Kitzingen

Leserforum: Provinzlerische Entscheidung

Zur Berichterstattung über die Entscheidung des Kitzinger Stadtrats, das Stadtmuseum zu schließen, erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift:

Mit großer Mehrheit hat der Kitzinger Stadtrat in diesen Tagen beschlossen, das Städtische Museum zu schließen – nicht für kurze Zeit, sondern für immer. Man muss innehalten und sich bewusst machen, was das bedeutet: die stolze "Weinhandelsstadt am Main" – Text auf den Schildern der Autobahnausfahrten – verzichtet auf eine Einrichtung, die in allen anderen Orten unserer Heimat, sogar in viel kleineren, eine selbstverständliche, stolze Verpflichtung ist.

Begründung? Zu wenige Besucher. Zu hohe Zuschusskosten jedes Jahr. Die Neukonzeption der Museumsleiterin sei nicht überzeugend.

Diese Entscheidung eines Gremiums, das in seiner Mehrheit an der Bewahrung und Pflege seiner Vergangenheit offenkundig reichlich desinteressiert ist – oder von großer Ahnungslosigkeit getrieben wird, wie es die seltsamen Argumente des Herrn Pfeiffle erkennen lassen – ist eine Blamage und eine bayernweite Schande. Es wäre gut, wenn überregionale Medien auf diese provinzlerische Entscheidung aufmerksam werden und erkennen, dass Kitzingen zwar hin und wieder die heißeste Stadt Deutschlands ist, aber Hitze offenkundig auch schädlich sein kann.

Ein neuer Stadtrat, mit neuem Schwung, neuen Mitgliedern: Davon erwartet der Wähler auch neuen Geist und neue Ideen! Aber: Welche Ideen haben Bürgermeister und Stadtrat selbst entwickelt, um ihrem Museum – ja, es ist ihr Museum! – mehr Möglichkeiten zu eröffnen? Die Frage des Standorts? Investitionen für publikumswirksame Aktivitäten?

Wer von den derzeitigen und früheren Entscheidungsträgern des "Hohen Rates" ist jemals selbst im Museum gewesen oder hat das Gespräch mit der Museumsleiterin gesucht? Warum gibt es nicht die Bereitschaft eines "runden Tisches", an dem kompetente Menschen über die Zukunft diskutieren? Mit dem Stadtheimatpfleger zum Beispiel, dem Leiter der Stelle für nichtstaatliche Museum?

Mit Dr. Erich Schneider, Direktor des Museums für Franken – er ist geborener Kitzinger und exzellenter Kenner der Stadtgeschichte? Mit Stadträten und ehrenamtlich Kulturschaffenden, die sich in ihrem Engagement nicht auf "Killerphrasen" wie "Geht nicht! Lohnt nicht! Kostet nur!" zurückziehen?

Wie hätte wohl der neue OB entschieden, wenn es um den dauerhaften Unterhalt einer defizitären Sporteinrichtung gegangen wäre? Mit Sicherheit ganz anders!

Doch was soll's! Kitzingen hat ja ein tolles Museum: die grandiose "Fasnachtsakademie"! In diese Einrichtung haben Landkreis und Stadt, ohne dass sie lange überlegen mussten, stattliche Summen investiert. Einfach so, Helau!

Was ist die Folge? Wir lernen zwar nichts mehr über die Heimat- und Stadtgeschichte, denn das ist ja zu teuer, langweilig und unwichtig. Dafür aber haben wir ausgebildete Witzeerzähler, professionell auftretende Narren, wendige Tanzmariechen und gut trainierte Männerballette, die alle nur denkbaren Drehungen und Wendungen beherrschen und auch komische Auftritte toll finden. Eben genau das, was wir im Alltag und für's Leben brauchen.

Wolle mer se reilasse? Sie sind schon da.

Dr. Hans Bauer
97318 Kitzingen

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Kitzingen
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Erich Schneider
  • Hans Bauer
  • Mitglieder
  • Museumsleiter
  • Stadtgeschichte
  • Stadtmuseen
  • Stadträte und Gemeinderäte
  • Städte
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!