Wiesentheid

Kindergarten in Wiesentheid: Regelbetrieb auf Kosten der Kinder?

Am 1. Juli dürfen wieder alle in den Kindergarten. Ulrike Schwanfelder, Leiterin der Wiesentheider Kitas, hat Bedenken: Geht der Betrieb mit Einschränkungen auf Kosten der Kinder?
Eigentlich steht beim Wiesentheider Kindergarten St. Mauritius – wie hier beim Sommerfest 2017 – Begegnung zwischen den Kindern im Vordergrund. Doch mit den Einschränkungen ist das noch nicht möglich.
Eigentlich steht beim Wiesentheider Kindergarten St. Mauritius – wie hier beim Sommerfest 2017 – Begegnung zwischen den Kindern im Vordergrund. Doch mit den Einschränkungen ist das noch nicht möglich. Foto: Dominik Berthel

Monatelang waren kleine Kinder von ihreren Spielkameraden und Erzieherinnen getrennt. Denn am 16. März wurden die Kindergärten in Bayern zur Eindämmung des Coronavirus geschlossen. Als Ersatz gab es eine Notbetreeung, die aber anfangs nur wenige Eltern in Anspruch nehmen konnten. "Im Moment sind dreiviertel der Kinder wieder da", sagte Ulrike Schwanfelder, Leiterin der Wiesentheider Kindertageseinrichtungen, vergangene Woche. Am Mittwoch, den 1. Juli, soll bayernweit auch der Rest wieder zurückkehren– in den sogenannten "eingeschränkten Regelbetrieb". Was bedeuten diese Einschränkungen für die Kinder?

Kommen dürfen ab dem 1. Juli wieder alle, die keine Krankheitssymptome aufweisen, nicht in Kontakt zu infizierten Personen stehen und keinen sonstigen Quarantänemaßnahme unterliegen. Die Hygienemaßnahmen bestehen aber weiterhin. Und genau darin sieht Ulrike Schwanfelder das Problem: "Es ist ausgeschlossen, dass sich die Kinder nicht begegnen", sagte sie. Zum Beispiel sollen die Kinder laut Vorschrift nur einzeln zur Toilette gehen. Aber was passiert, wenn es drängt? "Da kann ich dem Kind nicht sagen, dass es warten muss", betonte die Leiterin der Wiesentheider Kindertageseinrichtungen. "Das sind einfach Alltagsprobleme."

Widerspruch: Außerhalb des Kindergartens dürfen sich die Kinder treffen

Den Alltag stellen die Hyigenemaßnahmen sowieso auf den Kopf. Normalerweise verfolgt der Wiesentheider Kindergarten Sankt Mauritius ein offenes Konzept: Zwar gibt es Gruppen. Doch die Kinder dürfen sich im ganzen Haus aufhalten und zusammen spielen. Das ist aber mit den aktuellen Maßnahmen nicht möglich.

"Es werden Kinder getrennt, die sonst Spielkameraden sind", sagte Schwanfelder. Für sie sei das schwer nachvollziehbar. Denn seit Wochen dürfen die Kinder ihre Freunde außerhalb des Kindergartens ja wieder treffen, zum Beispiel auf Spielplätzen. "Man muss den Kindern Dinge auferlegen, die nicht ihrer Natur entsprechen", so die Kindergartenleiterin.

Selbstständigkeit der Kinder bleibt auf der Strecke

Teil des offenen Konzept des Wiesentheider Kindergarten ist auch das Kindercafé, wo alle gemeinsam essen. "Das ist nach wie vor geschlossen", sagte Schwanfelder. Ihre Verpflegung müssen die Kinder zurzeit von zuhause mitbringen. Gegessen wird in den Gruppen. Nur die Erzieherinnen dürfen ihren Schützlingen die Getränke einschenken.

"Sonst fördern wir immer die Selbstständigkeit der Kinder", sagte die Pädagogin. Aber das bleibe gerade auf der Strecke."Letztendlich sind es Vorschriften des Staatsministeriums, über die wir uns nicht hinwegsetzen können." Ebenso frustriert sie, dass noch kein Ende in Sicht ist. "Das Kindeswohl sollte eigentlich an erster Stelle stehen", so Schwanfelder. Mit den aktuellen Maßnahmen sei das aber nicht der Fall.

Bei Eltern und Kindern überwiegt Vorfreude

Anders ist die Stimmung bei den Eltern: "Für viele ist es eine Erleichterung, dass wieder alle Kinder in die Kita können", sagte Manuel Streblow, Elternbeiratsbeisitzer des Wiesentheider Kindergartens. Sein Sohn sei schon einige Wochen wieder im Kindergarten und würde mit den Maßnahmen gut klarkommen. "Es ist für ihn wieder wie Alltag", so Streblow. Zwar habe sich sein Sohn nach der Zwangspause eingewöhnen müssen. Doch die Vorfreude sei groß gewesen auf seine Spielkameraden und die Erzieherinnen.

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