die letzte größere Restaurierung des Instruments im Jahr 1982 stattgefunden hat. "Gereinigt werden unsere Orgeln häufiger, aber eine solche Generalüberholung steht in der Regel erst nach 30 Jahren an", meint Schmidt. Pfarrer Matthias Subatzus beziffert die Kosten für die Maßnahmen auf rund 25 000 Euro.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Hüttenheim
  • Carmen Lechner
  • Evangelische Kirche
  • Holz
  • Klaviertastaturen
  • Orgel
  • Orgelbauer
  • Pfarrer und Pastoren
  • Restauratoren
  • Wasser
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!