Abtswind

Fünf Junge im Blick der Webcam: Turmfalken brüten wieder

Seit Jahren haben sich Turmfalken ein Haus in Abtswind für die Aufzucht ihres Nachwuchses ausgesucht. Dabei werden sie von den Einheimischen häufig beobachtet – per Kamera.
Drei der insgesamt fünf FalkenJungen im Nest in Abtswind aus nächster Nähe.
Drei der insgesamt fünf FalkenJungen im Nest in Abtswind aus nächster Nähe. Foto: Hans Schwanfelder

Was die Störche in Geiselwind sind, das sind die Falken in Abtswind. Ganz so prominent sind sie zwar nicht, auch wenn sich die Turmfalken bereits seit 2015 annähernd jedes Jahr in einer kleinen Nische am Haus in der Hauptstraße einrichten und dort Junge zur Welt bringen. Eine Attraktion sind sie im Ort allemal, denn Hans Schwanfelder, der dort im Obergeschoss wohnt, wenn er in Abtswind ist, hat direkt am Nest eine Kamera installiert. Mit ihr lassen sich die Raubvögel aus allernächster Nähe beobachten.

Per Live-Stream kann er damit auch von München aus, wo der gebürtige Abtswinder seit gut 40 Jahren lebt, den jungen Falken mitsamt den Alttieren zusehen. Ein Übertragungsgerät hat er in der Wohnung seiner 88-jährigen Mutter eingerichtet, die begeistert und ganz genau beobachtet, was sich im Nest so tut.

Per Tablet Einblicke ins Falkennest

Kamera-Blick ins Falkennest in Abtswind.
Kamera-Blick ins Falkennest in Abtswind. Foto: Andreas Stöckinger

Ein Tablet, auf dem ebenfalls die Übertragung aus dem Nest läuft, steht im Gasthaus zur Ölmühle, das der Familie gehört. Vor allem die Abtswinder wissen das und sind interessiert an den tierischen Einwohnern. Zuletzt sei das nicht so leicht gewesen; schließlich hatte das Gasthaus wegen Corona geschlossen. Jetzt ist es wieder offen.

"Die Leute schauen gerne rein und erkundigen sich, was mit den Vögeln ist. Wenn man das einmal gesehen hat, dann ist das Interesse da", erzählt Hans Schwanfelder von seinen Erfahrungen. Das bestätigt Claudia Schwanfelder vom Gasthaus. "Die Stammgäste fragen dieser Tage schon, ob sie mal nach den Falken schauen könnten." Einer von ihnen ist Heinrich Burlein, dem sie den kleinen Bildschirm reicht. Der Senior schaut einige Zeit und schmunzelt. Auch die Kinder vom daneben liegenden Kindergarten dürfen beinahe täglich schauen, was die kleinen Falken so machen.

Ganz oben in der Giebelspitze des Hauses liegt der Eingang zum Falkennest in Abtswind.
Ganz oben in der Giebelspitze des Hauses liegt der Eingang zum Falkennest in Abtswind. Foto: Andreas Stöckinger

Begonnen hat die Geschichte vor einigen Jahren, wie Hans Schwanfelder erzählt. Gleich nach dem Kauf des direkt an die Ölmühle grenzenden Anwesens baute er eine Plexiglasscheibe am Vorsprung unter dem Dach ein, um ihn von der Wohnung aus einsehen zu können. "Die Scheibe war schon für den Fall gedacht, dass dort mal Vögel nisten. Ich dachte, das ist günstig, die Ausrichtung ist nach Süden hin", schildert er den Beginn.

Falkenfamilie ist nicht sehr reinlich

Vögel hätten ihn schon immer interessiert, so Schwanfelder. Zu Kinderzeiten habe er bereits Elstern und Krähen groß gezogen und beobachtet. Also kam ihm die Idee mit der Glasscheibe in der Dachwohnung in Abtswind. 2015 war es dann soweit: Die ersten Turmfalken nisteten, vier Junge schlüpften damals. "2016 waren es fünf Eier – die haben sie aber nicht ausgebrütet", schaut Hans Schwanfelder auf seine Notizen. Er führt Buch über die Gelege und weiß einiges über die Gewohnheiten der Falken.

