Wiesenbronn

Gas geben beim Abwasserkanal

Gemeinderäte und Wiesenbronner Bürger weihten vor der ehemaligen Gemeindeschmiede einen Platz ein, der an die Deportationen jüdischer Mitbürger erinnern soll. 
Foto: Winfried Worschech | Gemeinderäte und Wiesenbronner Bürger weihten vor der ehemaligen Gemeindeschmiede einen Platz ein, der an die Deportationen jüdischer Mitbürger erinnern soll. 

"Der Abwasserkanal nach Großlangheim und von da ein gemeinsamer von Großlangheim und Wiesenbronn nach Kitzingen hat mich zwei Monate intensiv beschäftigt." Wiesenbronns Bürgermeister Volkhard Warmdt sagte zum Stand der Dinge in Sachen Abwasserbeseitigung in der jüngsten Ratssitzung, dass sich bei einem Gespräch in Kitzingen heraus gestellt habe, dass die beiden Kommunen etwa drei bis vier Prozent des Abwassers in der Kitzinger Anlage ausmachen würden "und von der Kitzinger Seite aus würde es keine Probleme geben".

Zum weiteren Vorgehen erklärte er, dass nun die Linienführung des Wiesenbronner Kanals durch die Fluren von Wiesenbronn und Großlangheim, Bodengutachten, Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern, Ausschreibungen und der Antrag auf Förderung Priorität genießen. Für den Bau des Kanals wird mit einer Zeit von einem bis eineinhalb Jahren gerechnet "und wir geben da Gas, auch wenn noch einige Hürden zu nehmen sind".

Alte Kläranlage als Puffer

Auf Fragen aus dem Rat nach der künftigen Nutzung der Becken in der bisherigen Wiesenbronner Kläranlage rechnet der Bürgermeister damit, dass diese dann als Puffer genutzt werden könnten. Nach Aussage von Harald Höhn wird es dann nur noch einen See geben, "während die anderen beiden leer werden".

Infos auf dem Sportplatz

Was das "Bürgerhaus" angeht, fand der Bürgermeister, dass die Veranstaltung am 1. August auf dem Platz gegenüber dem ehemaligen Krämerladen eine gute Gelegenheit war, sich zu informieren und sich über die finanzielle Seite und das weitere Vorgehen Gedanken zu machen. Ein weiteres größeres Treffen aufgrund des noch bestehenden Info-Defizits könnte aber wegen der Corona-Regelung nicht in der Sporthalle stattfinden. Der Bürgermeister schlug deshalb eine Veranstaltung am 30. August um 17 Uhr vor, für die die Mehrheit des Rates den Sportplatz favorisierte. Es wird außerdem noch eine Bürgerbefragung geben und auch die neueste Aussage der zuständigen Stelle der Regierung von Unterfranken steht noch aus.

Die ersten 100 Tage

Positiv fiel die Bilanz des Bürgermeisters für die ersten 100 Tage in der neuen Legislaturperiode aus. Im kurzen Bericht ging Warmdt auf Spielplätze, Friedhof, Einweihung der Bücherei, Spülung der Hydranten durch die Feuerwehr, den Krämerladen, lange Diskussionen und Arbeitssitzungen zur Abwasserbeseitigung und zum Bürgerhaus ein. 

Wesentlich weniger angetan war er ob des Zustands auf dem Häckselplatz, "denn es ist unglaublich, was da alles bis hin zum Schrank abgeladen wird, der Müll wird langsam zu Katastrophe". Aus dem Rat kam der Vorschlag, eine Überwachungskamera zu installieren, wozu aber erst die rechtliche Seite abgeklärt werden soll.

Die Kirchweih fällt aus

Der Bürgermeister gab ferner bekannt, dass die diesjährige Kirchweih ausfällt. Die Verpachtung des Krämerladens, für den zwei Bewerbungen vorliegen, kündigte der Bürgermeister für den nichtöffentlichen Teil an.

Erinnerung an Deportation

Vor der Sitzung trafen sich Gemeinderat und Mitbürger vor der ehemaligen Gemeindeschmiede, wo der Erinnerungsplatz an die Deportationen jüdischer Mitbürger als Teil des Projekts "Denkort Deportationen" in Würzburg eingeweiht wurde. Wolf Dieter Gutsch, Sprecher des Arbeitskreises "Stolpersteine - Erinnern und Gedenken" im Verein Alt Prichsenstadt, erinnerte an die 13 jüdischen Mitbürger Wiesenbronns, die in der Nazi-Zeit umgebracht wurden. Sie sind namentlich auf einer Gedenktafel an der alten Schmiede aufgelistet.

Ein Duplikat des aus Keupersandstein gefertigten Koffers, der in Würzburg steht, hat seinen Platz vor der Schmiede gefunden. Bürgermeister Volkhard Warmdt, der sich beim alten Gemeinderat für die Entscheidung bedankte, am Denkort Deportationen mitzumachen, legte Blumen nieder und Pfarrerin Esther Meist sprach das traditionelle Gebet, das bei jüdischen Trauerfeiern gesprochen wird.

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