Mainbernheim

Mainbernheims alte Hütte soll Touristinfo und Bücherei aufnehmen

Ein baufälliger Gebäudekomplex im Ortskern könnte zum neuen Mittelpunkt der Stadt werden. Jetzt haben die Planer erste Konzepte vorgestellt. Sie bergen manche Überraschung.
Stuckdecken machen unter anderem den Reiz des alten Gebäudes in der Mainbernheimer Herrnstraße aus, das die Stadt künftig für ihre Zwecke nutzen will.
Foto: Gerhard Krämer | Stuckdecken machen unter anderem den Reiz des alten Gebäudes in der Mainbernheimer Herrnstraße aus, das die Stadt künftig für ihre Zwecke nutzen will.

Für das ehemalige Elfleins-Anwesen in der Mainbernheimer Herrnstraße 35 und für das Haus Nummer 37, die seit einiger Zeit der Stadt gehören, liegt eine Machbarkeitsstudie vor. Vertreter des Architekturbüros stellten zudem ein Nutzungskonzept vor, gestützt auf die Befunde von Restaurator und Statiker. Unter anderem sollen dort die Stadtbücherei und eine Schaudruckerei ihre Domizile finden. Geht es nach Bürgermeister Peter Kraus, soll das Projekt noch in seiner Amtszeit verwirklicht werden.

Neben der Umgestaltung des Bereichs Herrnstraße-Mitte ist die Sanierung des ehemaligen Elfleins-Anwesens für Kraus eines der wichtigsten und kostenintensivsten Projekte der kommenden Jahre. Dabei gehe es nicht nur um die Beseitigung eines langjährigen städtebaulichen Missstands in der Altstadt, sondern auch darum, denkmalpflegerisch wertvolle Bausubstanz zu erhalten und die Gebäude sinnvoll und zukunftsfähig zu nutzen, sagte der Bürgermeister jetzt bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie in der örtlichen Radlerherberge. Das Projekt wird nach seinen Worten sowohl vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD) als auch von der Regierung von Unterfranken wohlwollend begleitet. Online waren deshalb auch Thomas Gunzelmann (LfD) und Baudirektorin Daniela Kircher in die Sitzung zugeschaltet.

Die Garagen rechts im Bild werden abgerissen. Damit wird der Innenhof zwischen Haus 35 (links) und Haus 37 deutlich größer. Der Zwischenbau (Mitte) wird dann das Empfangsgebäude, wobei der große Eingang beibehalten werden soll.
Foto: Gerhard Krämer | Die Garagen rechts im Bild werden abgerissen. Damit wird der Innenhof zwischen Haus 35 (links) und Haus 37 deutlich größer.

Restaurator Edgar Hartmann gab einen ausführlichen Einblick in die Baugeschichte der beiden Gebäude. Für die Hausnummer 35 datierte er die Bauzeit ins Jahr 1566, was durch die Dendrochronologie (Analyse alter Holzbalken) und Farbbefunde belegt werden kann. Der Eingang von der Herrnstraße sei da schon vorhanden gewesen. Vermutlich habe es auf der Hofseite einen Laubengang gegeben. Darauf deuteten die Raumstrukturen hin. Der erste große Umbau sei 1743 erfolgt. Viele Wände seien nachträglich eingebaut worden.

Das Gebäude mit der 37 ist älter als gedacht

Das Gebäude Herrnstraße 37 stammt laut Hartmann vermutlich aus dem Jahr 1810 und ist damit älter als gedacht. Es sei ein klassisches Wohn-Stallhaus. Der Stall, der Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Werkstatt umgebaut wurde, besitzt eine Kappendecke.

Ursprünglich hatte man sich bei der Stadt überlegt, das Objekt mit der Nummer 37 abzureißen, um Parkplätze zu schaffen. Das Gebäude sei besser intakt als das vordere und: "Es lohnt sich zu erhalten", lautete das Fazit des Restaurators. Es eigne sich für die vorgesehene Zwecke. "Ich bin freudig erregt, was daraus wird", schloss Hartmann.

Das Gebäude Herrnstraße 35 mit seinem merkwürdigen Vorsprung am Eck könnte dort einst einen Laubengang gehabt haben. Es stammt aus dem Jahr 1566. Derzeit versperren noch Garagen den Blick auf das Haus 37, das etwa um 1810 errichtet worden ist.
Foto: Gerhard Krämer | Das Gebäude Herrnstraße 35 mit seinem merkwürdigen Vorsprung am Eck könnte dort einst einen Laubengang gehabt haben. Es stammt aus dem Jahr 1566.

Von normalen Schäden an so einem Haus mit Blick auf das Alter berichtete Statiker Bernd Hußenöder. Von der Statik her sei alles in den Griff zu bekommen. Mit Einbindung des Hauses 37 und dem Abriss der Garagen entstehe das Bild von einem klassischen Dreiseithof.

Rezeption, Touristinfo, Poststelle unter einem Dach

Stefan Schlicht und Franziska Klein vom beauftragten Architekturbüro präsentierten die beiden großen Gebäude und den Zwischenbau als eine Einheit. Hauptzugang sei vom Innenhof her mit einem Bereich des Ankommens im Zwischenbau. Dort könnten auch die Rezeption für das Beherbergungskonzept Albergo diffuso, die Touristinfo, ein interaktives Stadtmodell, eine Poststelle und die Buchausgabe untergebracht werden.

Im Haus Nummer 35 sehen die Planer im Erdgeschoss einen Aufenthaltsraum, einen Raum zum Treffen und im Obergeschoss die neue Stadtbücherei. Im Anwesen 37 könnten unten im alten Stall die Druckerei von Conny Hügelschäffer und ein Seminarraum entstehen, oben Stadtarchiv und Lagerräume sowie oberhalb des Empfangsraums eine Kinder- und Jugendbücherei. Das Dachgeschoss soll nicht genutzt werden.

Der alte Gewölbekeller soll reaktiviert werden. Weinproben oder Märkte wären dann dort möglich sein.
Foto: Gerhard Krämer | Der alte Gewölbekeller soll reaktiviert werden. Weinproben oder Märkte wären dann dort möglich sein.

"Sie schaffen ein neues Zentrum mit vielseitiger Nutzung", sagte Stefan Schlicht. Auch der in den Fels geschlagene Gewölbekeller könnte reaktiviert werden und zum Beispiel für Weinproben oder den Weihnachtsmarkt genutzt werden.

Was will und was kann die Stadt sich leisten?

"Wir müssen überlegen, was für uns sinnvoll ist und vor allem, was finanzierbar ist", sagte Bürgermeister Peter Kraus. Denn man müsse sich im Klaren sein, dass auch Personal benötigt werde. Stadtrat Eugen Reifenscheid könnte sich eine Symbiose von Haupt- und Ehrenamtlichen vorstellen. Für Daniela Kircher stellt sich das Projekt als "Riesen-Glücksfall" dar, so einen Gebäudekomplex mit Leben zu füllen. Durch die Vielfalt sieht sie auch eine Vielzahl von Bürgern, die das Angebot nutzen würden.

In der von Bürgermeister Kraus angesprochenen Parkplatzproblematik sah Kircher kein Problem. Autoparkplätze außerhalb der Stadtmauern und Fahrradstellplätze am Gebäude reichen ihrer Meinung nach dafür aus.

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