Wiesentheid

„Die Geschichte hat die Macht!“

Wiedersehen nach langer Zeit: Sue Glanzner und Angela Bäuerlein waren früher Nachbarinnen.
Foto: Diana Fuchs | Wiedersehen nach langer Zeit: Sue Glanzner und Angela Bäuerlein waren früher Nachbarinnen.

Sie ist ganz anders als die meisten. Vielleicht kann Susanne Glanzner deshalb so phantasievolle Geschichten schreiben: weil ihre eigene Lebensgeschichte ungewöhnlich und spannend ist.

Bis zu ihrem 23. Lebensjahr hat „Sue“ Glanzner in Wiesentheid gelebt, dann ist sie als Modedesign-Studentin nach Stuttgart gezogen. Als 37-jährige Buchautorin kam sie nun zurück. Bei einer Lesung in der Scheune der Hofbuchhandlung Heinlein hat sie viele alte Bekannte getroffen. Sie wurde geherzt, gedrückt und ausgefragt.

Sie hat sich ihr neues Kinderbuch „Anna Apfelkuchen“ geschnappt, sich in ihrer krokodilgrünen Lederjacke mitten auf den langen Tisch mit der Sternendecke gesetzt und im Schneidersitz die Geschichte von Anna Apfelkuchen und dem Ganz- anderswald erzählt. Die Zuhörer – zwischen vier und 91 Jahre alt – lauschten gebannt.

Sobald der Applaus verklungen war, gingen die Gespräche zwischen der Autorin und den Wiesentheidern munter weiter.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man sich lange nicht gesehen hat und dann steht die einstige Nachbarin plötzlich als Buchautorin vor einem?

Angela Bäuerlein: Familie Glanzner hat neben uns gewohnt und sobald Sue laufen konnte, kam sie immer zu uns rüber. Es ist toll, was aus dem schüchternen Mädchen von damals geworden ist. Sue ist so herzerfrischend anders!

Sue war schüchtern? So wirkt sie heute gar nicht...

Susanne Glanzner (lacht): Als Kind war ich wirklich eher ruhig und ängstlich. Ich hab' lieber gelesen als mich draußen dreckig gemacht.

Wollest Du denn dann schon immer Schriftstellerin werden?

Susanne Glanzner: Nein, darüber hab' ich nie nachgedacht. Ich hab ja nach dem Abi ganz viele Jobs ausprobiert – von der Modeschöpferin bis zur Kellnerin.

Gerdi Glanzner: Kreativ war meine jüngste Tochter schon immer. Sie hatte viel Phantasie und war sprachgewandt. Mit viereinhalb Jahren hatte sie sich selbst das Lesen beigebracht.

Susanne Glanzner: Hier, in der heutigen Buchhandlung Heinlein, hatte meine Mama früher ihre Goldschmiede. Heute habe ich viele Leute gesehen, die ich irgendwie noch von früher kannte, auch wenn ich manche Gesichter nicht mehr zuordnen konnte. Es ist schon echt abgefahren, dass ich jetzt in Mamas ehemaligem Laden aus einem meiner Bücher vorlese...

Kürzlich ist Dein erster Frauenroman „Glücksdefekt“ erschienen. Mittlerweile schreibst Du an Deinem achten Buch. Wie ist es dazu gekommen?

Susanne Glanzner: Auf der Homepage meines Kindermode-Labels punKiz habe ich lange Zeit Kinderbücher rezensiert, einfach so zum Spaß. Außerdem habe ich Telefonmarketing für einen Kinderbuchverlag gemacht. So bin ich in Kontakt mit dem Metier gekommen.

Aber wie ist Dir zum Beispiel die zauberhafte Geschichte der kleinen Anna Apfelkuchen eingefallen?

Ich hatte Liebeskummer und wollte mich ganz schnell ablenken. Um etwas Sinnvolles zu tun, habe ich im Kinderkrankenhaus angefragt, ob ich den Kids dort vorlesen dürfte. Die bürokratischen Hindernisse haben mich aufgeregt. Ja, ich war beleidigt, dass sie mich nicht sofort wollten! Also habe ich mich abends mit meinem WG-Mitbewohner Alex hingesetzt und in der Nacht den Anfang von Anna geschrieben. Allerdings hat es danach eineinhalb Jahre gedauert – und den Anstoß einer anderen Autorin gebraucht –, bis ich die Geschichte zu Ende gebracht habe. Ich habe zum Teil nachts im Tourbus von Udo Jürgens geschrieben, mit dem ich zu der Zeit als Merchandiserin auf Tour war...

