KITZINGEN

Graffitti-Petition: Sie wollen Lebensfreude versprühen

Eine der wenigen Flächen, die in Kitzingen mit einem Graffiti verschönert werden durfte: Vor der Einfahrt in den Kreisel, an der Mainbernheimer Straße, haben Marco Lewis und Fabian Hüsam diese Garagenwand mit Kitzinger Ansichten besprüht.
Eine der wenigen Flächen, die in Kitzingen mit einem Graffiti verschönert werden durfte: Vor der Einfahrt in den Kreisel, an der Mainbernheimer Straße, haben Marco Lewis und Fabian Hüsam diese Garagenwand mit Kitzinger Ansichten besprüht. Foto: Ralf Dieter

Sie haben einen Traum. Und der könnte schon bald in Erfüllung gehen. Ein paar hundert Unterschriften wollen Fabian Hüsam und Marco Lewis noch sammeln und dann auf OB Stefan Güntner zugehen. „Wir würden gerne eine Plattform für Nachwuchskünstler organisieren“, erklärt Fabian. Das Problem: Ihre Kunst, das Graffiti sprühen, leidet in Teilen der Bevölkerung unter einem schlechten Image. Dabei könnte es auch zu einer Touristenattraktion werden, meinen die beiden Kitzinger.

„Wir wollen auch von Haustür zu Haustür gehen, um Unterschriften zu sammeln.“
Marco Lewis, Graffiti-Sprüher

Fabian und Marco haben vor sieben Jahren angefangen, Graffitis zu erstellen. „Ein kreativer Prozess“, sagt Fabian. Auf Papier oder auf dem iPad werden die ersten Skizzen erstellt, nach und nach nimmt das Gemälde Formen an. Und dann wird es auf die Wand gesprüht. „Aber genau da liegt das Problem“, sagt Marco und zuckt bedauernd die Schultern.

Graffiti sprühen ist in Deutschland illegal. Es sei denn, die Einverständniserklärung des Haus- oder Garagenbesitzers liegt vor – so wie in der Mainbernheimer-Straße, kurz vor der Einfahrt in den Kreisel. Fabian und Marco haben eine triste Garagenwand mit dem Schriftzug „Kitzingen am Main“, dem Falter- und Deusterturm und einer Familie im Schlauchboot aufgewertet. „Würden wir heute schon wieder viel besser machen“, sagt Fabian und muss lächeln.

Ganz am Anfang seiner Sprüher-Laufbahn ist er von der Polizei erwischt worden. „Das war mir eine Lehre“, versichert er. Ein paar dutzend Sozialstunden musste er ableisten. „Seither sprühe ich nur noch legal.“ Das Problem: Es gibt keine Flächen in Kitzingen, wo sich die Sprüher ausprobieren und austoben könnten. „Dabei gibt es genug langweilige Betonflächen“, weiß Marco.

Die Pfeiler der Nordbrücke nennt er als Beispiel, die Unterführungen bei FrankenGuss oder entlang der Radwege am Sickerbach. Die Stadt Würzburg hat in der Zeppelinstraße am Südbahnhof und am Greinbergknoten zwei Flächen für die Szene ausgewiesen. Rein theoretisch könnten da auch die Kitzinger hinfahren. „Da sind aber viele Platzhirsche vor Ort“, erzählt Fabian. Auswärtige Sprüher würden nicht so gerne gesehen. Seine Hoffnung: Die Stadt Kitzingen stellt ebenfalls Flächen zur Verfügung. Auf der Internetplattform change.org haben die beiden vor einer Woche eine entsprechende Petition hochgeladen. Rund 500 Unterschriften wollen sie sammeln, bevor sie den Schritt ins Rathaus wagen.

„Graffiti hat mein Leben extrem bereichert.“
Fabian Hüsam, Graffiti-Sprüher

„Im Moment sind es erst 70“, berichtet Marco, der guter Dinge ist, die 500 Unterschriften zusammenzubekommen. „Wir wollen auch von Haustür zu Haustür gehen und die Bürger überzeugen“, erklärt er. Stadtjugendpfleger Jochen Kulzcynski haben sie bereits überzeugt. „Er wollte mit dieser Idee eh schon auf den Stadtrat zugehen“, berichtet Marco. Die Sprüher-Szene in Kitzingen ist nach seinen Worten übersichtlich. Eine Handvoll junger Menschen ist aktiv. „Aber es gibt eine Menge Interessierter, die gerne anfangen würden“, versichert Fabian. Für ihn ist Graffiti viel mehr als das Besprühen von Wänden, ein kreativer Prozess. „Man hat Ideen im Kopf, überlegt sich immer wieder Neues, grübelt teils bis in die Nacht und kreiert letztendlich etwas Bleibendes“, erzählt er. „Graffiti hat mein Leben extrem bereichert.“ In Fitness-Studios und Sauna-Landschaften durfte er sich schon austoben. Zusammen mit Marco war er fünf Tage lang in Berlin damit beschäftigt, eine Hauswand neu zu gestalten. „Die Vermieterin haben wir über Kontakte kennengelernt“, erinnert sich Marco. Eine Pflanzenwelt haben die beiden mitten im Stadtteil Moabit zum Leben erweckt. „Das ist doch viel schöner als eine graue Wand“, sagt Marco und hofft, dass der Kitzinger Stadtrat das irgendwann einmal genau so sehen wird. Damit alle Graffiti-Sprüher ihren Traum vor Ort verwirklichen können.

Petition: Wer sich in die Unterschriftenliste eintragen will, kann das unter www.change.org tun.

Ihr bislang größtes Projekt haben die beiden, zusammen mit Freunden, in Berlin Moabit verwirklicht.
Ihr bislang größtes Projekt haben die beiden, zusammen mit Freunden, in Berlin Moabit verwirklicht. Foto: Lewis
Es gibt auch Menschen, die sich über Graffiti freuen. Fabian Hüsam hat diese Wand in einer Saunalandschaft verschönert.
Es gibt auch Menschen, die sich über Graffiti freuen. Fabian Hüsam hat diese Wand in einer Saunalandschaft verschönert. Foto: Hüsam

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