Ein richtiges Nest mit Zweigen und Grünzeug bauen sie nicht, hat er festgestellt. Auch seien sie nicht sehr reinlich: Als Boden im Nest diene das Gewölle; das sind die unverdaulichen Nahrungsreste, welche die Greifvögel herauswürgen. Ihre Hauptnahrung sind Mäuse, auch Wühlmäuse, Insekten, Regenwürmern, und selbst kleine Vögel stehen auf dem Speiseplan.

Den Turmfalken scheint es in Abtswind zu gefallen, sonst bezögen sie ihr Quartier nicht regelmäßig dort. "Vielleicht wohnen sie da oben genauso gerne wie ich", mutmaßt Hans Schwanfelder. Anscheinend suchten sie immer wieder den gleichen Brutplatz auf. Diesen Winter zog zumindest einer der beiden nicht in Richtung Süden, sondern sei geblieben, berichtet der in der Softwareentwicklung tätige Hausherr.

Jeden zweiten Tag ein Ei

Auch die Gäste vom Gasthaus Ölmühle in Abtswind, wie hier Heinrich Burlein, werfen gerne einen Blick aufs Tablet mit den Kamera-Bildern vom Falkennest.
Auch die Gäste vom Gasthaus Ölmühle in Abtswind, wie hier Heinrich Burlein, werfen gerne einen Blick aufs Tablet mit den Kamera-Bildern vom Falkennest. Foto: Andreas Stöckinger

In Abtswind platzieren die Falken ihre Eier jeweils in eine kleine Mulde, die der Fenstersims hat. Jeden zweiten Tag legen sie, so die Beobachtung. Drei Junge schlüpften am 6. Mai; am 8.Mai kam dann der letzte der insgesamt fünf kleinen Greifvögel, hat Schwanfelder notiert. Das Brüten übernehme meist das Weibchen, während der männliche Falke für die Nahrung sorge. "Er schmeißt eine Maus rein und ist wieder weg." Das füttern übernimmt die Mutter. Nur kurz löse er jeweils die Partnerin ab, wenn diese selbst fresse.

Dank der Kamera kann Schwanfelder das alles sehen. Es sei nicht so einfach gewesen, eine geeignete Kamera zu finden und zu positionieren. "Ich habe bestimmt schon zehn Stück ausprobiert, mit Weitwinkel und so weiter." Jetzt passe es gut. Alle paar Tage müsse er die Kamera jedoch sauber machen, denn die Vögel hinterließen viel Dreck. "Ich warte ab, bis sie gefüttert haben. Dann habe ich etwa 30 Minuten Zeit", schildert er. Schnell müsse es gehen, er wolle die Vögel möglichst wenig stören. Noch haben die Jungen ihr weißes Gefieder. Mit der Zeit verfärbe es sich dann in einen leicht bräunlichen Ton.

Anfang Juni steht der nächste Schritt für die Jungtiere an. Nach rund 30 Tagen machen sie die ersten Flugversuche, weiß Schwanfelder. "Das geht dann relativ schnell. Sie setzen sich außen hin und probieren, zum Haus gegenüber zu fliegen." Noch einmal 30 Tage später sind sie meist flügge, jagen selbst und verlassen schließlich das Nest. Dann wird wohl für einige Zeit Ruhe sein am Haus in der Hauptstraße.

Auf seinem Tablet kann der Abtswinder Hans Schwanfelder genau beobachten, was die Falken in ihrem Nest machen. An seiner Hausfassade ziehen zwei Altvögel gerade fünf Junge auf.
Auf seinem Tablet kann der Abtswinder Hans Schwanfelder genau beobachten, was die Falken in ihrem Nest machen. An seiner Hausfassade ziehen zwei Altvögel gerade fünf Junge auf. Foto: Andreas Stöckinger

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