Rödelsee

Die Operation am offenen Herzen kann beginnen

An manchen Stellen durften die Setzungen aus Gründen der Verkehrssicherheit provisorisch behoben werden. Jetzt steht die Sanierung der Straßen am Schlossberg in Rödelsee an.
Foto: Gerhard Krämer | An manchen Stellen durften die Setzungen aus Gründen der Verkehrssicherheit provisorisch behoben werden. Jetzt steht die Sanierung der Straßen am Schlossberg in Rödelsee an.

Am Schlossberg in Rödelsee wohnt es sich gut. Doch in diesem Jahr ist es für die Anwohner mit der Ruhe zeitweise vorbei. Baumaschinen werden dort zugange sein, um die seit der Erschließung bestehenden Mängel im Untergrund der Straßen zu beseitigen. Danach wohnt es sich dort sicher noch besser, wenn man sein Haus auf ebener Straße erreichen kann. Im April sollen die Bauarbeiten beginnen und Ende des Jahrs fertig sein.

Das Gerichtsverfahren bezüglich der Baumängel im "Spieß Ost", wie das Baugebiet am Schloßberg offiziell heißt, ist abgeschlossen. Die Gemeinde Rödelsee hat, wie berichtet, den jahrelangen Rechtsstreit gewonnen; das Urteil des Landgerichts Würzburg ist rechtskräftig. Nun beabsichtigt die Gemeinde Rödelsee, die Straßensanierung zu beginnen. Dabei geht es um die Behebung der durch die nicht fachgerechte Verfüllung des Kanalgrabens entstandenen Setzungen. Manche Stellen an der Oberfläche waren bereits aus Sicherheitsgründen geflickt worden.

Abschnittsweiser Ausbau

Nun müssen im bereits bebauten Wohngebiet die Asphaltschichten, die ungebundenen Schichten sowie der ursprünglich geböschte Kanalgraben bis Oberkante Abdeckzone abschnittsweise ausgebaut werden. Für Bürgermeister Burkhard Klein ist dies wie eine Operation am offenen Herzen.

Vollsperrung notwendig

Aufgrund der vorhandenen Bebauung in dem 58 Bauplätze zählenden Wohngebiet sowie den vorhandenen Versorgungsleitungen (Gas, Wasser, Fernmeldekabel und Strom) ist die Ausführung laut Tobias Schneider vom Ingenieurbüro Arz nur in Einzelabschnitten von etwa 20 Metern möglich. Hinzu kommt, dass es von den damaligen Arbeiten kein Bautagebuch oder Vergleichbares gibt. Der jeweilige, aktuell ausgeführte Abschnitt könne nur unter Vollsperrung erstellt werden.

Der Anliegerverkehr müsse zudem bis zum Ausbauabschnitt gewährleistet werden, ebenso der Zugang zu den einzelnen Privatgrundstücken im aktuell ausgeführten Bauabschnitt. "Eine anspruchsvolle Maßnahme", fasste Klein das Bevorstehende zusammen. 777 Meter sollen laut Schneider saniert werden.

Sanierung wird teuer

Die Sanierungskosten waren ursprünglich einmal mit 679 000 Euro angegeben worden. Diese Kostenschätzung gehört der Vergangenheit an. Schneider geht mittlerweile bei einem Komplettaustausch von Kosten in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro aus.

Eine kostengünstigere Variante sei mit dem Einbau eines Geogitters möglich. Hier belaufen sich die Schätzkosten auf 1,26 Millionen Euro. Dies brächte zudem eine kürzere Bauzeit und damit eine geringere Belastung der Anwohner mit sich. Allerdings gebe es auch Nachteile. Dies betrifft spätere Arbeiten im Untergrund, wenn zum Beispiel Leitungen saniert werden müssen.

In vielen Bereichen am Schlossberg sind die Setzungen deutlich sichtbar. Eine "Operation am offenen Herzen" wird die Straßensanierung am Schlossberg werden.
Foto: Gerhard Krämer | In vielen Bereichen am Schlossberg sind die Setzungen deutlich sichtbar. Eine "Operation am offenen Herzen" wird die Straßensanierung am Schlossberg werden.

Vorgaben einhalten

Zudem sei nicht geklärt, ob eine andere Variante der Sanierung zulässig ist, als die im Gutachten festgelegte. "Wir sollten uns an die Vorgaben im Gutachten halten", meinte Klein, damit auch alle Kosten von der Versicherung getragen würden. "Es muss alles blitzsauer ausgearbeitet sein."

Ein genaues Baugrundgutachten kündigte Schneider für die nächsten 14 Tage an. Die Arbeiten würden zudem von einem Baugutachter begleitet. Auf die Gemeinde würden auch Kosten zukommen, weil man sicher nicht fünf Quadratmeter Altbestand stehen lassen werde, sondern komplett erneuern werde. Auch wisse man nicht, wie schnell die Versicherung zahle. Eventuell müsse die Gemeinde in Vorleistung gehen, meinte Klein.

Kanalbefahrung geplant

Schneider riet zur Sicherheit im Vorfeld noch zu einer Kanalbefahrung. Falls wider Erwarten Schäden am Kanal vorhanden seien, könnten die gleich behoben werden.

Wegen der Dauer des Rechtsstreits konnte erst im Jahr 2018 mit der Suche nach einem Ingenieurbüro für die Sanierung begonnen werden. Dies erwies sich nach Angaben der Verwaltung aber als äußerst schwierig. Auf die ersten beiden Anfragen hatte sich nämlich kein Büro gemeldet. Erst im September 2019 hatte der Gemeinderat die Ingenieursleistungen an das Büro Arz vergeben können.

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