Eichfeld

Eichfelder Schatzungsbuch: 300 Jahre Geschichte überarbeitet

Der örtliche Arbeitskreis "Geschichtsbücher" hat in mühsamer Kleinarbeit 660 Seiten aus dem Jahr 1709 restauriert und digitalisiert. Eine historische Fundgrube.
Das Eichfelder Schatzungsbuch von 1709 ist für die Nachwelt erhalten.
Das Eichfelder Schatzungsbuch von 1709 ist für die Nachwelt erhalten. Foto: Peter Pfannes

Über 300 Jahre nach seiner Herausgabe hat das historisch wertvolle Eichfelder Schatzungsbuch seine Auferstehung erlebt. In mühsamer Kleinarbeit haben die Akteure des örtlichen Arbeitskreises "Geschichtsbücher" das 660 Seiten umfassende Werk von 1709 restauriert und digitalisiert. Am Montag übergaben sie die einstige Abgabenordnung für die "hochgräflich Castell-Rüdenhausenschen Untertanen und Lehensleute zu Eichfeld" an Volkachs Bürgermeister Heiko Bäuerlein.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts diente das Buch als Grundlage für die Besteuerung oder Abgaben, wobei die örtlichen Schultheißen die Steuereintreiber waren. Helmar Hartner, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft führe etwa 30 interessierte Eichfelder in der Kirche in krankheitsbedingter Abwesenheit von Stadtarchivarin Dr. Ute Feuerbach in das Geschichtsthema ein und erläuterte den Einsatz der ehrenamtlichen Geschichtsforscher.

Das Buch lag im Archiv der Stadt Volkach und sei, so Hartner, in einem desolaten Zustand gewesen. Durch die Restauration sei es der Nachwelt erhalten geblieben. Nun könne es besser für Ahnen- oder Familienforschung verwendet werden. Initiator und Motor des Projekts war Eckart Reppert. Restauriert und gebunden hat es Norbert Menninger. Digitalisiert wurden die vielen Seiten von Franz Josef Ziegler. Hartner startete seine Zeitreise im Jahr 1706, als es eine neue "Taxform" als Grundlage der Besteuerung in der damaligen Zeit gab. Nach dieser Taxform wurden die Besitzer von Haus, Grund und Äcker, aber auch Handwerker und Wirte neu veranlagt und in das Schatzungsbuch von 1709 eingetragen.

Für Häuser waren je nach Größe und Beschaffenheit bis zu 135 Gulden fällig, für zehntbare Äcker bis zu zwölf Gulden. Zehntfreie Äcker wurden mit etwa 14 Gulden veranschlagt. Auch die Besitzer von Wiesen und Gärten, Handwerker und Wirte wurden zur Kasse gebeten. Im Schatzungsbuch trug man damals auch Änderungen durch Erben, Übergaben und Verkäufe von Besitz nach. "Hiermit war die rechtliche Situation, wer Besitzer war und wie hoch die Abgaben oder Frondienste, die jeder an die Herrschaft zu leisten hatte, festgehalten", erläuterte Hartner. Die Lehen-, Gerichts- und Schatzungsbücher in früherer Zeit seien der Rahmen für die dörfliche Ordnung aber auch die rechtliche Grundlage der damaligen Besitzverhältnisse gewesen.

Schon das vierte Buch gerettet

Das Schatzungsbuch ist bereits das vierte Geschichtsbuch, dem der örtliche Arbeitskreis neues Leben eingehaucht hat. Es begann 2014 mit dem Eichfelder Lehenbuch. Zur Finanzierung war damals ein Spendenaufruf im Dorf erfolgreich. 50 Haushalte und zehn Betriebe spendeten über 3000 Euro. 50 Prozent der Kosten übernahm die Stadt. Im Februar 2016 war das Eichfelder Gerichtsbuch von 1693 restauriert und eineinhalb Jahre später die Eichfelder Gerichtsordnung.

"Die Eichfelder Gemeindebücher dienen in erster Linie den Historikern und Archivaren", betonte Hartner. Sie gäben wertvolle Auskunft über das Dorf und das damalige Leben. Die Geschichtsbücher seien ein wichtiges Nachschlagwerk für Herkunft und Vorfahrensforschung. "Wer seine Herkunft kennt, kann Zukunft gestalten", zitierte er einen Historiker. Bürgermeister Heiko Bäuerlein dankte den Mitgliedern des Arbeitskreises unter dem Applaus der Besucher. Eckart Reppert zeichnete er dabei besonders mit einem Geschenk aus.

Das restaurierte Eichfelder Schatzungsbuch von 1709 überreichte Eckart Reppert (Zweiter von links) an Bürgermeister Heiko Bäuerlein (Dritter von links). An dem Projekt waren auch Norbert Menninger, Franz Josef Ziegler und Helmar Hartner (von links) beteiligt.
Das restaurierte Eichfelder Schatzungsbuch von 1709 überreichte Eckart Reppert (Zweiter von links) an Bürgermeister Heiko Bäuerlein (Dritter von links). An dem Projekt waren auch Norbert Menninger, Franz Josef Ziegler und Helmar Hartner (von links) beteiligt. Foto: Peter Pfannes

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Eichfeld
  • Peter Pfannes
  • Abgabenordnung
  • Archivare
  • Besteuerung
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Familienforschung
  • Geschichtsbücher
  • Städte
  • Vorfahren
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!