Du wusstest also nicht, welches Ende Anna Apfelkuchen haben würde?

Nein, wenn ich anfange zu schreiben, weiß ich nie, wie es aufhören wird. Die Geschichte hat die Macht!

Im Profi-Geschäft ist das bestimmt schwierig. Die Verlage wollen doch Skripte sehen...

Das stimmt. Aber ich habe mir fest vorgenommen, mich deshalb nicht zu verbiegen. Ich möchte mich nicht unter Druck setzen lassen, sondern den Spaß und die Leichtigkeit behalten! Ohne kann ich auch gar nicht kreativ sein.

Würdest Du gerne vom Schreiben leben können?

Das wäre schon toll. Ich habe zum Beispiel sehr viel Freude an dem neuen Jugendbuch „Das Amulett der Ewigkeit“, das ich zusammen mit Björn Springorum schreibe und das im März erscheinen soll. Aber selbst wenn ich es mir finanziell einmal leisten könnte, würde ich trotzdem mein Label punKiz weiterführen und auch weiterhin kellnern. Im Restaurant Reiskorn und nebenan in der Caffeebar komme ich mit vielen Leuten ins Gespräch. Das macht mir einfach Spaß und inspiriert mich.

Und was ist aus dem Grund geworden, weshalb Du Anna Apfelkuchen geschrieben hast – dem Liebeskummer?

Den hab' ich gerne gegen Anna Apfelkuchen ausgetauscht!

Wie bist Du überhaupt auf die seltsamen Namen Anna Apfelkuchen und Ganzanderswald gekommen?

Anna Apfelkuchen ist wegen eines Duftpüppchens entstanden, das auf unserem Tisch stand. Und was den Wald angeht: Ich hatte meinem Mitbewohner Alex zehn Namensvorschläge aufgeschrieben, aber alles, was er dazu sagte, war: 'Entschuldige, Sue, aber der muss ganz anders heißen.' Damit war der Ganzanderswald geboren.“

Autorin und Modedesignerin

Ihr Start: Die 1977 geborene Susan-ne Glanzner wuchs als jüngstes von fünf Kindern in Wiesentheid auf. Zur Schule ging sie im Steigerwald-Landschulheim – „das war die schönste Zeit meines Lebens“. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Schneiderlehre in Volkach und Würzburg.

Ihre Bücher: Nach ihrem Bestseller „Chick Code“ und dem Kinderbuch „Anna Apfelkuchen“ wird in Kürze „Käpt'n Pillow“ erscheinen, das an Annas Abenteuer anknüpft. Neben einem neuen Jugendbuch ist außerdem der zweite Frauenroman nach „Glücksdefekt“ in Arbeit.

Reinlesen: www.punkiz.de, Facebook-Autorenseite, www.thienemann-esslinger.de bzw. Buchhandlung Heinlein in Wiesentheid, Schönbornstraße 18. ldk

Hatten sichtlich Freude: Gerdi Glanzner, ihre Tochter Susanne, Marika und Bruno Heinlein vom gleichnamigen Buchladen feierten „Anna Apfelkuchen“ stilecht mit Geesdorfer Äpfelchen, Apfelkuchen und einer gelungenen Lesung in der Scheune der Hofbuchhandlung.
Foto: Diana Fuchs | Hatten sichtlich Freude: Gerdi Glanzner, ihre Tochter Susanne, Marika und Bruno Heinlein vom gleichnamigen Buchladen feierten „Anna Apfelkuchen“ stilecht mit Geesdorfer Äpfelchen, Apfelkuchen und einer ...
(huGO-ID: 26542663) Hatten sichtlich Freude: Gerdi Glanzner, ihre Tochter Susanne, Marika und Bruno Heinlein vom gleichnamigen Buchladen feierten 'Anna Apfelkuchen' stilecht mit Geesdorfer Äpfelchen, Apfelkuchen und einer gelungenen Lesung in der Scheune der Hofbuchhandlung. FOTO Diana Fuchs
| (huGO-ID: 26542663) Hatten sichtlich Freude: Gerdi Glanzner, ihre Tochter Susanne, Marika und Bruno Heinlein vom gleichnamigen Buchladen feierten "Anna Apfelkuchen" stilecht mit Geesdorfer Äpfelchen, Apfelkuchen und ...
(huGO-ID: 26542665) So sieht die Anna aus: Die Zeichnungen zum Buch stammen von Eleni .... FOTO Diana Fuchs
| (huGO-ID: 26542665) So sieht die Anna aus: Die Zeichnungen zum Buch stammen von Eleni .... FOTO Diana Fuchs
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