KITZINGEN/ETWASHAUSEN

Gärtnereien in der Corona-Zeit: Frische Produkte, frische Ideen

Die Salaternte ist in vollem Gange. Christian Gräbner freut sich, dass die Gartenbaubetriebe die Corona–Krise einigermaßen gut überstanden haben. Fotos: Ralf Dieter
Die Salaternte ist in vollem Gange. Christian Gräbner freut sich, dass die Gartenbaubetriebe die Corona–Krise einigermaßen gut überstanden haben. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter

„Rumjammern hilft nichts“, sagt Christian Gräbner. Seit Anfang des Jahres ist er Vorsitzender der Gartenbaugruppe Kitzingen/Etwashausen. Einen fordernderen Zeitpunkt hätte er sich nicht aussuchen können. Corona hat auch die Gärtner in Stadt und Landkreis Kitzingen getroffen. „Die Perspektiven sind vielleicht nicht die besten“, sagt der Etwashäuser Gärtner. „Aber irgendwo geht immer eine Türe auf.“

Die Öffentlichkeitsarbeit ist den Gärtnern in Kitzingen seit jeher wichtig. Etliche Feste organisieren sie im Jahresverlauf – normalerweise. Vom Tag der offenen Gärtnereien bis zum Gärtnerfest musste in diesem Jahr alles ausfallen. Auch die Etwashäuser Kirchweih wird 2020 nicht stattfinden. „Das tut schon weh“, bekennt Gräbner. Die geschmückten Wagen waren immer auch ein sichtbares Zeichen für die Schaffenskraft der Gärtner.

Die vielen Absagen sind nicht das einzige Problem für die Produzenten von Tomaten, Gurken und Co. „Vor allem in der Gastronomie fehlte uns der Absatz“, erklärt Gräbner. Langsam zieht der Verkauf wieder an, aber dafür hat sich eine Überproduktion bei den Tomaten aufgebaut. „Da wird nur noch über den Preis verkauft“, erklärt der 36-Jährige. „Und der ist im Moment im Keller.“ Dennoch: Jammern ist nicht sein Ding. Die Corona-Krise hatte auch ihr Gutes. „Die Verbraucher haben vermehrt nach regionalen Produkten gefragt“, erzählt er. Eine gute Nachricht, besonders für alle Direktvermarkter.

Peter Hummel ist im Januar zum Stellvertreter von Christian Gräbner gewählt worden. Ende März hatte er – wie alle seine Kollegen – große Bedenken. Ein paar Tage Schließung konnten die Betriebe verkraften. „Aber es gibt bei uns nun mal frische Waren“, erinnert der Etwashäuser. „Die können wir nicht einlagern.“ Die Intervention bei der Politik hat Früchte getragen. Am 20. April durften die Gärtnereien wieder öffnen. „Sonst hätten wir richtig Probleme bekommen“, gesteht Hummel.

Acht Hektar im Freiland und eineinhalb Hektar im Gewächshaus „beackert“ sein Vorstandskollege Christian Gräbner. „Damit gehören wir zu den kleineren Betrieben.“ Ob der Betrieb in Zukunft wachsen wird, kann er nicht sagen. „Aber der Trend in unserer Branche geht genau dahin.“ Wer neues Land bepflanzen will, der muss hinaus auf die „Grüne Wiese“ und sich einen größeren Maschinenpark anschaffen. In den Randlagen von Kitzingen ist das nicht leicht. Dort entstehen immer mehr Gewerbe- und Baugebiete. „Es wird generell immer mehr Fläche verbaut“, bedauert Gräbner. „Das macht es für uns nicht unbedingt leichter.“ Sein Wunsch an die lokalen Politiker: „Berücksichtigt bei den Planungen auch unsere Belange.“

Die direkte Nachbarschaft von Gartenbaubetrieben und Zugezogenen birgt mitunter Probleme. Manche neuen Nachbarn beschweren sich über den Lärm der Maschinen oder das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln. „Es gibt auch welche, die titulieren uns als Giftspritzer“, bedauert Gräbner. Dabei wird kaum eine Branche so intensiv kontrolliert. Immer wieder kommen Lebensmittelkontrolleure unangemeldet vorbei. „Und die analysieren unsere Produkte ganz genau“, versichert Gräbner und holt zum Beweis ein Blatt mit dutzenden Daten aus seinem Ordner.

Ein- bis dreimal im Jahr behandelt er seine Kulturen. Und das liegt auch an den Verbrauchern. „Die fordern ja auch eine einwandfreie Ware.“ Ein kleines Loch im Kohlrabi-Blatt tue der Qualität keinen Abbruch, werde vom Handel und von vielen Verbrauchern aber nicht akzeptiert. „Also müssen wir den Erdfloh bekämpfen.“

Die Abhängigkeit von den großen Abnehmern wird weiter zunehmen, prognostiziert Gräbner. Gleichzeitig hat sich in der Corona-Krise auch gezeigt, dass Verbraucher in Richtung Selbstversorgung denken. „Wir haben deutlich mehr Pflanzgut für Tomaten, Gurken oder Zucchini verkauft“, bestätigt Peter Hummel, der ebenfalls ein Experiment wagte. In seinem Gewächshaus hat er vor rund zwei Monaten Zuckermelonen gepflanzt. Einige Exemplare wachsen am Boden, andere an einer Schnur. Der Verkauf läuft gut. „Vielleicht baue ich das im kommenden Jahr aus“, kündigt er an. Im Gewächshaus finden die Melonen allemal günstige Bedingungen vor. „Ihre Ansprüche ähneln denen von Gurken“, erklärt Hummel, der natürlich weiß, dass fränkische Melonen nicht mehr als eine weitere Nische sein können. Oder, wie es Christian Gräbner ausdrücken würde: eine kleine Tür, die aufgeht. Weitere Türen müssen folgen.

Auf der Suche nach Nischen werden die Etwashäuser Gärtner immer wieder fündig: Peter Hummel probiert es mit schnell reifenden Melonen.
Auf der Suche nach Nischen werden die Etwashäuser Gärtner immer wieder fündig: Peter Hummel probiert es mit schnell reifenden Melonen. Foto: Ralf Dieter
Sieht ein wenig aus wie überdimensionaler Weihnachtsschmuck, sind aber Melonen im Etwashäuser Gewächshaus.
Sieht ein wenig aus wie überdimensionaler Weihnachtsschmuck, sind aber Melonen im Etwashäuser Gewächshaus. Foto: Ralf Dieter

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